Panorama

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Elterncouch

Aus vier mach fünf

imago/ Photocase

Warten auf Nummer drei (Symbolfoto)

Samstag, 14.04.2018   16:24 Uhr

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Zwei Erwachsene, zwei Kinder - das ist das DIN A4 der Familienplanung. Aber was, wenn dieses Format nicht mehr ausreicht?

Man stelle sich folgende Szene vor: Eine Frau kommt nach Hause und eröffnet ihrem Ehemann bei einem schönen Glas Grauburgunder: "Mein Lieber, bald bringe ich übrigens einen neuen Mann mit in die Familie. Er schläft dann bei mir im Bett, bekommt all meine Liebe und Aufmerksamkeit. Na? Freust du dich?"

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So ungefähr muss es sich für unsere Söhne Oliver und Frederik angefühlt haben (minus den Grauburgunder), als wir es ihnen verraten haben. Ihnen, lieber Leser, kann ich es schonender beibringen: Das dritte Kind ist bald da. Sonst ändert sich eigentlich nichts. Zumindest für Sie.

Obwohl: Ich könnte mir vorstellen, dass die Kolumnen in den kommenden Monaten etwas beschwingter werden. Denn Schlafentzug, das haben Forscher aus Graz festgestellt, wirkt ähnlich wie Alkohol: Wer nachts nur vier Stunden schläft, reagiert am nächsten Tag wie jemand mit 0,5 Promille im Blut. Mit einer ganzen durchwachten Nacht kommt man sogar auf 0,8. Wer braucht da noch Grauburgunder?

Als Eltern von Mann- auf Raumdeckung umschalten

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An den Schlafentzug kann ich mich noch dunkel erinnern bei Babys - wobei diesmal natürlich alles ganz anders wird: Das Baby wird 90 Prozent seiner wachen Zeit lachen und selbstvergessen erste Greif- und Motorikübungen vollführen. Die übrigen zehn Prozent verbringen wir mit dem Wechseln der Windeln, die nach einer Blumenwiese im Frühling riechen. Und bevor es in einen 14-stündigen Tiefschlaf verfällt, räumt das Baby noch die Spülmaschine ein und liest uns aus der Zeitung vor.

Sie merken schon, ich bemühe mich um Autosuggestion. Denn ich habe bei aller Vorfreude auch Respekt: Ich habe zwar keine Ahnung von Fußball, aber mit drei Kindern muss man sich als Eltern definitiv von der Manndeckung verabschieden und auf Raumdeckung umschalten. Das ist sicher der modernere Fußball, aber was nützt mir das, wenn die Anatomie nicht mitspielt? Ich habe nur zwei Hände, zwei Augen (die sich dummerweise nicht unabhängig voneinander bewegen lassen, Chamäleon müsste man sein) und zwei Ohren, was allerdings unerheblich ist, da rauscht den Tag über ohnehin das Meiste durch.

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Notgedrungen, ist ja nicht so, dass mich nicht interessieren würde, was Oliver heute in der Bauecke erlebt hat und Frederik beim Schwimmkurs. Gleichzeitig aber bitte schnell das Autoradio lauter machen, es kommt doch gerade Olivers Lieblingslied und dann klingelt noch das Handy. Und dann noch ein Baby mit all seinen Wünschen und Bedürfnissen? Wie hat sich die Natur das genau vorgestellt? Aber mit der Evolution habe ich ohnehin noch eine Rechnung offen.

Dabei ist ja nicht nur unser Körper auf zwei Kinder ausgerichtet, praktisch die gesamte Infrastruktur: Wohnungen, bezahlbare Urlaube, gar nicht zu sprechen von Autos. Seit wann sind Kindersitze eigentlich zu Plastikmonstern mit den Ausmaßen eines Leopard-2-Panzers geworden? Ich erinnere mich noch an Ferienfahrten mit meinen Eltern, bei denen meine zwei Geschwister und ich in unseren Sitzen alle zusammen auf der Rückbank Platz fanden. Heute muss man pro Styroporkoloss praktisch eine eigene Sitzreihe reservieren. Also ein neues Auto, das in keine Parklücke mehr passt, ein dritter Kinderstuhl, Wickeltisch und irgendwo muss dann auch noch ein Zimmer her (das Wohnzimmer kam mir ohnehin zu groß vor).

Es wird übrigens ein Mädchen, habe ich das schon erwähnt? Oliver spricht jeden Tag mit ihm, durch die Bauchdecke, streichelt, sortiert Spielzeug und macht jetzt schon große Pläne für seine kleine Schwester. Wahrscheinlich wird sie nach der Geburt denken, Oliver sei ihr Vater. Was natürlich die eleganteste Lösung wäre: Windeln wechseln, nachts spazieren tragen, Brei füttern - alles Olivers Ding und ich wäre fein raus.

Nur ihr erstes zahnloses Lächeln, das soll sie bitte nur mir schenken.

Zum Autor
  • Illustration: Michael Meißner
    Jonas Ratz,
    Vater von Frederik (vier Jahre) und Oliver (anderthalb Jahre)

    Liebstes Kinderbuch: "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak (Oft habe ich das Gefühl: bei uns zu Hause...).

    Nervigstes Kinderspielzeug: mein Smartphone

    Erziehungsstil: Erziehung ist das, was passiert, während man daran scheitert, ein Vorbild zu sein.

    Sammelt: Kinderworte. Hafersocken statt Haferflocken, Sambalamba statt Salamander. Kennen Sie auch solche kreativen Abwandlungen? Schreiben Sie an kinderworte@spiegel.de.

  • Jonas Ratz eine E-Mail schreiben
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