Missbrauchsskandal Uno wirft Vatikan mangelnde Aufklärung vor

In Genf hat das Uno-Komitee für die Rechte des Kindes Vatikan-Verteter zum Missbrauchsskandal befragt. Der Kirchenstaat weigert sich, einen geforderten Bericht vorzulegen. Doch Botschafter Tomasi beteuert ein weltweit entschlossenes Vorgehen.

Vatikan-Botschafter Tomasi: Anhörung in Genf
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Vatikan-Botschafter Tomasi: Anhörung in Genf


Genf - Das Uno-Komitee für die Rechte des Kindes hat das Verhalten des Vatikans in dem Missbrauchsskandal kritisiert, der seit Jahren die katholische Kirche erschüttert. Der Kirchenstaat müsse mehr Informationen über die getroffenen Maßnahmen zur Prävention von Kindesmissbrauch geben, forderte die Vorsitzende des Gremiums, Sara Oviedo. "Welche Änderungen beim Verhaltenskodex wurden getroffen, um sexuellen Missbrauch zu verhindern? Welche Strafen wurden gegen Priester verhängt, deren Verhalten unangemessen war?", fragte Oviedo.

Der Vatikan weigert sich, einen vom Uno-Komitee geforderten Bericht zu Einzelheiten des Kindesmissbrauchs innerhalb der katholischen Kirche in den vergangenen Jahren vorzulegen. Der Ausschuss hatte bereits im Juli 2013 angefragt, in welchen Missbrauchsfällen die Glaubenskongregation des Vatikans derzeit ermittelt. Kritiker werfen dem Vatikan vor, mit seinem Schweigen die Missbrauchsvorwürfe gegen Kirchenmitarbeiter vertuschen zu wollen. Es gehe um Opfer- und Zeugenschutz, entgegnet der Vatikan.

Oviedo kritisierte auch das übliche Vorgehen, beschuldigte Priester einfach zu versetzen, anstatt die Fälle an die Polizei zu übergeben. Das bemängelte auch ihre Kollegin Hiranthi Wijemanne aus Sri Lanka: "Warum werden nur einige wenige Fälle an die Justizbehörden gemeldet, warum werden sie nicht öffentlich gemacht?", fragte sie.

Der Botschafter des Vatikans bei den Vereinten Nationen, Silvano Tomasi, verteidigte den Kirchenstaat. Der Vatikan gehe mit aller Kraft gegen den Missbrauch von Kindern vor, sagte er. Der Papst habe eigens die Bildung einer Kommission für den Schutz von Minderjährigen veranlasst. Sie werde Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit von Kindern in der Obhut der Kirche sowie zur Fürsorge für Missbrauchsopfer vorschlagen. Für die Katholische Kirche gelte, was bereits Papst Johannes Paul II. erklärt habe: Der Vatikan betrachte Kindesmissbrauch durch Kirchenvertreter als Verbrechen und "entsetzliche Sünde vor den Augen Gottes".

Der Vatikan habe alle relevanten internationalen Verträge zum Schutz von Kindern ratifiziert und setze sie konsequent um - darunter das Uno-Protokoll zur Bekämpfung von Kinderprostitution und Kinderpornografie. Der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen sei ein Verbrechen, das allerdings keineswegs besonders stark in Kreisen von Geistlichen verübt werde. Kindesmissbrauch finde man selbst bei den am meisten geachteten Berufsgruppen der Welt, "darunter beim Klerus und anderen kirchlichen Berufen".

Das Uno-Komitee will Einschätzungen zum Umgang des Kirchenstaates mit dem Kindesmissbrauch sowie Empfehlungen für Verbesserungen bis Anfang Februar erarbeiten und dann veröffentlichen.

hut/dpa/AFP/AP



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