Wahlkampfspot der Republikaner Hasstiraden statt Rockmusik

Stellen Sie sich vor, Ihr Umfeld denkt, Sie machten Werbung für die Republikaner. So ergeht es jungen Leuten, die über eine Casting-Agentur für den Videodreh einer Band verpflichtet wurden. Doch statt mit Rockmusik wurde der Clip mit einer Hasstirade unterlegt.

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Screenshot aus dem Videoclip: "Wer ist der größte Arsch?"
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Screenshot aus dem Videoclip: "Wer ist der größte Arsch?"


Hamburg - Eigentlich müsste man beginnen mit: die Republikaner? Gibt es die überhaupt noch? 1983 gegründet und mehr als zehn Jahre im Visier des Verfassungsschutzes sind sie auf die Größe einer rechtsextremen Splitterpartei geschrumpft, die seit 2001 in kommunalen Parlamenten vertreten ist.

Erfolge wie bei der baden-württembergischen Landtagswahl 1996, als die Rechtspopulisten in Umfragen auf vier bis fünf Prozent der Stimmen kamen, am Wahlabend aber knapp zehn Prozent erreichten, sind passé. Trotzdem treten die Republikaner am 22. September in zehn Bundesländern an und machen Wahlkampf. Offensichtlich jedoch mit hinterlistigen Methoden.

Nun hat das Berliner Landgericht entschieden, dass die Republikaner einen Wahlkampfspot von ihrer Homepage nehmen müssen. In dem Beschluss, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es, im "Fall der Zuwiderhandlung" müsse die Partei ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro zahlen.

In dem 76-Sekunden-Spot tanzen ein knappes Dutzend junger Menschen im angedeuteten Disconebel. Unterlegt ist das Video mit schlechtem Sprechgesang, eine Art Möchtegern-Rap. Titel: "Lass dich nicht verarschen". Er diffamiert die anderen Parteien. Von "Kinderrumfickerei", steigender Inflationsrate und "gelb-goldenem Reich" ist die Rede.

Nach 15 Sekunden zoomt sich die Kamera von hinten an einen nackten, nur mit einem String-Tanga bekleideten Tänzer heran. "Es ist mal wieder so weit: Wir können den größten Arsch wählen", plärrt es aus dem Mikrofon. Weitere drei fast nackte Hintern tanzen durchs Bild - die Tangas jeweils in den Farben der großen Parteien, schwarz, rot, gelb, grün. Aus dem Off tönt es: "Wer ist der größte Arsch? Alles, was du wählen kannst, ist, wer den größten Haufen plant!"

Für 250 Euro nackig gemacht

Der Musikclip an sich ist nicht nur unzumutbar unoriginell, seine Komparsen hat sich die Partei - vermutlich aus Mangel an Freiwilligen - unter ebenso unzumutbaren Umständen geangelt: Die Werbeagentur Sunshine GmbH aus dem bayerischen Kempten hatte über die Berliner Casting-Agentur Wanted Komparsen engagiert mit dem Hinweis: Sie sollten lediglich für ein Video tanzen, mit dem eine neue Rock-Band mit polnischem Management, vom Sound her ähnlich der Band "Die Ärzte", beworben werden solle. Details wurden nicht erwähnt, was in der Casting-Branche nichts Außergewöhnliches ist.

Bei der Aufnahme hörten die Komparsen nicht den Sprechgesang der Republikaner, sie sollten nur so tun, als tanzten sie zu Musik. Es wurde viel gelacht, nach ein paar Stunden war das Video im Kasten, die Tagesgage für die Statisten betrug zwischen 75 und 250 Euro.

Das Endprodukt sahen die meisten von ihnen erst im Fernsehen beziehungsweise ihre Familie und Freunde: als Wahlwerbung für die Republikaner. Der Aufschrei bei der Agentur war groß, erst recht die Panik bei den Komparsen. Gutgläubig, vielleicht auch nachlässig, hatten sie mit einem Vertrag "sämtliche weltweiten, zeitlich, räumlich und gegenständlich unbeschränkten Verwertungsrechte (...) in allen Medien und auf jede beliebige Art und Weise" eingeräumt. Gemeinsam mit der Berliner Agentur wehrten sie sich und erwirkten nun die einstweilige Verfügung.

"Die Komparsen, die wir vertreten, hätten wissentlich nicht bei einem Videodreh der rechten Partei 'Die Republikaner' mitgewirkt", sagt ihr Rechtsanwalt Johannes Eisenberg. "Sie lehnen die politischen Positionen dieser Partei fundamental ab."

Werbespot noch immer auf der Homepage

Noch ignoriert die Partei den Beschluss, das Video ist noch immer auf ihrer Homepage einsehbar. Offensichtlich wollen die Republikaner ihre Entscheidung bis zur Zustellung der Verfügung durch einen Gerichtsvollzieher herauszögern. Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE wurde nicht reagiert.

Der Vorfall erinnert an das Debakel bei einem Wahlkampfspot der FDP mit Spitzenkandidat Rainer Brüderle: Am Ende des 90-Sekunden-Clips radelt eine vierköpfige Bilderbuchfamilie eine sonnendurchflutete Allee entlang - exakt dieselbe Szene mit demselben Bildmaterial verwendet auch die rechtsextreme NPD in ihrem Werbespot zur Bundestagswahl.

Die Sunshine GmbH aus dem Allgäu, die über die Berliner Agentur die Komparsen buchte, sagte der "taz", es könne versichert werden, "dass unsere Firma mit der Partei 'Die Republikaner' keinen Vertrag über einen Filmclip abgeschlossen hat".

Nach Informationen der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V. a.i.d.a. ließ sich der Geschäftsführer der Firma allerdings etwa 2012 ins Landesschiedsgericht der Republikaner berufen.

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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
ninjany.heinsohn 07.09.2013
1. Ja und!?!
Die denken eben deutsch!, ist das inzwischen 'eine Schande'? Mir wäre auch lieber,die würden , wie ich , die AfD wählen , nur, als Demokrat hat man auch andere Meinungen zu respektieren ,oder ?!? Mein Senf DAZU
frageum 07.09.2013
2. Das ist doch mal was zur Erheiterung am Nachmittag
Zitat von sysopREPStellen Sie sich vor, Ihr Umfeld denkt, sie machten Werbung für die Republikaner. So ergeht es jungen Leuten, die über eine Casting-Agentur für den Videodreh einer Band verpflichtet wurden. Doch statt mit Rockmusik wurde der Clip mit einer Hasstirade unterlegt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/gericht-verbindet-umstrittenen-wahlkampfspot-der-republikaner-a-920952.html
Wer plant den größten Haufen? Die Republikaner sind da schon einen Schritt weiter...
Bhur Yham 07.09.2013
3. Gleiches Recht für alle
Solange Herr Obama ungestört Werbung für einen Angriffskrieg macht, dürfen die Republikaner auch den größten Arsch bewerben. Ist vielleicht sogar derselbe.
Marv89 07.09.2013
4.
Zitat von ninjany.heinsohnDie denken eben deutsch!, ist das inzwischen 'eine Schande'? Mir wäre auch lieber,die würden , wie ich , die AfD wählen , nur, als Demokrat hat man auch andere Meinungen zu respektieren ,oder ?!? Mein Senf DAZU
Was hat den Ihr Beitrag jetzt mit dem Artikel zu tun ? Natürlich kann jeder seine Meinung sagen, aber wenn Leute betrogen werden dann sicherlich nicht! Und das ist bei den jungen Statisten hier ja wohl offensichtlich der Fall gewesen!
biobanane 07.09.2013
5.
Man müsste mal eine Liste machen von den Parteien, die als "anständige Deutsche" oder "Vertreter der schweigenden Mehrheit" in den Kampf gezogen sind, um dann als rechtsradikale Splittergruppe zu enden. Scheinbar kommt das durch den Hang der Deutschen zum Verein, dass man sowas selbst nach mehreren Niederlagen wieder überdenkt und aufgibt. Mein Tipp die nächste ist die AfD.
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