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Gerichtsurteil: Australischer Querschnittsgelähmter darf sterben

Christian Rossiter ist querschnittsgelähmt, kann seine Arme nicht mehr bewegen und will sterben. Ein australisches Gericht hat ihm nun das Recht zugesprochen, dass er sich in einem Pflegeheim zu Tode hungern darf. Die Entscheidung könnte eine Gesetzeslücke in Australien schließen.

Canberra - Es könnte der letzte Sieg im Leben von Christian Rossiter sein. Der Tetraplegiker, der querschnittsgelähmt ist und auch seine Arme nicht mehr bewegen kann, hat vor einem australischen Gericht das Recht erstritten, sich selbst zu töten.

"Ich bin glücklich, dass ich mein Recht zu sterben errungen habe", sagte der ehemalige Börsenmakler und Bergsteiger nach dem Urteil.

Rossiter will sich zu Tode hungern. Das Gericht hatte entschieden, dass das Personal des Pflegeheims in Perth, in dem der 49-Jährige lebt, nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werde, wenn es die künstliche Ernährung einstelle - so wie es Rossiter wünscht.

Der ehemalige Börsenmakler hatte sich bei einem Autounfall im Jahr 2004 die Wirbelsäule gebrochen und ist seit einem Sturz im vergangenen Jahr spastisch gelähmt. Er könne sich weder die Nase putzen noch die Tränen aus den Augen wischen, heißt es in einer Erklärung, die seine Anwältin Linda Black verlas.

Das Urteil stößt in eine australische Gesetzeslücke: Patienten haben zwar das Recht, lebenserhaltende Maßnahmen zu verweigern. Doch Sterbehilfe gilt als Verbrechen. Das Pflegeheim hatte daher eine Gerichtsentscheidung zu dem Fall angestrebt, um die Schuldfrage zu klären. Rossiter hatte wiederholt um eine Einstellung der künstlichen Ernährung gebeten.

Ähnliche Fälle hatten in anderen Ländern für heftige Debatten gesorgt. In den USA beispielsweise sorgte der Fall der komatösen Terri Schiavo für Schlagzeilen. Ihr Mann hatte gegen ihre Familie einen achtjährigen Rechtsstreit darum geführt, die lebenserhaltenden Maßnahmen für seine Frau zu beenden. Im Jahr 2005 dann bekam er Recht, Schiavo konnte sterben.

Rossiter wollte in die Schweiz reisen

In der Schweiz ist Sterbehilfe erlaubt, was viele britische Patienten in den vergangenen Jahren ausnutzten, um dort ihrem Leben ein Ende zu setzen. Personen, die ihnen bei der Reise halfen, wurden strafrechtlich nicht verfolgt.

Auch Rossiter hatte sich darauf eingestellt, in die Schweiz zu gehen, wie er in der eintägigen Anhörung vor Gericht sagte. Er hatte jedoch befürchtet, dass die Schweizer Regierung Fälle wie seinen bürokratisch verzögern würde.

Nach dem Urteil sagte der 49-Jährige, er wolle sich nun zunächst ärztlich beraten lassen, bevor er seinem Leben ein Ende setze. "Es besteht die Möglichkeit, dass ich noch davon abgebracht werden kann."

In Deutschland hatte der Bundestag kürzlich ein neues Gesetz zur Patientenverfügungen beschlossen und mehr Rechtssicherheit in das Thema Sterbehilfe gebracht. Hat ein Patient vorab seinen Willen für den Fall einer schweren Erkrankung schriftlich verfasst, so hat dieser oberste Priorität - unabhängig von Art und Stadium der Krankheit. Auch muss die Krankheit nicht unbedingt tödlich enden, und der Verfasser muss sich nicht zuvor von einem Arzt beraten lassen haben.

lub/AP

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