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Flugzeugunglück in Südfrankreich: Keine Überlebenden, viele deutsche Opfer

AP/dpa

In Südfrankreich ist ein Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings abgestürzt - mit 150 Menschen an Bord. Laut Frankreichs Präsident Hollande sind viele Deutsche unter den Opfern.

Paris - Ein Flugzeug vom Typ Airbus A320 ist in Frankreich abgestürzt. Es handelt es sich nach Angaben der Deutschen Flugsicherung um eine Germanwings-Maschine. Laut der Airline waren 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder an Bord. Vorher war von 142 Passagieren die Rede gewesen. Die Maschine war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Die Absturzursache ist bislang unklar.

Der Absturzort liegt im Département Alpes-de-Haute-Provence. Trümmer des Flugzeuges seien in den südlichen Alpen in der Region von Barcelonnette entdeckt worden, teilte das Innenministerium in Paris mit. Das Wrack wurde nach Angaben der Luftfahrtbehörde in Paris von einem Militärhubschrauber in der Nähe des Ortes Prads-Haute-Bléone gefunden.

Bei dem Absturz sind wahrscheinlich viele Deutsche ums Leben gekommen. Frankreichs Staatspräsident François Hollande sprach von einer bedeutenden Zahl deutscher Opfer. Auch 45 Spanier seien an Bord gewesen, teilte die spanische Regierung mit. Laut französischer Regierung gibt es keine Überlebenden.

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Germanwings: Airbus 320 stürzt in Südfrankreich ab
Flug 4U-9525 sollte laut "Flightradar24.com" um 9.35 Uhr MEZ in Barcelona starten, hob tatsächlich aber erst gegen 10 Uhr ab. Die Landung in Düsseldorf war für 11.55 Uhr geplant.

"Flightradar24.com" zufolge riss das Signal auf einer Flughöhe von 6800 Fuß (knapp 2100 Meter) ab. Demnach verlor die Maschine vor ihrem Verschwinden deutlich an Höhe - von etwa elf Kilometer bis auf zwei Kilometer.

Die Sinkrate betrug den Angaben zufolge rund 3000 bis 4000 Fuß pro Minute (etwa 1000 Meter). Das sei vergleichbar mit dem Standard bei Landeanflügen. Andere Quellen beziffern die Standard-Sinkrate mit etwa 2500 Fuß pro Minute.

Laut dem französischen Innenministerium liegt der Absturzort in rund 2000 Meter Höhe in den Alpen. Ein Sprecher sagte, man gehe von einer extrem langen und schwierigen Suchaktion aus, weil das Gebiet so abgelegen sei.

Der Absturz erfolgte in der Nähe des Massivs der Trois-Évêchés, einer Bergformation in der Nähe von Digne, die bis zu 3000 Meter Höhe erreicht. Die Gegend - zerklüftete Strukturen mit Gletschern - ist schwer zugänglich.

Die Rettungskräfte der Gendarmerie werden lange brauchen, um zur Unglücksstelle vorzudringen: Bisher wurden 400 Mann mobilisiert, die angesichts des Terrains und der Höhe die Unglücksstelle nur per Hubschrauber rasch erreichen werden.

"Unsere Gedanken sind bei den Menschen an Bord und ihren Angehörigen", sagte EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc. "Es ist eine Tragödie auf unserem Boden", sagte Hollande. Er werde bald mit Kanzlerin Angela Merkel sprechen. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve machte sich auf den Weg zum Unfallort.

Auch deutsche Experten wollen sich an der Klärung der Ursache beteiligen. Wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte, sind Fachleute der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bereits auf dem Weg zur Unglücksstelle.

Unglücksmaschine mit der Kennung D-AIPX (Archiv): Jungfernflug im November 1990 Zur Großansicht
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Unglücksmaschine mit der Kennung D-AIPX (Archiv): Jungfernflug im November 1990

Der abgestürzte Airbus war gut 24 Jahre alt. Nach Informationen der Website "Airfleets.net" war die Maschine vom Typ A320 am 6. Februar 1991 an die Lufthansa ausgeliefert worden. Zwischenzeitlich war der Jet mit 147 Sitzplätzen und der Kennung D-AIPX unter dem Städtenamen "Mannheim" unterwegs. Ihren Jungfernflug hatte sie am 29. November 1990.

Die Lufthansa-Tochter Germanwings schrieb bei Twitter, man verfüge selbst noch nicht über gesicherte Informationen. Sobald es diese gebe, werde man die Medien unverzüglich informieren. Updates würden auf der Website der Airline veröffentlicht. Die Seite war jedoch vorübergehend nicht zu erreichen.

Später sagte der Geschäftsführer der Fluggesellschaft, Oliver Wagner, zur Unfallursache könnten noch "keine gesicherten Angaben" gemacht werden. Den Angehörigen und Freunden der Verunglückten sprach Wagner sein "tiefes Mitgefühl" aus. "Das Geschehene tut uns unendlich leid."

Im Video: Germanwings-Geschäftsführer Wagner über den Absturz

DPA
"Wir wissen noch nicht genau, was mit Flug 4U-9525 geschehen ist", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Angehörigen und Freunden unserer Passagiere und Crews von 4U-9525. Wenn sich die Befürchtungen bestätigen sollten, ist dies ist ein schwarzer Tag für Lufthansa."

"Wir tun alles, um die Situation zu analysieren", sagte eine Airbus-Sprecherin. "Sobald wir mehr Informationen haben, machen wir das bekannt." Der Airbus A320 ist das erfolgreichste Modell des Konzerns. Von dem Mittelstrecken-Jet sind weltweit fast 3700 Maschinen im Einsatz.

Das Auswärtige Amt richtete ebenso wie die französische und die katalanische Regierung einen Krisenstab ein. Unter der Telefonnummer 030 / 5000 3000 könnten sich Angehörige informieren, teilte ein Sprecher mit. Man stehe in engstem Kontakt mit den französischen Behörden. Auch der Flughafen Düsseldorf richtete eine Krisen-Hotline mit der Nummer 0800 / 7766350 ein.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei all denjenigen, die darum fürchten müssen, dass ihre Angehörigen unter den Passagieren oder Besatzungsmitgliedern sind."

Im Video: Präsident Hollande bestätigt Flugzeugabsturz

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wit/ulz/rls/bim/AFP/Reuters/dpa

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Notfallnummern Germanwings-Absturz
Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890

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