Tennismatch Bobby Riggs gegen Billie Jean King Der Geschlechterkampf und die Mafia

Frau besiegt Mann im Tennis, ein historischer Moment: Beim "Battle of the Sexes" unterlag Ex-Profi Bobby Riggs 1973 der Wimbledonsiegerin Billie Jean King. Nun wirft eine Dokumentation Fragen auf. Verlor Riggs absichtlich, um seine Wettschulden bei der Mafia zu begleichen?

AP

Von


Hamburg - Den letzten Aufschlag serviert er durch die Mitte, nicht sonderlich schnell, mit etwas Schnitt. Bobby Riggs läuft vor ans Netz, Serve and Volley, wie häufiger an diesem 20. September 1973 im Astrodome von Houston, Texas. Der Return gerät zu hoch, Riggs müsste den Rückhand-Volley nur wegdrücken, ein leichter Punkt. Doch sein Flugball landet im Netz. Riggs, das Großmaul, verliert. Gegen eine Frau.

Billy Jean King schmeißt ihren Schläger vor Freude in die Luft. 6:4, 6:3, 6:3 hat sie das "Battle of the Sexes" (Kampf der Geschlechter) gegen Riggs gewonnen. Ein historischer Sportmoment, der das Ansehen des Frauentennis in den folgenden Jahren massiv aufwerten sollte.

Kaum jemand hatte mit einem Sieg der Frau gerechnet. Auch wenn die 29-jährige King damals eine der besten Spielerinnen der Welt war und Riggs, 55, nur ein alternder Ex-Profi und Wimbledonsieger von 1939. Immerhin hatte er wenige Monate zuvor Margaret Court, die damalige Nummer eins, so vernichtend geschlagen, dass der Schaukampf als "Muttertagsmassaker" beschrieben wurde.

Schon kurz nach der Niederlage gegen King kamen Gerüchte auf, es sei nicht mit rechten Dingen zugegangen. Nun, pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum des Schaukampfs, ist eine weitere Theorie hinzugekommen: Der Sportsender ESPN berichtet, Riggs könnte das Match absichtlich verloren haben, um seine Schulden bei der Mafia zu begleichen.

Kronzeuge für diese Version ist ein Mann, der in den siebziger Jahren als Golftrainer in Florida arbeitete. Eines Nachts will er vier Mafiosi belauscht haben, die sich über Riggs unterhielten. Mehr als 100.000 Dollar schulde er ihnen, hieß es, doch der Ex-Sportler habe einen Plan, wie er das Geld zurückzahlen könne. Mit Wettbetrug und Schaukämpfen gegen die besten Tennisspielerinnen der Welt.

Schon als aktiver Spieler war Riggs als Zocker bekannt. Aus seiner Wettleidenschaft machte er kein Geheimnis, seine Biografie trägt den Titel "Court Hustler". Der Abzocker auf dem Tennisplatz.

Auf seiner Trainingsjacke stand "Sugar Daddy"

Nach dem Ende seiner Karriere machte sich Riggs einen Spaß daraus, gegen Geld die verrücktesten Wetten einzugehen. Als Handicap stellte er seine Hälfte des Tennisplatzes voller Stühle, zwischen denen er hindurchlaufen musste, um den Ball zu erreichen. ESPN berichtet auch von den Erfahrungen anderer Spieler: Demnach konnte Riggs den ersten oder zweiten Satz verlieren, den Gegner in Sicherheit wiegen, den Einsatz erhöhen und das Match dann doch noch gewinnen. So sehr hatte er alles unter Kontrolle.

Doch offenbar wettete er nicht nur beim Golf oder Tennis. Riggs zockte auch in den Casinos von Las Vegas und spielte Karten um immense Summen. Dabei kam er offenbar auch in Kontakt zur Unterwelt.

Für den "Kampf der Geschlechter" trommelte Riggs wochenlang. In einer Trainingseinheit vor Journalisten zerschlug er mit Tennisbällen ein Poster von Billie Jean King. Auf Pressekonferenzen sagte er, Frauen gehörten in die Küche. Der Hype zahlte sich aus.

50 Millionen US-Amerikaner sahen im Fernsehen zu, rund 30.400 waren live im Astrodome dabei - laut ESPN noch immer die größte Tenniskulisse auf amerikanischem Boden. Das Preisgeld betrug 100.000 Dollar. Alles war eine riesige Show. King wurde auf einer Art Thron in die Halle getragen, Riggs von attraktiven jungen Frauen begleitet. In den ersten Aufschlagspielen trug er noch immer seine Trainingsjacke mit der Aufschrift "Sugar Daddy".

Im Match wurde jedoch schnell deutlich, dass ein anderer Riggs auf dem Platz stand als gegen Margaret Court. Er bewegte sich schlecht und machte viele unnötige Fehler. King spielte stark und dominierte ihn. Am Ende hielt er sich immer wieder den Schlagarm. Wer das heutige Hochgeschwindigkeitstennis gewohnt ist, dem erscheint Riggs bei den letzten Punkten des "Battle of the Sexes" wie in Superzeitlupe. War er nur untrainiert? Oder steckt wirklich mehr dahinter?

King bezeichnet die Theorie als lächerlich

In der Reportage von ESPN kommt auch der Sohn von Riggs zu Wort. Er habe sich gewundert, dass sein Vater vor dem Schaukampf nur gefeiert habe, statt zu trainieren, sagt Larry Riggs. Ja, sein Vater habe Leute bei der Mafia gekannt. Ob es möglich sei, dass diese ihn zum Betrug gebracht hätten? "Möglich." Dem Bericht zufolge sagte Riggs nach dem Spiel einst zu seinem Sohn: "Das war das Schlimmste, was ich in meinem Leben getan habe."

Riggs starb 1995. King bezeichnet die Mafia-Theorie als lächerlich. Sie bleibt dabei: Ihr Gegner sei nervös gewesen, das habe ihn fertiggemacht. "Die Leute müssen akzeptieren, dass er einen schlechten Tag hatte - so wie Margaret Court einen schlechten Tag hatte, als sie gegen ihn verlor", teilte sie mit. Auch Riggs' bester Freund hält die absichtliche Niederlage für ausgeschlossen - ebenso wie die Schulden bei der Mafia.

Am besten hat es vielleicht Chris Evert zusammengefasst, ebenfalls eine der ganz Großen im Tennis: "99 Prozent von mir sagen, King hat ihn anständig und ehrlich geschlagen. Aber wer Bobby Riggs kennt, muss ihm alles zutrauen."


Hier finden Sie die ESPN-Reportage "The Match Maker. Bobby Riggs, The Mafia and The Battle of the Sexes".



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.