Studie der Bertelsmann-Stiftung Westdeutsche halten stärker zusammen als Ostdeutsche

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat den Zusammenhalt der Menschen in Deutschland untersucht: Die Toleranz gegenüber Homosexuellen ist erheblich gestiegen, Zuwanderern gegenüber nicht. Zwischen Ost und West gibt es große Unterschiede.

Fußgängerzone in Freiburg: Deutsche halten stärker zusammen als 1990
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Fußgängerzone in Freiburg: Deutsche halten stärker zusammen als 1990


Hamburg - Wie ist es um den Zusammenhalt in Deutschland bestellt? In welchem Bundesland ist der Gemeinsinn besonders ausgeprägt? Und warum? Diesen Fragen ist die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie nachgegangen, die nun veröffentlicht wird. Dafür werteten Sozialwissenschaftler der privaten Jacobs University Bremen unterschiedliche Befragungen und Studien aus den vergangenen Jahren aus.

Bereits 2013 hatte eine Studie der Stiftung ergeben, dass Deutschland in Sachen Zusammenhalt im internationalen Vergleich nur mäßig abschneidet. Nun kamen die Forscher immerhin zu dem Schluss, dass sich der Zusammenhalt in der Bundesrepublik seit Beginn der neunziger Jahre positiv entwickelt hat.

Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Bundesländern und Regionen große Unterschiede. Zu den neun Faktoren, mit denen das Forscherteam gesellschaftlichen Zusammenhalt ausmachen will, gehören etwa Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen, Solidarität und Hilfsbereitschaft, soziale Netze oder Akzeptanz von Menschen mit anderen Wertvorstellungen und Lebensweisen - gerade in letzterem Punkt gibt es noch erheblichen Verbesserungsbedarf.

Zentrale Ergebnisse der Studie:

  • Ost-West-Unterschied
    "Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist in allen westdeutschen Bundesländern stärker als in den fünf ostdeutschen", heißt es in der Studie. Gründe hierfür seien die geringe Wirtschaftskraft und Beschäftigung, höheres Armutsrisiko und das höhere Durchschnittsalter im Osten. Der Abstand zu den westlichen Bundesländern sei 25 Jahre nach dem Mauerfall größer denn je. Allerdings drifte die Gesellschaft im Osten nicht auseinander, so die Verfasser der Studie: Der Zusammenhalt entwickle sich nur deutlich langsamer als im Westen.

  • Mehr Akzeptanz für Homosexualität
    Laut Studie ist in nahezu allen Bundesländern seit 1990 die Toleranz gegenüber Homosexuellen gestiegen. Konstatiert wird ein "entspannterer Umgang" mit sexuellen Minderheiten. Bayern ist den Angaben zufolge das in diesem Punkt am wenigsten tolerante Bundesland. Allerdings herrsche auch hier eine relativ hohe Zustimmung zu der Aussage, Homosexuelle sollten ihr Leben führen können, wie sie möchten.

  • Skepsis gegenüber Zuwanderern
    Zuwanderern gegenüber herrsche nach wie vor größere Skepsis. Der Studie zufolge akzeptieren Deutsche immer seltener, wenn Migranten ihren traditionellen Lebensstil weiterpflegen. Demnach finden aktuell weniger Bundesbürger, dass Einwanderer "eine Bereicherung für das kulturelle Leben in dem Land sind", wie es in der Studie heißt. Dabei würde gerade das Zusammenleben von unterschiedlichen Kulturen den Zusammenhalt eher fördern, folgern die Autoren: "In den Bundesländern mit den höchsten Ausländeranteilen halten die Bürger am engsten zusammen", heißt es. "Dort, wo Vielfalt herrscht, wird diese auch eher anerkannt", sagt Kai Unzicker von der Bertelsmann-Stiftung.

Wirtschaftskraft und Wohlstand sind den Angaben zufolge Hauptfaktoren für einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein hohes Bruttoinlandsprodukt, niedriges Armutrisiko, ein urbanes Wohnumfeld und eine homogenere Altersstruktur fördern demnach den Gemeinsinn. So schneiden im Gesamtindex unter anderem Hamburg, Baden-Württemberg, das Saarland, Bremen und Bayern überdurchschnittlich gut ab. Die ostdeutschen Bundesländer liegen gesammelt am Schluss des Rankings.

Der Begriff des "gesellschaftlichen Zusammenhalts" lässt sich allerdings nur schwer messen und in belastbaren Zahlen darstellen. Das Forscherteam musste sich für die Studie auf frühere Befragungen stützen. "Wenn man gesellschaftliche Entwicklungen über einen längeren Zeitraum im Rückblick untersuchen möchte, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf die Informationen und Daten zurückzugreifen, die in der Vergangenheit erhoben wurden", sagt Stiftungssprecher Unzicker.

bka/hut

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penie 12.05.2014
1. Kein Wunder, dass die Jacobs-Uni pleite ging
Derart läppische "Forschungsergebnisse" gibt es aber leider auch von anderen Einrichtungen. Und das immer öfter. Ein kleiner Hinweis: Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe korreliert positiv mit Mißtrauen gegenüber anderen Gruppen (z.B. Einwanderern).
spon-41d-frm9 12.05.2014
2. logisch...
dass sich der Zusammenhalt im Osten langsamer entwickelt, denn der Zusammenhalt dort ist schon so stark, was soll sich da noch entwickeln?
r_w 12.05.2014
3. Wahnsinnige Studie
Allein die Unterteilung in Ost und West in der Studie belegt schon, dass es in der deutschen Gesellschaft an sich keinen besonderen Zusammenhalt gibt. Abgesehen davon ist die Erkenntnis, dass eine benachteiligte Gruppe ein stärkeres Konkurrenzdenken zeigt, ziemlich trivial. Wem es besser geht, der teilt auch lieber, das war schon im Kindergarten so. Auch die Schlüsse, man stehe in Bayern homosexuellen nicht so liberal gegenüber als anderswo oder Ausländer werden kritisch beäugt, ist nicht ernsthaft eine Studie wert. Wer bezahlt solch sinnlose Forschung? Und vor allem: Hat das Ergebnis irgendeine Konsequenz?
Captain Apollo 12.05.2014
4. Hoher Ausländeranteil fördert Zusammenhalt
Logisch. Da muss man ja auch zusammen halten. Wer will alleine den Clans gegenüber stehen. Im ehemaligen Jugoslawien hat die Vielfalt den Zusammenhalt der Serben, Bosnier und Kroaten auch stark gefördert, bis zum Äußersten.
gollummagorkse 12.05.2014
5. Sorry!
Zitat von sysopDPAEine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat den Zusammenhalt der Menschen in Deutschland untersucht: Die Toleranz gegenüber Homosexuellen ist erheblich gestiegen, Zuwanderern gegenüber nicht. Zwischen Ost und West gibt es große Unterschiede. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/gesellschaftlicher-zusammenhalt-studie-der-bertelsmann-stiftung-a-968550.html
Kann SPON heute leider nicht mehr weiterlesen. Muss mir den Bauch halten vor Lachen! Was für seltsame Studien zum Begriff Zusammenhalt. Gibt es eigentlich nur noch die Kriterien sexuelle Präferenz und Migranten? Eigentlich wurde nur noch die Tierlioebe vergessen.
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