Neues Gesetz Kalifornien stärkt Rechte von Transgender-Schülern

Als erster Bundesstaat in den Vereinigten Staaten hat Kalifornien ein Gesetz zu den Rechten von Transgender-Schülern verabschiedet. In Zukunft dürfen diese selbst entscheiden, welche Sportart sie betreiben oder welche Toilette sie aufsuchen wollen.

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown unterzeichnete das Gesetz
REUTERS

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown unterzeichnete das Gesetz


Los Angeles - Eine neue Verordnung verpflichtet öffentliche Bildungseinrichtungen im US-Bundesstaat Kalifornien, dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche vom Kindergartenalter bis in die zwölfte Klasse nach Belieben die Toilette für Jungs oder Mädchen aufsuchen dürfen. Auch bei der Wahl der Sportarten sind diese Schüler ab jetzt frei, hieß es.

Eltern hatten in der Vergangenheit beklagt, dass betroffene Schüler von wichtigen Schulaktivitäten ausgeschlossen worden seien und sich teilweise aufgrund der Diskriminierung gar nicht mehr in ihre Klasse getraut hätten.

Auch die US-Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut schützen bereits die Rechte von Transgender-Personen, Kalifornien hat sie aber erstmals in einem Gesetz festgeschrieben. Der Entwurf 1266 für Erfolg und Chancengleichheit in der Schule war mit 21 zu 9 Stimmen im kalifornischen Senat verabschiedet worden. Gouverneur Jerry Brown unterzeichnete das Gesetz, das am 1. Januar in Kraft tritt.

Ashton Lee, ein 16-jähriger Transgender-Junge aus Manteca, der ins Highschool-Football-Team aufgenommen werden wollte, hatte sich im vergangenen Monat vor dem Bildungskomitee des Senats geäußert: "Ich will einfach nur wie alle anderen Jungen behandelt werden", zitiert ihn der Nachrichtensender CNN. "Aber meine Schule zwingt mich, am Mädchen-Sportunterricht teilzunehmen und als jemand zu leben, der ich nicht bin." Er könne nicht erfolgreich lernen, wenn er sich jeden Tag in der Klasse isoliert und alleingelassen fühle, so Lee.

Während Unterstützergruppen wie das Transgender Law Center die Entscheidung begrüßten, bemängelten Kritiker des Gesetzes, die Privatsphäre und die Rechte der anderen Kinder seien bedroht. "Es gibt jugendliche Triebtäter", warnte der republikanische Senator Jim Nielsen. "Ich garantiere, dass es welche gibt, die die Gelegenheit ausnutzen werden."

"Werden Transgender-Schüler anderen Kindern Unbehagen bereiten?", fragte der Autor des Entwurfs, der Demokrat Tom Ammiano, rhetorisch. "Vielleicht", so seine Antwort. "Ich will das nicht kleinreden, aber neue Erfahrungen sind oft unbequem. Das kann aber keine Entschuldigung sein für Vorurteile."

ala



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