Gesetzliche Neuregelung "Sternenkinder" dürfen Namen bekommen

Sogenannte Sternenkinder waren bislang offiziell gar nicht existent. Nun können die totgeborenen Babys mit einem Gewicht unter 500 Gramm zumindest einen Namen bekommen - und richtig bestattet werden. Für diese gesetzliche Regelung hat ein Ehepaar aus Hessen lange gekämpft.


Berlin - Es ist ein Erfolg für Barbara und Mario Martin: Totgeborene Babys mit einem Gewicht unter 500 Gramm dürfen von nun einen Namen bekommen. Nach der entsprechenden Gesetzesänderung können die sogenannten Sternenkinder künftig beim Standesamt registriert und anschließend richtig bestattet werden. Auch eine rückwirkende Erfassung des Kindes ist möglich.

Bisher galten die totgeborenen oder nicht lebensfähigen Kinder als Fehlgeburten und wurden beim Standesamt nicht erfasst. Damit waren sie juristisch nicht existent. Schätzungen zufolge gibt es pro Jahr rund 1500 solcher Fälle. Der Bundestag hatte die Neuregelung Ende Januar beschlossen, Anfang März stimmte auch der Bundesrat zu.

Das neue Gesetz geht auf eine Initiative der Martins aus der hessischen Gemeinde Brechen zurück. Das Paar hatte drei Kinder verloren, von denen es zwei nach der bisherigen Gesetzeslage juristisch nie gegeben hat. Um diese Regelung zu ändern, hatte das Ehepaar rund 40.000 Unterschriften gesammelt.

"Jetzt hat der Tod unserer Kinder doch einen Sinn", sagte Barbara Martin nach einem Treffen mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. "Sternenkinder-Eltern werden es in Zukunft nicht mehr so schwer mit der Bürokratie haben."

Die Martins hatten ihr Anliegen damit begründet, ein Menschenleben dürfe nicht nach Gramm definiert werden. "Für uns waren diese Kinder real. Sie haben verdient, als wirkliche Kinder anerkannt zu werden und einen Platz nicht nur in unserem Herzen, sondern auch in unserem Stammbuch einzunehmen."

Verpflichtend ist die neue Regelung nicht. "Es besteht keine Pflicht zur Anzeige beim Standesamt", teilte das Familienministerium mit. Die Entscheidung bleibe den Eltern überlassen.

wit/dpa



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dirkozoid 14.05.2013
1. richtig so!
Richtig so!
ellereller 14.05.2013
2. Angesichts dessen
Angesichts dessen, dass menschliches Leben nach unserer Verfassung spätestens mit der Nidation existiert, ist es eigentlich erstaunlich, dass man für diesen Erfolg so lange kämpfen musste.
derdriu 14.05.2013
3. Genauer bitte
Ich verstehe nicht, warum das so wichtig ist. Man kann ja sein Kind trotzdem benennen und beerdigen. Warum muss das beim Standesamt eingetragen sein? Macht das einen Unterschied? Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht gegen diese Regelung. Ich verstehe nur nicht, warum die Eltern so großen Wert darauf legen, dass das Amt das Kind anerkennt. Ist das für die Eltern nicht egal? Mir wäre es ziemlich egal, weil ein Amt mir so etwas nicht vorschreiben kann. Oder geht es um mehr, als Ideologie?
blue.sky 14.05.2013
4. Unabhängig vom Schmerz
darüber, ein Kind gleich nach der Geburt zu verlieren finde ich, dass es schon ein seltsamer Aktionismus ist, toten Kindern per Gesetz einen Namen zu geben. Der Schmerz über den Verlust kann es wohl eher nicht lindern und der Name eines leblos Geborenen ist die immer wiederkehrende Erinnerung an den Schmerz des Verlustes. Ob eine Beziehung, deren Ergebnis eine Schwangerschaft in aller Regel ja ist, dadurch bestärkt wird oder eher zerbricht, wird wohl niemand mit Sicherheit nachweisen können. Trauerarbeit soll ein schmerzfreies Leben nach dem Verlust gewärleisten - ständiges Erinnern durch namentliche Nennung macht diese Aufgabe aus meiner Sicht ungleich schwieriger.
widower+2 14.05.2013
5. Bestattungsirrsinn in Deutschland
Ein solches Gesetz war natürlich längst überfällig. Obwohl es der eigentliche Wahnsinn ist, dass es eines solchen Gesetzes überhaupt bedurfte. Auf der einen Seite herrscht Bestattungszwang, mit dem sich Kirchen, Kommunen und Bestattungsunternehmer die Taschen vollmachen, und auf der anderen Seite durften Eltern ihre Kinder nicht bestatten lassen, weil diese ein paar Gramm zu wenig wogen. Warum gibt es ohne halblegale oder illegale Umwege über das Ausland nicht die Möglichkeit, sich eine Urne mit der Asche verstorbener Angehöriger auf den Kaminsims zu stellen oder sie zu einem Diamanten gepresst um den Hals zu tragen? Vielleicht weil eine Grabstelle, auf 20 Jahre gemietet, pro Quadratmeter manchenorts das Zehnfache oder Zwanzigfache eines Quadratmeters Bauland kostet und Kommunen und Kirchen prächtig daran verdienen?
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