Gewaltwelle Randalierer verwüsten Londoner Stadtteile

Brennende Autos, geplünderte Geschäfte: Die dritte Nacht in Folge wurde London von heftigen Krawallen erschüttert. Jugendliche randalieren nun schon in elf Stadtteilen, die Polizei scheint machtlos. Premierminister Cameron bricht seinen Urlaub ab und ruft den Nationalen Sicherheitsrat zusammen.


London - Es begann in Tottenham, doch nun sind schon elf Stadtteile betroffen: Die Randale in London weiten sich aus. Im Stadtteil Croydon brannte am Montagabend ein ganzer Straßenzug, aus einem Möbellager schlugen meterhoch die Flammen. Im südlichen Stadtteil Lewisham brannten Autos und Läden. Heftige Krawalle gab es auch in Peckham im Süden der Stadt und in Hackney im Nordosten. In dem verarmten Viertel Peckham zeigten Fernsehbilder ein brennendes Bürogebäude. Neben Jugendlichen sollen auch Kinder unter den Randalierern sein.

Auch aus Birmingham wurden am Abend zum ersten Mal gewalttätige Ausschreitungen gemeldet. In der zweitgrößten Stadt Großbritanniens beschädigten laut Polizei Dutzende Menschen Geschäfte in der Innenstadt. Damit drohen die Unruhen auf weitere britische Großstädte überzugreifen.

Premierminister David Cameron hat seinen Urlaub in der Toskana abgebrochen und wollte noch am Montagabend nach London zurückkehren. Der Regierungschef hat eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheitsrates einberufen. Zuvor hatten bereits Vize-Premier Nick Clegg und Innenministerin Theresa May ihren Urlaub abgebrochen.

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Jugendgewalt in London: Plündern, Brandschatzen, Zerstören
Vor allem in dem sozial benachteiligten Stadtteil Hackney im Osten Londons gab es bereits am Nachmittag heftige Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Dutzende Randalierer verwüsteten Geschäfte, plünderten einen Lastwagen und zündeten Müllcontainer an. Zudem setzten sie geparkte Autos in Brand.

Polizei und Feuerwehr schienen überfordert. Die Beamten versuchten die Randalierer zurückzudrängen, griffen aber nicht aktiver ein. Sie wurden mit Holzstücken und anderen Gegenständen beworfen. Der amtierende Londoner Polizeichef Tim Godwin forderte die Bevölkerung auf, die Straßen zu verlassen. Eltern sollten sich nach ihren Kindern erkundigen und sie nach Hause holen. "Es sind viel zu viele Schaulustige auf den Straßen", sagte er.

"Das alles hat sich zur organisierten Kriminalität gewandelt"

Die Polizei hatte Hunderte Beamte aus anderen Städten Großbritanniens nach London beordert. Das größte Problem sei laut Godwin jedoch, die Einsatzkräfte schnell von einem Ort zum anderen zu befördern.

Die Jugendlichen bilden laut Polizei über das Internet "kleine und mobile" Gruppen. Sie hätten sich mit Smartphones organisiert und seien sehr schnell von einem Ort zum nächsten weitergezogen, berichteten Beobachter. Die Polizei habe daher große Probleme gehabt, die Randalierer unter Kontrolle zu bekommen. Scotland Yard drohte Twitter-Usern, die über den Kurznachrichtendienst zu Gewalt aufrufen, hohe Strafen an.

Schon in der Nacht auf Montag waren die plündernden und brandschatzenden Banden, die in der Nacht zuvor in Tottenham die Randale begonnen hatten, in weitere Stadtteile weitergezogen, vor allem im Norden, Osten und Süden der Metropole. 215 der Randalierer hat die Polizei nach Angaben von Innenministerin Theresa May inzwischen festgenommen, 27 von ihnen wurden bereits angeklagt.

Die Polizei bereitete sich daher auf die dritte Krawall-Nacht in Folge vor. Sie stockte ihre Einsatzkräfte mit Kollegen aus anderen britischen Städten auf, um sich zu wappnen. "Das alles hat sich von einem lokalen Thema hin zur organisierten Kriminalität gewandelt", sagte der stellvertretende Polizeichef Steve Kavanagh. "Wir werden sicherstellen, dass dieses Verbrechertum nicht weitergehen kann."

Das Ausmaß der Gewalt schockiert die Polizei. Mehr als 40 Beamte sind inzwischen verletzt worden. Auch Gruppen gewalttätiger Kinder von 10 bis 14 Jahren waren in den Brennpunkten unterwegs. Der aus dem Urlaub zurückgekehrte Vizepremierminister Nick Clegg besuchte Tottenham, den Ausgangspunkt der Krawalle. Die Randalierer seien "opportunistische Kriminelle", sagte der Chef der Liberaldemokraten. Sie hätten schon jetzt "große Narben" in der Gesellschaft hinterlassen.

Angesichts der Bilder von brennenden Gebäuden und Fahrzeugen, die rund um die Welt gezeigt wurden, wurde Kritik am Londoner Bürgermeister Boris Johnson laut, der seinen Urlaub nicht abbrach. Sein Stellvertreter Kit Malthouse verteidigte ihn. "Sollte er auf diese kriminellen Provokateure reagieren und zurückkommen? Ich glaube, das würde bedeuten, sie zu belohnen", sagte er dem Sender Sky News. Mit Hilfe der modernen Kommunikation könne der Bürgermeister an allen Konferenzen teilnehmen.

fdi/dpa/dapd/AFP



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insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
Baikal 08.08.2011
1. Ungesteuerte Zuwanderung..
Zitat von sysopImmer noch brennen in London Autos und werden Läden geplündert: Am Montag setzten sich die Krawalle in der britischen Hauptstadt auch tagsüber fort. Mittlerweile breitet sich die Gewalt über die ganze Stadt aus, Polizei und Bürger erwarten die dritte Randale-Nacht in Folge. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,779086,00.html
.. und ihre Folgen. Aber natürlich ist das rassistisch, wenn nicht sogar nazistisch. Sie wollen doch nur spielen.
hanspeter.b, 08.08.2011
2. Hoffentlich
Zitat von sysopImmer noch brennen in London Autos und werden Läden geplündert: Am Montag setzten sich die Krawalle in der britischen Hauptstadt auch tagsüber fort. Mittlerweile breitet sich die Gewalt über die ganze Stadt aus, Polizei und Bürger erwarten die dritte Randale-Nacht in Folge. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,779086,00.html
Hoffentlich lernt die Politik aus diesen Randalen. Man sollte genau analysieren was das für Typen sind und was in der Vergangenheit bei den Integrationsbemühungen falsch gelaufen ist.
matthias_b. 08.08.2011
3.
"Die Polizei versuchte die Randalierer zurückzudrängen, griff aber nicht aktiv ins Geschehen ein." Das ist an Perversität nicht zu überbieten. Leider auch in Berlin am 1. Mai zu beobachten. Man lässt den Mob das Eigentum unschuldiger Leute zerstören, um nicht zu "provozieren". Auch Großbritannien schafft sich ab.
hausmeister hempel 08.08.2011
4. Die Fratze der Dekadenz
Zitat von sysopImmer noch brennen in London Autos und werden Läden geplündert: Am Montag setzten sich die Krawalle in der britischen Hauptstadt auch tagsüber fort. Mittlerweile breitet sich die Gewalt über die ganze Stadt aus, Polizei und Bürger erwarten die dritte Randale-Nacht in Folge. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,779086,00.html
.. und nirgendwo sehen die BBC-Reporter Polizei..... was soll das bedeuten? http://www.bbc.co.uk/news/uk-14449675
VorwaertsImmer, 08.08.2011
5. Hintergründe?
Jugendliche brennen irgendwas nieder. Das war's an Meldung. Hintergründe?
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