Giftschlamm-Katastrophe in Brasilien Bergbaufirma verschmutzt weiterhin Gewässer

In Brasilien fließen offenbar immer noch Gifte in den Rio Doce. Samarco verschmutze nach dem Klärschlamm-Desaster vor fünf Monaten weiter die Umwelt, sagte ein Staatsanwalt. Der Bergbaufirma drohen hohe Strafen.

Fischer am verschmutzten Rio Doce im vergangenen November
REUTERS

Fischer am verschmutzten Rio Doce im vergangenen November


Es ist fünf Monate her, dass in Brasilien der Damm einer Erzgrube brach und giftiger Klärschlamm ein Dorf unter sich begrub und einen Fluss verseuchte. Doch das verantwortliche Bergbauunternehmen Samarco hat offenbar aus der Umweltkatastrophe wenig gelernt.

Samarco Mineracao habe entgegen den Forderungen des Gerichts keine Maßnahmen ergriffen, um den Austritt von Rückständen aus dem Minenbetrieb zu stoppen, sagte Staatsanwalt Carlos Eduardo Ferreira Pinto der Nachrichtenagentur Reuters. Er werde eine entsprechende Stellungnahme bis Dienstag bei Gericht einreichen.

Sollte der Richter ihm zustimmen, müsse Samarco eine Strafe von täglich umgerechnet rund 250.000 Euro zahlen, bis das Leck geschlossen sei. Samarco, das gemeinsam von Vale und BHP Billiton betrieben wird, erklärt, der gebaute Damm verhindere ein Austreten der Materialien. Das Unternehmen hofft, bald seinen Betrieb wieder aufnehmen zu dürfen.

"Die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens"

Anfang November war der Damm eines Abwasserbeckens einer Samarco-Erzgrube gebrochen. Der austretende Schlamm riss ein ganzes Dorf fort und verseuchte über Hunderte Kilometer das Tal des Flusses Rio Doce. 19 Menschen kamen ums Leben, Hunderte verloren ihre Häuser.

Samarco hatte Schadensersatzzahlungen von umgerechnet 4,7 Milliarden Euro zugestimmt . Mit der Summe von 20 Milliarden Real sollen über einen Zeitraum von rund zehn Jahren die sozialen, ökonomischen und ökologischen Schäden behoben und abgegolten werden. Aus dem Hilfsfonds sollen auch die Opferfamilien entschädigt werden.

Präsidentin Dilma Rousseff sagte nach der Katastrophe: "Das unverantwortliche Handeln eines Unternehmens hat die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens verursacht."

Als Ursache für den Dammbruch im Rückhaltebecken des Bergwerks wird ein leichtes Erdbeben vermutet, die Betreiber mussten sich völlig unzureichende Sicherheitsmaßnahmen vorwerfen lassen.

lov/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.