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Nach Tötung von Giraffe Marius: Umstrittener Zoodirektor wird "Kopenhagener des Jahres"

Zoo Kopenhagen: Ehre dem Direktor Fotos
AP

Das Leben ist kein Disney-Film: So hatte Zoodirektor Bengt Holst die umstrittene Tötung von Giraffe Marius verteidigt - und bekam Morddrohungen. In Dänemark erntete er aber auch viel Zuspruch. Nun ist er zum beliebtesten Einwohner der Hauptstadt gewählt worden.

Kopenhagen - Vor allem ein Bild hatte für Entsetzen gesorgt: Die tote Giraffe Marius liegt auf dem Boden, vor ihr steht ein Mann im blutverschmierten Overall - und im Hintergrund Dutzende Kinder, die teils angeekelt den Kopf wegdrehen oder interessiert näherrücken. Die Tötung von Marius, seine öffentliche Obduktion und die anschließende Verfütterung hatte im Februar internationale Proteste gegen den Kopenhagener Zoo ausgelöst. Mehr als 62.000 Menschen fordern in einer Online-Petition die Schließung des Zoos, der von den heftigen Reaktionen völlig überrannt worden war.

Er stand den Protesten zum Trotz in der Öffentlichkeit weiter hinter der Aktion: Zoodirektor Bengt Holst. Das Leben sei kein Disney-Film und das Vorgehen auch bei niedlichen Tieren nötig, um Inzucht zu verhindern, argumentierte er. Morddrohungen gegen ihn waren die Folge - aber offenbar auch viel Verständnis. 6000 Leser der dänischen Zeitung "Politiken" zumindest schreckte er mit der Aktion nicht ab, im Gegenteil. Sie wählten Holst nun zum "Kopenhagener des Jahres".

"Ich verstehe das als einen klaren Ausdruck dessen, dass die Dänen der offenen und ehrlichen Art, in der wir von der Arbeit im Zoo erzählen, sehr positiv gegenüberstehen", sagte Holst laut Mitteilung des Zoos, als er den Preis am Montag in Kopenhagen entgegennahm.

Seine Nominierung für den jährlichen Leserpreis begründete die Zeitung auch damit, dass der Zoochef einen aufgeregten britischen Fernsehmoderator in einem Interview mit sachlichen Argumenten in die Schranken gewiesen hatte. "Bengt Holst besteht darauf, dass wir die Welt nicht in eine Disney-Welt verwandeln sollten, in der nie jemand stirbt."

Kritiker hatten nach der öffentlichen Schlachtung von Marius eingewendet, die Tötung sei ein "unnötig grausamer und barbarischer Akt" gewesen. Aktivisten forderten die dänische Premierministerin Helle Thorning-Schmidt dazu auf, den Zoo zu schließen. Die Angestellten dort hätten zugelassen, dass das Muttertier ein Kalb bekommt, obwohl sie wussten, dass das Junge überschüssig sein würde.

Nur wenige Wochen nach der Schlachtung von Marius waren in dem Zoo vier Löwen getötet worden. Sie mussten sterben, um Platz für eine neue Generation zu machen, teilte der Zoo mit.

vks/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
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1.
schmusel 26.05.2014
Die Sache mit der Giraffe kann man ja noch mit viel, viel gutem Willen halbwegs nachvollziehen, das aber vier gesunde Löwen (zwei davon Junge) getötet wurden, beweist eigentlich nur, das für diesen Zoo (und viele andere) diese Tiere nur Material sind um Geld zu machen. Wenn sie nutzlos sind, werden sie eben " weggemacht"....
2. Schlachtung?
v6t2b9 26.05.2014
Schlachtung bezeichnet ausschließlich die Tötung eines Tieres für den menschlichen Verzehr. Das war hier wohl nicht gegeben.
3. Und was hätte man
unumvir 26.05.2014
Zitat von schmuselDie Sache mit der Giraffe kann man ja noch mit viel, viel gutem Willen halbwegs nachvollziehen, das aber vier gesunde Löwen (zwei davon Junge) getötet wurden, beweist eigentlich nur, das für diesen Zoo (und viele andere) diese Tiere nur Material sind um Geld zu machen. Wenn sie nutzlos sind, werden sie eben " weggemacht"....
Ihrer Ansicht nach mit den Tieren machen sollen? An Schulkinder verschenken? Und was verleitet Sie zu der merkwürdigen Annahme, ein Primitivling, dessen Argumentationstiefe sich darin erschöpft, anderen "aufs Maul hauen" zu wollen, sei überhaupt zu einer kompetenten Wortmeldung zu einem schwierigen Thema befähigt?
4. na dann komm mal vorbei
iasi 26.05.2014
sich selbst aufplustern, aber den Moralisten heraushängen. Warum sollte es denn einer Giraffe oder einigen Löwen anders ergehen, als den Insekten, die auch so manchen Tierschützern zum Draufschlagen verleiten. Das ist dieses Kuscheltier-Naturverständnis von Leuten, die die Natur gerne wie ein Puppenhäuschen seh wollen. Diese Löwen fressen nun mal Fleisch - und auch ein Schlägeandroher wird sich das nicht aus den eigenen Rippen herausschneiden.
5. Pervers
creatext 26.05.2014
Der Direktor des Kopenhagener Zoos hat die wichtigsten Argumente dafür geliefert, alle Tierparks und zoologischen Gärten zu verbieten. Er ist nichts weiter als ein williger Vollstrecker der perversen Ideologie, dass Tiere dazu da sind, die Unterhaltungswünsche des Wohlstandbürgers zu befriedigen.
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