Neue Studie: Wo in Deutschland das Glück wohnt

Wie gut leben die Deutschen in Großstädten? Welchen Einfluss darauf haben Schuldenkrise, Kriminalität oder Vertrauen in die Demokratie? Der "Glücksatlas 2012" stellt Daten zusammen, wo und wie man in der Bundesrepublik am zufriedensten sein kann.

Glücksatlas 2012: Wo die Zufriedenheit winkt Fotos
DPA

Hamburg - Wenn Sie Hamburger sind, berufstätig, verheiratet, über 50 und von sonnigem, vertrauensvollen Gemüt, wenn sie in einer sicheren Wohngegend zu Hause sind und weder arm noch reich, dann wissen Sie eigentlich schon Bescheid: Die Chance, dass Sie ein zufriedener Mensch sind, ist überdurchschnittlich hoch, wenigstens wenn man den Ergebnissen des "Glücksatlas 2012" glaubt.

Der Schwerpunkt der von der Deutschen Post in Auftrag gegebenen Studie lag auf den gesellschaftlichen Gründen für die Lebenszufriedenheit: Welchen Einfluss haben soziale Ungleichheit, Kriminalitätsrate oder das Vertrauen in den Staat auf das Wohlbefinden? Was bewirken Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit?

Die gute Nachricht vorweg: Die Schuldenkrise in Europa konnte die gute Grundstimmung der Deutschen in den vergangenen drei Jahren offenbar nicht trüben. Im Gegenteil: Deutschland klettert in Sachen Lebenszufriedenheit von Platz 15 (2006) auf Platz 9 (2011) unter den europäischen Nachbarn. Der Zufriedenheitswert lag erstaunlich stabil bei 7,0 Punkten. Gemessen wurde auf einer Skala von null, "ganz und gar unzufrieden", bis zehn, "ganz und gar zufrieden".

Als Grund führt die Studie die positive Beschäftigungsentwicklung der vergangenen Jahre an. Spanien, Griechenland und Portugal, die unter der Schuldenkrise besonders leiden, fielen auch im Glücksniveau erheblich zurück.

In den verschiedenen Bundesländern war den Machern der Studie zufolge kaum Veränderung zu spüren: In der Kategorie "Leben allgemein" liegt die Hansestadt Hamburg erneut vorn, gefolgt von Niedersachsen und Bayern. Am unzufriedensten sind immer noch die Menschen in den neuen Bundesländern: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt bilden die Schlusslichter der Liste.

Allerdings rückten Ost und West bei den ermittelten Werten deutlich zusammen. Bemerkenswert ist, dass sich die "Glückslücke" weiter schließt. Der Abstand beträgt nur noch 0,2 Punkte und ist 2012 so gering wie noch nie seit der Einheit. 1991 waren es noch 1,3 Punkte, 2011 lag der Wert bei 0,3. Verantwortlich für das Zusammenrücken ist die Aufwärtsdynamik in Ostdeutschland, insbesondere Sachsen (6,8), Thüringen, das sich von 6,45 (2011) auf 6,64 (2012) verbesserte, und Brandenburg (6,6) haben deutlich aufgeholt. Als Gründe werden der Rückgang der Arbeitslosigkeit sowie der Anstieg der Reallöhne genannt.

Hamburg ist die Glücksmetropole

Ein Schwerpunkt des "Glücksatlas 2012" war die Frage nach der Zufriedenheit der Großstadtbewohner. Dazu befragte das Institut TNS Emnid jeweils 300 repräsentativ ausgesuchte Bürger in 13 deutschen Großstädten. Das Ergebnis ist ein Ranking, das Stärken und Schwächen der Metropolen aufzeigt.

Klischeehaft sind die genannten Vorteile der Großstädte: Hier werden die Attraktivität als Wirtschaftsstandort, die Verkehrsinfrastruktur und kulturelle Angebote genannt. Hamburg erreichte als Tabellenführer 84 von 100 möglichen Basispunkten, auch weil die Luft- und Wasserqualität hier überdurchschnittlich hoch eingeschätzt wurde. Im Ranking folgen Düsseldorf und Dresden.

Als unterentwickelt gilt in den Städten hingegen das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Angebote für Kinder und Familien sowie die Qualität der öffentlichen Verwaltung. Hier ist der Handlungsbedarf am größten. Schlusslicht ist Essen mit nur 69 von 100 Basispunkten, wo nahezu alle für die Einwohner relevanten Zufriedenheitsdimensionen gravierende Schwächen aufweisen.

Überraschend ist, dass die Bürger Faktoren wie der Haushalts- und Sicherheitslage eher wenig Bedeutung beimessen. Deshalb haben zum Beispiel der defizitäre Haushalt in Berlin oder die hohe Kölner Kriminalitätsrate kaum Einfluss auf das subjektive Glücksempfinden der Bürger.

Was uns glücklich macht

Auch mit den "Glücksfaktoren" haben sich die Macher der Studie beschäftigt. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Gesundheit, Partnerschaft und soziales Miteinander sind die Grundpfeiler menschlicher Zufriedenheit. Geld spielt dagegen eine untergeordnete, aber nicht zu vernachlässigende Rolle.

Ehe und Partnerschaft erhöhen die Zufriedenheit um 0,3 beziehungsweise 0,4 Prozent. Überraschend ist, dass Kinder offenbar keinen eindeutigen Effekt auf die Lebenszufriedenheit der Eltern haben. Der Verlust eines Partners indes ist verheerend: Er mindert das Glücksniveau im Mittelwert um 0,6 Punkte.

Auch Glückshemmer wurden ausgemacht: Ein Arbeitsplatzverlust schlägt mit 0,45 Punkten zu Buche. Dieser Effekt wird durch die damit einhergehenden Einkommenseinbußen noch einmal verstärkt. Arbeitslosigkeit wirkt sich damit sogar noch schwerwiegender aus als etwa eine Scheidung, die zu Einbußen von 0,3 Punkten führt.

Einkommen, Gesundheit und Soziales haben allerdings starke Wechselwirkungen. Hier gilt der alte Spruch: Geld allein macht nicht glücklich, aber es beruhigt die Nerven. Als Mittel zum Zweck - etwa bei einer besseren Gesundheitsversorgung und sozialen Kontakten - ist es wichtiger Garant von Zufriedenheit. Der Verlust von Geld senkt der Untersuchung zufolge die Zufriedenheit stärker, als zum Beispiel eine Gehaltserhöhung das Glücksgefühl steigert.

Die Daten für die Studie wurden von Professor Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, und Johannes Vatter von der Universität Freiburg ausgewertet. Raffelhüschen wurde in der Vergangenheit für seine große Nähe zu verschiedenen Versicherungsunternehmen kritisiert. Er sitzt im Aufsichtsrat der Ergo Versicherungsgruppe und ist Berater für die Victoria Versicherung AG in Düsseldorf. Außerdem ist er Aufsichtsratsmitglied der Volksbank Freiburg.

Die Erhebung basiert sowohl auf dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), das seit 1984 die Lebensumstände der Menschen in Deutschland jährlich repräsentativ abbildet, als auch auf aktuellen Umfragedaten des Instituts für Demoskopie Allensbach und weiteren Datenquellen. Die Analyse, wie zufrieden die Großstädter mit dem städtischen Leben sind, wurde im Frühjahr 2012 von Klaus-Peter Schöppner von TNS Emnid exklusiv für den "Deutsche Post Glücksatlas 2012" erhoben.

Vertrauen ist besser

Ein interessantes Ergebnis der Untersuchung: Wer "Vertrauen zu Mitmenschen" hat, ist deutlich zufriedener. 60 Prozent der Deutschen gaben an, ihren Mitmenschen eher oder sogar voll zu vertrauen, lediglich fünf Prozent sind vollkommen misstrauisch. Das sollten sie ändern, denn: Urvertrauen in das soziale Umfeld lässt das Glücksempfinden um immerhin 0,2 Punkte steigen.

Das Vertrauen in die Demokratie hat in den letzten Jahren zugenommen - allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Großes Vertrauen genießen in Deutschland der Rechtsstaat sowie die Polizei, schwächer ist es gegenüber Bundesregierung und Parlament ausgeprägt. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind erheblich. Die Lage in Ostdeutschland verbesserte sich zwar - allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus.

Ein wichtiger Faktor für das Zufriedenheitsgefühl ist der Studie zufolge die innere Sicherheit. 20 Prozent der Deutschen fühlen sich in ihrem Wohngebiet sehr sicher, mehr als 70 Prozent definieren ihre Wohnlage als ziemlich sicher.

Die Beschäftigungssituation der Menschen spielt eine wichtige Rolle: Es gilt als gesichert, dass selbst die Aufnahme einer geringfügigen oder prekären Beschäftigung für vormals Arbeitslose eine deutliche Verbesserung des Wohlbefindens bedeutet. Die Höhe des Einkommens spielt also nicht die entscheidende Rolle. Den größten "Glückszuwachs" erleben Arbeitslose, die einen regulären Vollzeitjob gefunden haben. Sie verbesserten ihre subjektive Lebenszufriedenheit von 5,6 (arbeitslos) auf 6,7 (Vollzeit) Punkte.

Was die verschiedenen Lebensalter betrifft, erweisen sich die mittleren Jahre als die "unzufriedensten", vermutlich aufgrund der hohen Belastung in Beruf und Familie sowie einer Desillusionierung über eventuell nicht erreichte Ziele. Zwischen 40 und 50 Jahre alt zu sein ist somit gleichbedeutend mit einer um rund 0,2 Punkte niedrigeren Lebenszufriedenheit. Ein hohes Alter hingegen wirkt sich positiv auf die Zufriedenheit aus.

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für Couchpotatoes: Der Effekt von Sport auf das Glücksempfinden ist mit 0,1 Punkten relativ gering. Genauso wie der Gang in Kirche oder Kino: Kulturelle und religiöse Veranstaltungen ziehen den Wert nur um durchschnittlich 0,05 nach oben.

ala

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1.
verpiler 11.09.2012
Die "Studie" hat nur eine Schwäche: Die Menschen können gar nicht wissen, wo sie ihr Kreuz setzen können. 1. "Glück" ist eine Einstellung, und nichts, was einem die Umwelt aufdiktiert. 2. Solche Werte machen nur Sinn, wenn die befragten Personen unter ein und demselben Lebensumstand in allen Städten längere Zeit gewohnt haben. Eine Vergleichbarkeit ist damit nicht gegeben; die Studie absolut wertlos. Erinnert mich stark an das Uni-Ranking. Viel Luft um Nichts.
2. was der Mensch für Glück hält: man kann es ertragen
albert schulz 11.09.2012
Erstaunlich, wie viel dieser Ergebnisse des Artikels nachvollziehbar ist, auch im Detail. Dürfte im Ergebnis die Streßtheorie (das Gegenteil von Glückstheorie und weit aussagekräftiger) bestätigen. Die mittleren Jahre habe ich persönlich als sehr glücklich empfunden. Ich mag die Beanspruchungen. Ist so was mit den Höhenflügen und der Endzeitstimmung, dem Hoffen und Verzweifeln. Ehen scheitern genau dann. Vierzig. Hamburg als Nr. 1 geht gerade noch, aber Düsseldorf als Nr. 2 ist der absolute Schwachsinn. München hinter Hannover ist zumindest lustig. Stuttgart vor Köln auch. Essen direkt dahinter, war da nicht heute was mit Kulminationspunkt der Langeweile ? Und die Sachsen sind offenkundig zufrieden. Da fehlen ein paar Erklärungen.
3. Interessant...
joemcguts 12.09.2012
Ehe und Partnerschaft erhöhen die Zufriedenheit um 0,3 beziehungsweise 0,4 Prozent Überraschend ist, dass Kinder offenbar keinen eindeutigen Effekt auf die Lebenszufriedenheit der Eltern haben. Der Verlust eines Partners indes ist verheerend: Er mindert das Glücksniveau im Mittelwert um 0,6 Punkte. .....wirkt sich damit sogar noch schwerwiegender aus als etwa eine Scheidung, die zu Einbußen von 0,3 Punkten führt. =>lieber die Ehe weglassen? oder gleicht der steuerliche Vorteil das wieder aus?
4. -
fördeanwohner 12.09.2012
Zitat von albert schulzErstaunlich, wie viel dieser Ergebnisse des Artikels nachvollziehbar ist, auch im Detail. Dürfte im Ergebnis die Streßtheorie (das Gegenteil von Glückstheorie und weit aussagekräftiger) bestätigen. Die mittleren Jahre habe ich persönlich als sehr glücklich empfunden. Ich mag die Beanspruchungen. Ist so was mit den Höhenflügen und der Endzeitstimmung, dem Hoffen und Verzweifeln. Ehen scheitern genau dann. Vierzig. Hamburg als Nr. 1 geht gerade noch, aber Düsseldorf als Nr. 2 ist der absolute Schwachsinn. München hinter Hannover ist zumindest lustig. Stuttgart vor Köln auch. Essen direkt dahinter, war da nicht heute was mit Kulminationspunkt der Langeweile ? Und die Sachsen sind offenkundig zufrieden. Da fehlen ein paar Erklärungen.
Interessant ist, dass Sie bewerten, wie die befragten Bewohner der jeweiligen Städte empfinden. Wenn die befragten Düsseldorfer sich positiv über ihre Stadt geäußert haben, dann ist das so, egal wie Sie Düsseldorf finden, oder nicht? Stellen Sie sich vor, ich lebe in einer Stadt, von der einige Deutsche nicht einmal wissen, dass sie die Landeshauptstadt des nördlichsten Bundeslandes ist;-). Vielleicht würden Außenstehende daher sagen, sie ist langweilig und provinziell. Ich aber liebe diese Stadt und bin hier glücklich!
5. es bleibt absolut unklar, wer warum wie Glück empfindet
albert schulz 12.09.2012
Zitat von fördeanwohnerInteressant ist, dass Sie bewerten, wie die befragten Bewohner der jeweiligen Städte empfinden. Wenn die befragten Düsseldorfer sich positiv über ihre Stadt geäußert haben, dann ist das so, egal wie Sie Düsseldorf finden, oder nicht? Stellen Sie sich vor, ich lebe in einer Stadt, von der einige Deutsche nicht einmal wissen, dass sie die Landeshauptstadt des nördlichsten Bundeslandes ist;-). Vielleicht würden Außenstehende daher sagen, sie ist langweilig und provinziell. Ich aber liebe diese Stadt und bin hier glücklich!
Eine ziemlich schön gelegene Stadt mit ihren Erhebungen. Und genau genommen eine ausgesprochen kleine und überschaubare Großstadt in der Preisklasse von Aachen oder Freiburg. Und Wasserflächen machen sich immer gut fürs Gemüt. Im Artikel gibt es eine Reihe interessanter Bemerkungen, die allerdings lange bekannt sind, aber die Ergebnisse lassen sich nicht zuordnen. Man kann bestenfalls davon ausgehen, daß in Hamburg und Düsseldorf ganz selten der Job oder der Partner verlorengeht. In Bonn, Berlin, Köln und Essen scheint das ein echtes Problem zu sein. Aus dem Artikel in der vorliegenden Form resultiert also keinerlei Erkenntnisgewinn, es gibt ziemlich viel Schaum und ganz wenig Substanz. Man kann höchstens Fragen stellen, aber nicht diskutieren, weil eben nichts da ist.
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Glücksatlas 2012: Das Städteranking
Kultur, Verkehr, Naherholung oder die Attraktivität als Wirtschaftsstandort: Wie zufrieden sind die Bewohner deutscher Großstädte? TNS Emnid fragte 300 Bürger nach ihrer Einschätzung. Die Zufriedenheitsskala umfasst 0 bis 100 Punkte:

1. Hamburg: 84,4
2. Düsseldorf: 81,0
3. Dresden: 80,3
4. Hannover: 79,6
5. München: 79,4
6. Leipzig: 79,0
7. Frankfurt am Main: 77,5
8. Bremen: 76,3
9. Stuttgart: 74,3
10. Bonn: 73,6
11. Berlin: 73,3
12: Köln: 72,8
13. Essen 68,5