Versteigerung von Ben-Ali-Besitz: Diktatorengeschmeide günstig abzugeben

Möbel aus Gold, diverse Luxuswagen, Pelze und Juwelen: Ben Ali gönnte sich sonst nichts. In Tunesien werden jetzt die Besitztümer des ehemaligen Diktators verscherbelt - es ist die größte Auktion, die es in dem Land bisher gab.

Tunesien: Der Schatz des Ben Ali Fotos
AFP

Tunis - Sie träumten von Gerechtigkeit, von einer Chance auf Aufstieg, einem Ausweg aus der Armut - und jagten vor zwei Jahren ihren Diktator Zine el-Abidine Ben Ali aus dem Land. In Tunesien hat sich seit dem Sturz des Despoten kaum etwas verändert. Die Wirtschaft des Landes leidet unter der Krise in der Euro-Zone, dem wichtigsten Handelspartner des Landes. Und die Arbeitslosenquote liegt bei 18 Prozent.

Nun wird den Tunesiern erneut die Raffgier ihres früheren Präsidenten und seiner Großfamilie vor Augen geführt. In Tunis findet die größte Auktion in der Geschichte des Landes statt: 12.000 Stücke aus dem Besitz Ben Alis kommen unter den Hammer. Höhepunkt der Auktion, die am Sonntag begann, sind 39 Sportwagen.

Schuhe, Handtaschen und Uhren unter 5000 Euro werden zum Festpreis angeboten. Stücke, die diesen Schätzwert übersteigen, werden meistbietend verkauft - wie ein Lamborghini Gallardo, Ferrari, Bentley Continental oder ein Maybach 62, dessen Wert auf 500.000 Euro geschätzt wird. Viele der Exponate wurden auf mehr als 5000 Euro geschätzt, darunter die Diamanten und Juwelen seiner Frau Leila ebenso wie ihre Pelzmäntel.

Mit der Versteigerung der nach dem Sturz Ben Alis im Januar 2011 konfiszierten Villen, Diamanten und Kunstwerke hofft die tunesische Regierung auf Einkünfte von rund zehn Millionen Euro.

Im Juni hatte ein tunesisches Gericht den gestürzten Präsidenten und seine Frau Leila wegen illegaler Bereicherung zu 35 Jahren Haft verurteilt. Dass der 76-Jährige je zur Rechenschaft gezogen werden kann, gilt als unwahrscheinlich.

Nach der "Jasmin-Revolution" in Tunesien mit mehr als 200 Toten floh der Präsident im Januar 2011 nach 23 Jahren im Amt ins Exil nach Saudi-Arabien.

jul/dpa/AFP

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