Hamburger Kultclub Polizei geht von Brandstiftung im "Golden Pudel Club" aus

Gut zwei Monate vor der angesetzten Zwangsversteigerung ist der "Golden Pudel Club" in Hamburg durch ein Feuer verwüstet worden. Die Ermittler gehen nach ersten Untersuchungen von Brandstiftung aus.

DPA

In der Nacht ist im Hamburger "Golden Pudel Club" ein Feuer ausgebrochen, bei dem der Kultclub an der Elbe komplett verwüstet wurde. Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei nun von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Das teilte die Polizei am Abend mit.

Rund 150 Menschen hatten sich am frühen Morgen im "Pudel", wie der Club genannt wird, aufgehalten, als Polizeibeamte Feuer im Anbau des Clubs bemerkten. Die Flammen griffen auf den Dachstuhl des Szenelokals über. Die Feiernden konnten sich alle in Sicherheit bringen, niemand wurde verletzt.

Die Feuerwehr rückte mit rund 50 Brandbekämpfern an und deckte Teile des Dachs ab, um Glutnester zu finden. Die Höhe des Schadens stand noch nicht fest. Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude am Hafen kann aufgrund des Brandes und des Löschwassers vorerst nicht genutzt werden. Der Dachstuhl ist nach Einschätzung der Experten teilweise einsturzgefährdet.

"Pudel" sollte im April versteigert werden

Für den 20. April war die Versteigerung des Gebäudes mit einem Verkehrswert von 510.000 Euro angesetzt. Der Mitbesitzer Wolf Richter hatte die Teilungsversteigerung erwirkt, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtete. Dagegen positionierte sich der "Pudel Verein für Gegenkultur", der sich die "Erhaltung selbstbestimmter Urbanität insbesondere auf dem Gelände des Golden Pudel Clubs" zum Ziel gesetzt hat.

Richter hatte das Gebäude 2008 zusammen mit dem Künstler Rocko Schamoni gekauft. Schamoni betrieb den über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannten "Golden Pudel Club" im Untergeschoss, sein alter Freund Richter das Café im oberen Stockwerk.

Gegründet hatten den "Pudel Club" Ende der 80er Jahre Schamoni und der Sänger Schorsch Kamerun in einer "Nachtschwärmerboutique" auf St. Pauli. Mitte der 90er Jahre zog der Club an seinen heutigen Standort und benannte sich in "Golden Pudel Club" um. Für die Musiker der Hamburger Schule wie Tomte oder Kettcar wurde er ebenso zum zweiten Wohnzimmer wie für viele prominente DJs und Künstler, die dem Kultclub zu deutschlandweiter Bekanntheit verhalfen.

kry/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
k70-ingo 14.02.2016
1.
Ach was. So kurz vor der Zwangsversteigerung konnte damit doch niemand rechnen.
experiencedsailor 14.02.2016
2. Ein Stück überholter Kiezgeschichte ist nunmehr
den Gang des Irdischen gegangen. Nun wird das Fell des Bären zerteilt.
joerg20 14.02.2016
3. Formulierung
Auch wenn das eine Agenturmeldung und kein Artikel von SPON ist, so ist dies doch ein weiteres Beispiel für schlechte Formulierungen: "Nach ersten Ermittlungen steht nun fest: Es könnte vorsätzliche Brandstiftung gewesen sein." Dass es Brandstiftung gewesen sein *könnte* (gibt es diese eigentlich ohne Vorsatz?), lag genauso im Bereich der Möglichkeiten wie ein - sagen wir mal - unbeobachteter Adventskranz. Was die Ermittlungen also gebracht haben, ist aus dieser Formulierung heraus unklar.
flenders1 14.02.2016
4.
Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Mit dem Golden Pudel Klub (alias "Dr. Helmut Kohl Club") verschwindet eine Club-Kultur, die ihresgleichen sucht.
mondomigliore 14.02.2016
5.
"Schamoni betrieb den über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannten "Golden Pudel Club" im Untergeschoss, sein alter Freund Richter das Café im oberen Stockwerk." Falsch, andersrum!
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