Tod in der Ägäis Mehr als 20 Flüchtlinge vor Samos ertrunken

Vor der Küste Griechenlands sind mindestens 22 Bootsflüchtlinge ertrunken, unter ihnen auch Kinder. Zehn Menschen werden noch vermisst. Wieso die beiden Boote mit Dutzenden Menschen an Bord kenterten, ist noch unklar.

AP

Athen - In der Ägais sind zwei Flüchtlingsboote vor der Insel Samos gekentert. 36 Menschen konnten gerettet werden, mindestens 22 starben, darunter auch vier Kinder. Zum Unglückszeitpunkt befanden sich die meisten Opfer im Inneren der Boote.

Der Küstenwache zufolge wurden zunächst vier Leichen im Meer geborgen. Weitere 18 Tote seien später in den Maschinen- und Aufenthaltsräumen der gekenterten Boote entdeckt worden, hieß es. "Es war schlimm. Eine Frau hielt in ihren Armen ihr Kleinkind. Beide waren ertrunken", sagte ein Augenzeuge Im staatlichen griechischen Rundfunk.

Rettungshubschrauber und mehrere Schiffe suchen jetzt nach weiteren Vermissten. Die kieloben treibenden Boote wurden bis zum Hafen Vathy von Samos geschleppt und dort mit einem Kran aus dem Wasser gehoben. Die geretteten Migranten sagten, an Bord der Flüchtlingsboote hätten sich 60 bis 65 Menschen befunden. Unklar sind die Ursachen des Unglücks. In der Region herrschte gutes Wetter ohne starke Winde.

Dramatische Situation an der Grenze zur Türkei

Die mehrheitlich aus Somalia undSyrien stammenden Migranten waren von der türkischen Küste gegenüber der Insel Samos gestartet. Sie hatten am frühen Morgen ein Notsignal gesendet.

Erst am Vortag hatte die griechische Küstenwache 146 Migranten im offenen Meer zwischen der Halbinsel Peloponnes und Malta sowie weitere 90 Flüchtlinge in der Ägäis aufgegriffen. Im März waren vor der Insel Lesbos sieben Menschen ertrunken. Allein in diesem Jahr sind Hunderte Einwanderer aus Afrika und dem Nahen Osten bei der Überfahrt nach Europa ums Leben gekommen. Griechenland, aber auch Italien und Malta haben die Europäische Union wiederholt aufgefordert, sie bei der Bewältigung des Andrangs stärker zu unterstützen.

Die Gewinne der Schleuser sind der Küstenwache zufolge groß. Für die Überfahrt von der türkischen Ägäisküste zu einer der griechischen Ägäisinseln kassieren sie zwischen 400 Euro und 600 Euro pro Person.

Amnesty International bezeichnet die Lage von Flüchtlingen an der griechischen Grenze zur Türkei als dramatisch. Die Menschenrechtler forderten die EU auf, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Griechenland einzuleiten, das Menschen in ein Land zurückzuschicken, in dem ihr Leben in Gefahr ist.

ala/dpa/AFP/Reuters

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