Angst vor Flutwelle auf Grönland "Dieser Eisberg ist schon sehr groß"

Wenn der Eisberg vor der Küste bei Innaarsuit zerbricht, droht dem Dorf auf Grönland eine Flutwelle. Wie gehen die Menschen dort mit der Situation um? Ein Polizist gibt Auskunft.

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Am Samstag hatten die Menschen in Innaarsuit an der grönländischen Westküste kurz Hoffnung, dass alles ganz schnell vorbei sein könnte. Hochwasser und starker Wind trugen den gigantischen Eisberg direkt vor ihrem Dorf rund fünfhundert Meter nach Norden. Das war nicht weit genug - auch am fünften Tag bleibt die Lage angespannt. Sollte der Eisberg sich drehen oder kalben, droht eine riesige Flutwelle das Örtchen zu verwüsten.

Polizeikommissar Gideon Quist behält die Lage von der grönländischen Hauptstadt Nuuk aus im Blick. Nun gelte es abzuwarten, sagte Quist auf Anfrage des SPIEGEL. Vor Innaarsuit war der riesige Eisberg am Donnerstag aufgelaufen. Die Behörden haben vorsorglich 33 der 169 Einwohner in höher gelegene Ortsteile gebracht.

Wie lange das noch so geht - und wann die Menschen wieder in ihre Häuser zurückkehren können? "Es ist schwer zu sagen, ob es eine Stunde dauert, eine Woche oder einen Monat", sagt Quist. Zwar habe die Gefahrenzone inzwischen etwas verschoben werden können. Die in Sicherheit gebrachten Menschen müssten aber immer noch in höhergelegenen Ortsteilen bleiben, viele von ihnen harrten im Gemeindehaus von Innaarsuit aus, andere bei Nachbarn oder Verwandten.

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Innaarsuit auf Grönland: Eisige Gefahr

Vor Grönland ziehen immer wieder Eisberge die Küste entlang, doch laut Quist ist die Lage besonders: "Dieser Eisberg ist schon sehr groß, auch dass er auf Grund gelaufen ist, ist sehr selten." Er sei so groß und so schwer, dass er nicht per Schiff von der Küste weggezogen werden könne.

Auch der Bürgermeister der Kommune Avannaata, in der Innarsuit liegt, verfolgt nach Angaben der lokalen Verwaltung die Situation aufmerksam - allerdings aus der Ferne - er ist im Urlaub. Ob er diesen inzwischen unterbrochen hat, ist nicht bekannt.

Ein zusammengestelltes Bereitschaftsteam mit Einsatzkräften verschiedener Behörden soll am Montag erneut über die Situation beraten. Auch das Inspektionsschiff "Knud Rasmussen" der dänischen Marine ist vor Ort, das Arktis-Kommando Dänemarks verschaffte sich mit einem Überwachungsflugzeug einen Überblick aus der Luft. Auf TV-Bildern ist zu sehen, dass selbst das Abbröckeln kleinerer Eisteile beachtliche Wellen auslöst.

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Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr. Damals waren mehrere Siedlungen auf Grönland von einer Flutwelle getroffen worden, ausgelöst durch einen gigantischen Erdrutsch. Mehrere Menschen starben, Häuser wurden ins Meer gespült. Das Dorf Nuugaatsiaq ist inzwischen nicht mehr bewohnt.

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