Großbritannien Ein ehemaliger Promi-Bus wird Obdachlosenunterkunft

Früher schliefen berühmte Musiker in dem Fahrzeug, künftig sollen Wohnungslose in ihm Unterschlupf finden. Ein britisches Paar macht aus einem Tourbus eine Obdachlosenunterkunft - und erntet Lob und Kritik.

DPA/ Sid Williams

David Guetta, Sam Smith und Mumford & Sons: Sie alle reisten hinter den verdunkelten Fenstern eines schwarz-weißen Tourbusses durch Großbritannien. Dann wurde das Fahrzeug ausgemustert - und wird nun für einen ganz anderen Zweck genutzt: Ein britisches Ehepaar hat ihn in Manchester zu einem mobilen Obdachlosenheim mit 14 Betten umfunktioniert, wie der "Guardian" berichtete.

Sid und Tess Williams hatten den ausgemusterten Bus eigenen Angaben zufolge für 30.000 Pfund (etwa 33.600 Euro) gekauft. Vom kommenden Winter an sollen Bedürftige für bis zu drei Monate in dem Bus Unterschlupf bekommen. Es ist geplant, dass sie unter anderem bei der Wohnungssuche unterstützt werden und Spezialisten Suchtkranken zur Seite stehen.

Der Bus stehe nur Männern die älter als 26 Jahre sind offen. Diese Gruppe habe die größten Schwierigkeiten, eine Wohnung für sich zu finden, sagte Williams.

"Die Zahl der Obdachlosen in Manchester hat sich innerhalb von zwei Jahren verdreifacht", sagte der 33-Jährige. Der ehemalige Mitarbeiter einer christlichen Hilfsorganisation hat bereits Erfahrung mit anderen Bus-Projekten gesammelt, wie zum Beispiel mit mobilen Jugendzentren in sozialen Brennpunktvierteln.

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Manchester: Erst Promibus, nun mobile Obdachlosenunterkunft

Das Paar hat den ehemaligen Promi-Bus "Embassy" (deutsch: Botschaft) genannt. Man habe sich für diesen relativ neutralen Namen ohne Bezug auf Obdachlosigkeit bewusst entschieden, sagte Williams dem "Guardian": "Das ist nichts Schlechtes, aber wir wollen, dass diese Männer mit Würde aus dem Bus steigen können, ohne das offensichtlich ist, warum sie an Bord sind."

Auch der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, macht sich stark für das Projekt. Kritik kommt dagegen von einer anderen Organisation, die sich für Obdachlose einsetzt. Mit nur 90 Zentimetern Abstand zwischen den Etagenbetten über den Mittelgang erfülle der Bus nicht den Mindeststandard für Notunterkünfte, sagte die Geschäftsführerin der Wohltätigkeitsorganisation Booth Centre, Amanda Croom, dem "Guardian". Vor allem Härtefälle - wie traumatisierte Obdachlose - bräuchten mehr Platz.

bbr/dpa

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