Großbritannien Erkrankter Autor fordert Sterbehilfe-Gerichte

"Wenn ich wüsste, dass ich sterben könnte, würde ich leben": Der an Alzheimer erkrankte britische Autor Terry Pratchett fordert die Einrichtung spezieller Gerichte. Sie sollen über Sterbehilfemaßnahmen naher Verwandter entscheiden können.


London - "Wenn ich wüsste, dass ich sterben könnte, wann immer ich will, wäre jeder Tag plötzlich so wertvoll wie eine Million Pfund", hieß es in dem vorab veröffentlichten Vortrag, den der an Alzheimer erkrankte britische Autor Terry Pratchett am Montagabend in London halten wollte.

Er fordert darin die Einrichtung von speziellen Gerichten, die über eine Sterbehilfe durch nahe Verwandte entscheiden sollen. "Wenn ich wüsste, dass ich sterben könnte, würde ich leben. Mein Leben, mein Tod, meine Entscheidung", so Pratchett.

Der Autor wollte sich in seiner Vorlesung mit dem Titel "Dem Tod die Hand reichen" vor dem Royal College für Medizin selbst als Testobjekt für die Justiz anbieten. Er erwarte nicht, dass alle Ärzte dazu bereit seien, einen Patienten beim Sterben zu unterstützen, hieß es. Trotzdem erscheine es ihm sinnvoll, bei dem Thema auf die jahrhundertealte Erfahrung der Ärzte zu vertrauen, um "in Frieden und von unseren Angehörigen umgeben zu Hause zu sterben".

Einer im "Daily Telegraph" veröffentlichten Umfrage zufolge befürworten drei Viertel der Briten ein neues Gesetz, das Sterbehilfe erlauben würde. Die rechtliche Lage in Großbritannien ist kompliziert. Sterbehilfe ist verboten und kann mit Gefängnisstrafen von bis zu 14 Jahren geahndet werden.

Im vergangenen September urteilte die britische Justiz jedoch, dass Menschen, die ihren kranken Angehörigen beim Freitod helfen, nicht zwangsläufig belangt werden müssen, wenn der Wunsch des Patienten eindeutig war und sie aus Mitleid gehandelt haben.

jdl/AFP

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