Kinderwunsch Großbritannien erlaubt Online-Adoption

Britische Familien bekommen ein größeres Mitspracherecht bei der Auswahl von Adoptivkindern. Laut einem Zeitungsbericht wird ihnen bald eine Online-Datenbank mit Tausenden Kinder-Profilen zur Verfügung stehen.


London - Großbritannien verändert seine Adoptionsbestimmungen radikal - und räumt interessierten Familien mehr Mitsprache ein. Von heute an könnten Paare online prüfen, welche Kommunen ihnen am besten helfen, ein Kind zu finden, berichtet die "Times". Die Interessenten sind damit nicht mehr an ihre lokalen Behörden gebunden. Familien dürfen sich nun auch an benachbarte Kommunen wenden, wenn auf deren Wartelisten mehr Adoptivkinder stehen.

Der Schritt soll helfen, das Adoptionsproblem des Landes zu lösen. Denn obwohl die Zahl der Adoptionen im vergangen Jahr um rund 15 Prozent gestiegen ist, stehen laut dem Bericht immer noch gut 6000 Kinder auf den Wartelisten.

Anfang 2014 soll daher eine weitere Neuerung in Kraft treten: Paare sollen sich dann online Tausende Profile und Fotos von Kindern anschauen können, die auf ein neues Zuhause warten. Der Zugang zu dieser Datenbank war bislang Sozialarbeitern vorbehalten, die für die Eltern entschieden, welches Kind zu ihnen passen könnte. Das Online-System enthält Informationen für jede Kommune, etwa das Verhältnis von Kindern in Not zu wartenden Adoptiveltern.

"Ein Schritt nach vorn für die Kinder"

"Wir haben einen Anstieg bei den Adoptionen in diesem Jahr gesehen, aber wir brauchen noch mehr Adoptiveltern, die verletzlichen Kindern ein liebevolles Zuhause bieten", sagte Hugh Thornbery, Geschäftsführer der Organisation "Adoption UK". Der Schlüssel dafür sei eine rechtzeitige, angemessene und ständig erreichbare Betreuung.

Die Möglichkeit für potentielle Adoptiveltern, sich künftig Bilder und Profile von Kindern anzuschauen, ist allerdings umstritten. Einige Kinder könnten dadurch Vorteile haben, schneller vermittelt werden als andere, heißt es von Kritikern. Andrew Webb, Präsident der Vereinigung britischer Kinderschutzorganisationen, hält dagegen: "Wenn ein Bild wirklich mehr sagt als tausend Worte, dann muss der Schritt, potentiellen Adoptiveltern kontrollierten Zugang zu zusätzlichen Informationen zu gewähren, als ein Schritt nach vorn für die Kinder gesehen werden."

Nichtsdestotrotz habe auch seine Vereinigung einige Vorbehalte hinsichtlich des Datenschutzes, sagte Webb. Zudem sei unklar, ob die Änderung wirklich allen Kindern weiterhelfe. Generell hätten die neuen Maßnahmen jedoch seine Zustimmung.

Verbunden mit den Veränderungen ist auch eine Aufstockung der Finanzmittel. Den Kommunen stehen 50 Millionen Pfund extra zur Verfügung, um die neuen Maßnahmen umzusetzen. Überwacht werden sie dabei von einer neu geschaffenen Adoptionsbehörde.

Ein verstärkter Fokus auf verbesserte Abläufe bei Adoptionen sei ein positiver Schritt, sagte Kommunenvertreter David Simmonds. Aber die Maßnahmen stellten eine "Netto-Reduzierung der Mittel für die lokalen Behörden" dar. Das könne sich negativ auf die Dienstleistungen vor Ort für Kinder, die ein Zuhause suchen, auswirken.

wit

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insgesamt 2 Beiträge
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juanth 24.12.2013
1. Sehr gut!
Davon koennten deutsche Jugendaemter, aber auch in anderen Staaten, einiges lernen. Sollte es in GB zu viele Kinder geben, koennte man es doch auch auf andere Laender ausweiten. Den Kindern hilft dieses System mit Sicherheit.
hanfiey 25.12.2013
2. Hmmm
Das hatte schon seine Gründe warum das früher anders war, um die Kinder vor Adoptiveltern zu schützen, die sich das dann anders überlegt haben und das Kind wie einen Konsumartikel benutzt hätten. Stichwort Wanderpokal.
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