Aktivisten brechen bei Rüstungskonzern ein Flugzeuge zu Pflugscharen

Die Friedensbewegung hat vermutlich zwei neue Idole: Aktivisten sind bei einem britischen Rüstungskonzern eingebrochen, um für Saudi-Arabien gedachte Militärmaschinen zu sabotieren. Dann kam die Polizei.

Niederlassung von BAE Systems in Warton
picture alliance/ empics/ PA

Niederlassung von BAE Systems in Warton


Zwei christliche Friedensaktivisten haben in Großbritannien versucht, Kriegsflugzeuge zu entwaffnen. Dan Woodhouse und Sam Walton wurden wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung festgenommen, berichten BBC und "Guardian".

Die beiden Männer waren demnach am Sonntag auf das Gelände des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems in Warton in der nordwestenglischen Grafschaft Lancashire eingebrochen. Dort versuchten sie, für das Militär Saudi-Arabiens bestimmte Kriegsflugzeuge kampfunfähig zu machen. Woodhouse begründete diesen Schritt laut BBC damit, dass er Leben retten würde.

"Saudi-Arabien davon abzuhalten, mehr Flugzeuge für die Bombardierung des Jemen zu haben, oder es zumindest zu verzögern, würde unschuldige Leben retten und Kriegsverbrechen verhindern", hieß es demnach in einem Statement. Im Jemen bekämpft eine Militärkoalition unter der Führung Saudi-Arabiens die Huthi-Rebellen, mehr als 10.000 Menschen wurden nach Angaben der Vereinten Nationen bereits getötet.

Waffenlieferungen an Saudi-Arabien sind daher äußerst umstritten. Die britische Regierung hatte Ende Dezember bestätigt, dass in dem Konflikt auch britische Streubomben zum Einsatz kamen. Die USA haben ihre Munitionslieferungen an Saudi-Arabien wegen der vielen zivilen Kriegsopfer inzwischen eingeschränkt, die deutsche Regierung hingegen hat die Lieferung von Artilleriezündern an das Land genehmigt.

"Wir hatten keine andere Wahl"

Der jetzige Sabotageversuch in England erinnert an ähnliche Bemühungen einzelner Aktivisten um den Weltfrieden. Im Sommer 2003 etwa machten drei Nonnen weltweit Schlagzeilen, die im US-Bundesstaat Colorado in einen Militärkomplex eindrangen, auf einem mit Interkontinentalraketen bestückten Silo herumhämmerten und schließlich mit ihrem eigenen Blut Kreuze darauf malten. Ein Gericht verurteilte die rüstigen Aktivistinnen später zu 33, 41 und 30 Monaten Haft.

Auch Dan Woodhouse und Sam Walton sind offenbar bereit, für ihren Einbruch bei BAE Systems ins Gefängnis zu gehen - über einen Fluchtversuch der beiden ist jedenfalls nichts bekannt. Walton verteidigte den Sabotageakt: "Wir haben uns zu diesem Schritt nicht leichtfertig entschieden, hatten aber keine andere Wahl", teilte er dem "Guardian" zufolge mit.

Walton gehört laut BBC der religiösen Bewegung der Quäker an, Woodhouse ist Pfarrer der methodistischen Kirche. Er musste sich bereits vor wenigen Jahren vor Gericht verantworten, weil er mit vier anderen christlichen Aktivisten im September 2013 den Eingang einer Rüstungsmesse in London blockiert hatte - alle fünf wurden später freigesprochen.

Auf einem jetzt von der BBC veröffentlichten Foto halten Woodhouse und Walton einen Bibelspruch in die Kamera: "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen" steht darauf - das Zitat aus dem Alten Testament war schon in der DDR der Schlachtruf der Friedensbewegung.

mxw

insgesamt 31 Beiträge
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Klaus's Meinung 30.01.2017
1. Gute Aktion
Ohne die Waffenlieferung aus dem Westen, wäre die Welt friedlicher. Kritiker sagen, dann produziert jemand anderes die Waffen. Stimmt, aber dann werden wenigstens die Arbeitsplätze in den Ländern geschaffen, wo Waffen benötigt werden. Daraus könnten dann auch andere Industrien hervorgehen.
Putin-Troll 30.01.2017
2. Respekt
Eine mutige Tat. Wer das saudische Regime mit Waffen versorgt, leistet Beihilfe zum Mord und sollte m.M.n. dafür belangt werden.
auweia 30.01.2017
3. Moralisch hochstehend...aber blöd.
Diese Aktion blendet aus, dass der Mensch zwar friedlich sein *kann*, es aber regelmäßig nicht *ist*. Daher ist ein gewisses Maß an bewaffneter Vorsicht angebracht. Wer seine Waffen zu Pflugscharen macht, pflügt anschließend für die, die das nicht getan haben.
poco4 30.01.2017
4. Peinlich für Theresa May
Der materielle Schaden wird wohl überschaubar bleiben. Der ideelle Schaden hingegen, den die Idealisten für die britische Regierung angerichtet haben, ist nicht zu unterschätzen. Fast noch abstoßender als Kriegsflugzeuge sind die Streubomben - made in Britain und nur für Kriegsverbrechen zu gebrauchen. Danke für die Erinnerung daran.
rockwater 30.01.2017
5. Sehr geile Aktion
leider werden sie nicht den Friedensnobelpreis bekommen.
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