Prozess in Brandenburg Das Apfelkomplott von Guben

Trägt die Apfelkönigin von Guben ihre Krone zu Recht? Ein ehemaliger Kontrahent wittert Betrug und reicht Klage ein. Der Bürgermeister findet die Posse unerträglich.

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So nah war er dem "Königstitel", und dann ging die Krone doch an ihm vorbei: Als erster männlicher Kandidat hatte sich Marko Steidel im brandenburgischen Guben um das Amt des Apfelkönigs beworben. Das Publikum auf dem "Appelfest" entschied sich jedoch im September 2016 gegen ihn. Das will Steidel sich nicht gefallen lassen, er vermutet Wahlbetrug und hat Klage eingereicht. Zum Prozessauftakt in Cottbus musste er nun jedoch zugeben, dass seine Vorwürfe nur auf Vermutungen beruhen.

Nach wenigen Minuten war der erste Verhandlungstag beendet. Anfang September will das Gericht verkünden, ob die amtierende Apfelkönigin Antonia Lieske rechtmäßig im Amt ist. Dann endet ihre Amtszeit allerdings ohnehin, denn der ehrenwerte Posten wird immer für ein Jahr vergeben.

Das ist Steidel jedoch egal. Ihm gehe es um Gerechtigkeit, sagte der 42-Jährige. Zusätzlich verlangt er vom örtlichen Tourismusverein Schadensersatz in Höhe von insgesamt 25.000 Euro. Er behauptet, die Wahl sei manipuliert gewesen. Außerdem habe seine Kontrahentin bei der Wahl keinen Führerschein gehabt und ihre Teilnahme sei damit unzulässig gewesen. Der Verein Marketing und Tourismus Guben beteuert, dass ein Führerschein aber keine Bedingung gewesen sei.

Vorsorglich hat Steidel schon jetzt Berufung angekündigt
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Vorsorglich hat Steidel schon jetzt Berufung angekündigt

Viele Einwohner der Kleinstadt besuchten den Prozessauftakt im Amtsgericht Cottbus. "Er ist ein schlechter Verlierer", sagt eine Frau über Steidel.
"Gekränkter Stolz", sagt ihr Sitznachbar.

Vorsorglich Berufung angekündigt

Auch der Bürgermeister von Guben, Fred Mahro (CDU), ist zum ersten Verhandlungstag erschienen. "Die Sache ist für mich kaum noch zu ertragen," sagt er. "Dass sich die Justiz mit dieser Posse beschäftigen muss." Der Tourismusverein sieht in der Sache vor allem eines: einen Imageschaden für die Stadt. Schon jetzt kündigte Steidel vorsorglich Berufung an, sollte die Apfelkönigin ihre Krone behalten dürfen.

In wenigen Wochen wird dann in Guben eine neue Apfelkönigin gewählt. Steidel wurde als Kandidat ausgeschlossen - es gab die Bedingung, dass man in den vergangenen zwölf Monaten gerichtlich nicht gegen den Verein vorgegangen sein darf.

Seit 1995 gibt es bereits Apfelköniginnen in Guben. 2016 ließ der Tourismusverein erstmals auch männliche Kandidaten zur Wahl zu. Dass daraus ein juristischer Streit werden würde, hätte die Geschäftsführerin des Tourismusvereins, Kerstin Geilich, sich nicht träumen lassen. "Sowas habe ich noch nicht gehabt", sagte sie. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas jemals passieren würde."

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asc/dpa



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