Versteigerung in Gundelfingen Niemand will Lenin und Stalin haben

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Steinmetz Klaus Waszarek arbeitet an Leninstatue
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Steinmetz Klaus Waszarek arbeitet an Leninstatue


Jahrzehnte lang stand er als "roter Bahnhofsvorsteher" in Dresden. Doch dann kam die Deutsche Wiedervereinigung und die mehr als zwölf Meter hohe Statue von Wladimir Iljitsch Lenin musste 1992 weichen. Nur wohin mit dem Revolutionär?

Der Unternehmer Josef Kurz bekam das Denkmal mit fünf weiteren Statuen aus dem Ostblock geschenkt und brachte sie nach Schwaben. Dort wollte er eigentlich einen Skulpturenpark errichten, scheiterte aber mit dem Vorhaben. Nach seinem Tod entschieden die Söhne, die Figuren zu verkaufen.

Das Problem: Bei der Auktion der überlebensgroßen Exponate von Stalin, Lenin und anderen Politikern im bayerischen Gundelfingen gingen keine Gebote ein. Ein paar Interessenten hatten die Auktion über einen Livestream im Internet mitverfolgt - vor Ort waren nur Journalisten und einige Schaulustige. Keiner wollte aber zu den vom Auktionator angesetzten Preisen mitbieten.

Stalinstatue in Gundelfingen
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Stalinstatue in Gundelfingen

Ein Stadtrat der Linken in Dresden gab nun zu Bedenken, ob man die Skulptur, die Lenin zusammen mit KPD-Chef Ernst Thälmann und den Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid zeigt, zurückholen sollte.

Laut Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) ist das aber aus Kostengründen im laufenden Haushalt nicht möglich. Konsequent hatte die Verwaltung der Stadt dann angekündigt, sich nicht an der Versteigerung zu beteiligen.

Lenin soll 150.000 Euro kosten

Recht ambitioniert wirkten dagegen von Anfang an die Ansprüche des Potsdamer Auktionators Frank Ehlert. Er wollte für den 80-Tonnen-Koloss mindestens 150.000 Euro erlösen. Jetzt bleibt er - zumindest vorerst - auf dem Stein-Koloss sitzen. Die Lenin-Skulptur wurde einst von dem russischen Bildhauer Grigori Danilowitsch Jastrebenezki geschaffen und zum 25. Jahrestag der DDR-Gründung 1974 in Dresden aufgestellt.

Neben Lenin sollte eigentlich am Samstag auch die Statue seines Nachfolgers Josef Stalin unter den Hammer kommen. Die ist zwar deutlich kleiner als die von Lenin miss aber immerhin 3,70 Meter. Der Startpreis lag bei 58.000 Euro. Doch auch Stalin fand keinen Käufer.

Mögliche Interessenten haben aber in den nächsten vier Wochen noch eine Chance. So lange gilt die Nachkaufzeit.

koe/dpa

insgesamt 15 Beiträge
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Samuell 18.06.2017
1.
...was soll man auch mit den Skulpturen zweier Massenmörder? Eine Frage, die man sich bei der Linkspartei in Dresden anscheinend nicht stellt. Aber zum Glück gibt deren klammer Haushalt einen Erwerb der Figuren nicht her.
wahrscheinlichwahr3 19.06.2017
2. Stalinstatue
Warum gibt es überhaupt noch eine Statue von Stalin, einem Massenmörder und einem der größten Verbrecher der Neuzeit?
poco4 19.06.2017
3. Ich reibe mir die Augen und bin verblüfft
Welchem Traum ich da wohl aufgesessen bin: Ja, ich hatte mit manchen sozialen Positionen der Linken geliebäugelt. Dass jetzt aber einer ihrer Politiker doch glatt die Statuen zweier Großverbrecher und Massenmörder für teures Steuergeld erwerben und damit die Bürger seiner Stadt belästigen will, zeigt mir, wie unter dem Anschein der Gewendetheit die alte PDS/SED-Mentalität weiterlebt. So als ob sich jemand eine Statue von Bokassa, Idi Amin oder dem Adolf hinstellen wollte. Liebe Linke, lies mal wieder ein Geschichtsbuch! Andersherum: Danke euch, jetzt weiß ich etwas besser, wen ich neben der AfD auf keine Fall wählen kann!
noalk 19.06.2017
4. Bauschutt
Zerkleinern und als Rohmaterial im Betonstraßenbau verwenden.
flaimysalar 19.06.2017
5. Die Linken spinnen
Es gab sehr gute Gründe diese "Kunstwerke" zu entfernen und dass diese Partei sie gerne wieder hätte, zeigt doch über deutlich, wessen Geistes Kind sie sind. Wieso die Presse (auch SPON) eine solche Haltung gegenüber einer menschenverachtenden Diktatur für akzeptabel hält, kann einen nur verwundern. Wenn eine Partei eine entsprechende Nazi-Statue heimholen wollte, wäre der Presseaufschrei gewaltig.
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