Haitis Präsident: "Vielleicht kommen wir auf 300.000 Tote"

Die Zahl der Toten beim Erdbeben in Haiti hat sich nach Angaben der Regierung erneut erhöht: Es seien bei dem Erdbeben bis zu 300.000 Menschen ums Leben gekommen, sagte Präsident Préval. Das Land müsse nicht nur wieder aufgebaut, sondern neu gegründet werden.

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Präsident René Préval: Haiti muss neu gegründet werden

Cancún - Der haitianische Präsident hat die Zahl der Todesopfer beim Erdbeben, das die Hauptstadt Port-au-Prince und deren nähere Umgebung zerstörte, erneut angehoben. Es seien mehr als 200.000 Leichen eingesammelt worden, sagte René Préval bei einem Treffen der Karibikstaaten bei Cancún in Mexiko. Unter den Trümmern Hunderter von Gebäuden, darunter Schulen und Universitätsinstituten, befänden sich noch zahlreiche Tote. "Vielleicht kommen wir auf 300.000 Menschen", sagte Préval, ohne die hohe Zunahme weiter zu erläutern.

Haiti müsse nicht nur wieder aufgebaut, sondern neu gegründet werden, sagte Préval und bat die internationale Gemeinschaft angesichts der verheerenden Zerstörung erneut um Hilfe.

Bei dem Treffen am Montag und Dienstag wollen die Staaten Maßnahmen zu einer größeren Einheit beraten. Neben Haiti dürfte auch Honduras im Zentrum der Beratungen stehen. Honduras, dessen damaliger Präsident Manuel Zelaya im vergangenen Jahr gestürzt worden war, ist bei dem Treffen als einziges Land nicht vertreten.

"Internationale Treffen müssen nun sehr rasch bestimmen, wie die Hilfe aussehen soll", forderte Préval. "Und es muss auch festgelegt werden, was für den Wiederaufbau Haitis aufgebracht werden muss." Haiti werde sein eigenes Programm vorlegen, wenn derartige Konferenzen stattfänden. Das Ziel müsse sein, ein Land zu schaffen, das gerechter sei und das seine Mittel nicht nur in der Hauptstadt konzentriere, wo die wirtschaftlichen und politischen Eliten wohnten.

Laut Experten lässt sich die tatsächliche Zahl der Todesopfer nie ermitteln

Bei dem Erdbeben sind Schätzungen zufolge 60 Prozent der Bauten in der Hauptstadt zerstört oder so schwer beschädigt worden, dass sie abgerissen werden müssen. Bei einem Treffen mit der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet zuvor in Haiti sagte Préval, von 1,2 Millionen Obdachlosen seien bisher nur 300.000 in neuen Zelten der internationalen Hilfsorganisationen untergekommen. 900.000 lebten weiterhin unter schwierigen Bedingungen in den wilden Obdachlosenlagern, die in der ganzen Stadt nach der Katastrophe entstanden waren.

Ursprünglich hatte die Regierung geplant, möglichst viele Obdachlose in mehreren großen Camps außerhalb der Stadt unterzubringen, um vor allem das Zentrum abreißen und neu aufbauen zu können.

Was die Anzahl der Toten angeht lautete die Sprachregelung der Regierung bisher, dass 217.000 Tote geborgen und unter den Trümmern noch viele Leichen verschüttet seien. Experten sind der Meinung, dass sich die tatsächliche Zahl der Todesopfer nie ermitteln lassen wird.

Sollten sich Prévals Befürchtungen bewahrheiten, wären bei dem Erdbeben sogar mehr Menschen ums Leben gekommen, als bei der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean Ende 2004, bei der etwa 226.000 Menschen starben.

jjc/Reuters/dpa

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