Hamburg Zwei Leichen in Obdachlosenheim gefunden

In einer Hamburger Unterkunft für Wohnungslose sind zwei Tote gefunden worden. Offenbar lagen sie seit Tagen in ihrem Zimmer. Wieso bemerkte niemand ihr Ableben?

Feuerwehrfahrzeug vor der Unterkunft für Obdachlose in Hamburg-Billbrook
DPA

Feuerwehrfahrzeug vor der Unterkunft für Obdachlose in Hamburg-Billbrook


Im Hamburger Stadtteil Billbrook sind am Mittwoch gegen acht Uhr zwei Leichen entdeckt worden. Der Hausmeister einer Obdachlosenunterkunft entdeckte die leblosen Körper in einem Zimmer der Einrichtung am Billbrookdeich im Südosten der Hansestadt.

Bei den Toten handelt es sich um zwei 58-jährige Deutsche, die gemeinsam ein Zimmer bewohnten. Der Hausmeister habe die von innen verschlossene Tür mit einem Zweitschlüssel geöffnet, um Wartungsarbeiten durchzuführen, und dann die Leichen entdeckt, sagte eine Polizeisprecherin.

"Unsere Ermittler haben keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung oder Suizid gefunden", so die Sprecherin weiter. Einer der Männer sei erst vor Kurzem aus dem Krankenhaus entlassen worden und vermutlich früher als sein Bettnachbar gestorben. Die genaue Todesursache soll nun durch eine Obduktion geklärt werden.

Die Verstorbenen waren laut Polizei fest in der Unterkunft gemeldet und sollen sich gut verstanden haben. In dem Zimmer seien mehrere Flaschen Alkohol gefunden worden.

Die "Hamburger Morgenpost" hatte berichtet, eine der Leichen sei stark verwest aufgefunden worden. Die Polizei schränkte auf Nachfrage ein, dass die Leichen Tage, aber nicht Wochen in dem Zimmer gelegen hätten.

Keine täglichen Kontrollen

In der Einrichtung des Trägers "Fördern und Wohnen" am Billbrookdeich leben 124 Menschen. Wie kann es sein, dass niemand das Ableben der beiden Männer bemerkt hat?

"Wir führen keine täglichen Kontrollen durch", sagt die Sprecherin von "Fördern und Wohnen", Susanne Schwendtke. Die Bewohner lebten längerfristig in der Einrichtung und seien selbstständig. "Unsere Kollegen klopfen einmal in der Woche an die Türen und sehen nach dem Rechten." Dies sei im Fall der 58-Jährigen am Freitag zuletzt geschehen. Einer der beiden habe geöffnet und erklärt, dass alles in Ordnung sei. "Deshalb sind wir sehr erschrocken über das, was geschehen ist", sagt Schwendtke.

In dem Männerheim ist ein Sozialarbeiter für 80 Bewohner zuständig. Er sei vor Ort und in den Bürozeiten ständig erreichbar, so die Sprecherin. Aufgabe des Trägers sei es, den Bewohnern eine "Orientierungsberatung" zu geben, man habe keinen Betreuungsauftrag. Die Mitarbeiter helfen demnach bei gesundheitlichen Problemen, bei der Arztsuche oder dem Ausfüllen von behördlichen Anträgen.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Textfassung hieß es, in der Unterkunft sei schon einmal ein Toter entdeckt worden. Der vor drei Jahren in seiner Wohnung gestorbene Mann hatte jedoch nicht in der Unterkunft gelebt, wo nun die Leichen gefunden wurden. Wir haben den Passus gestrichen.

ala



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