Stiftung Weltethos: Küng macht Köhler zu seinem Nachfolger

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Hans Küng hat die Stiftung Weltethos gegründet und über Jahre geprägt. Bald wird der Theologe und Papstkritiker 85 Jahre alt. Zeit, seine Nachfolge zu regeln. Überraschend verkündete er seinen Kandidaten: den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler.

Horst Köhler und Hans Küng in Tübingen: Nachfolge bei der Stiftung Weltethos Zur Großansicht
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Horst Köhler und Hans Küng in Tübingen: Nachfolge bei der Stiftung Weltethos

Tübingen ist der Ort, der sie beide verbindet. Theologe Hans Küng, der die katholische Kirche jahrzehntelang mit seinen Thesen auf die Probe und den Anspruch des Vatikans immer wieder in Frage stellte. Und Ökonom Horst Köhler, ehemaliger Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Altbundespräsident. Der Schweizer Küng hatte seit den sechziger Jahren an der Universität in Tübingen die Professur für Ökumenische Theologie inne, Köhler studierte dort zu dieser Zeit Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften. Während Küng maßgeblich an der Vorbereitung des Zweiten Vatikanischen Konzils beteiligt war und Joseph Ratzinger auf seine Empfehlung von Münster nach Tübingen wechselte, gründete Köhler gemeinsam mit seiner Frau Eva Luise einen Welt-Laden mit ökologisch produzierten und fair gehandelten Waren.

In Tübingen haben sich die Wege der beiden nun erneut gekreuzt. Am Dienstagabend wurde in Tübingen gefeiert. Küngs Stiftung Weltethos ist nun offizieller Teil der Universität, für den 84-jährigen Theologen ist es so etwas wie die Vollendung seines Lebenswerks.

Die Idee, deren geistiger Vater er ist, hat nun eine eigene wissenschaftliche Heimat. In den nächsten Tagen wird der Lehrbetrieb aufgenommen, die Seminare sollen Studenten aller Fachbereiche offenstehen. Geforscht wird zu Küngs Ideen, dass es einen Grundkonsens über Werte und Maßstäbe gibt, der alle Menschen unabhängig von ihrer Religion und Kultur verbindet.

"Eine unerwartete, aber doch erfreuliche Mitteilung"

Im Festsaal der Universität hielt der neu ernannte Direktor des Instituts anlässlich der Einweihung einen Vortrag. Claus Dierksmeier sprach zum Thema "Wie sollen wir wirtschaften? Weltethos im Zeichen der Globalität", in der ersten Reihe saß Horst Köhler. Auf die Rede folgte, wie bei den neun vorausgegangenen Reden der Reihe, ein Dialog mit Hans Küng.

Die Nachricht des Abends ließ auf sich warten. "Zum Schluss eine von Ihnen wohl unerwartete, aber doch erfreuliche Mitteilung", sagte Küng. Im März 2013 feiere er seinen 85. Geburtstag, das Datum habe er seit längerem als den Zeitpunkt ausgewählt, an dem er von seinem Amt zurücktreten möchte. Mit dem Vorstand habe er sich seit längerem um einen Nachfolger im Amt des Präsidenten der Stiftung bemüht. "Und da unsere Stiftung zunehmend global tätig ist, sollte es eine global bekannte Persönlichkeit sein. Nicht leicht zu finden (…) Es ist kein geringerer als: Altbundespräsident Horst Köhler."

Erster Gratulant: Winfried Kretschmann

Köhler unterstützt die Stiftung seit ihrer Gründung 1995. Als Direktor des IWF betonte er die Notwendigkeit eines globalen Ethos für das Gelingen einer globalen Ökonomie. Seit 1997 ist er Kurator der Stiftung. Er holte eine in Tübingen konzipierte Ausstellung in das Hauptquartier des IWF nach Washington, 2004 hielt er die vierte der sogenannten Weltethos-Reden - damals schon in seiner Rolle als Bundespräsident. Er sprach über das Thema, das seine Amtszeit prägte: die Solidarität mit Afrika. "Was gehen uns andere an?" war der Titel seines Vortrags.

Köhler sprach am Dienstagabend von einer "großen Herausforderung", Ministerpräsident Winfried Kretschmann war einer der ersten Gratulanten. Die offizielle Amtsübergabe soll im Frühjahr 2013 erfolgen.

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insgesamt 2 Beiträge
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1.
Philipp Joos 19.04.2012
Küng war ein Genie im Einwerben von Spenden und Vermächtnissen. In dem Punkt ist er seiner Kirche treu geblieben: Wenn das Geld im Ethos klingt, die Seele in den Himmel springt! Der Beweis, dass seine moralinsaure Werte-Suada irgendwo in der Welt für irgendwen irgendetwas gebessert hätte, ist er schuldig geblieben. Auch Köhler wird beweisfällig bleiben, und als Protestant kann er nicht mal einen dritten Petersdom bauen - der zweite steht ja schon in seinem geliebten Afrika, in Yamoussoukro!
2. Irritiert
fokus58 18.04.2013
Küng und Köhler?-Dass Küng es immer wieder schafft Persönlichkeiten für sich und sein Werk einzunehemen ist bekannt.Selbst Helmut Schmidt konnte nicht widerstehn. Was Küng lehrt hört sich gut an,entspricht dem Zeitgeist und ist "nett".Mir fehlt die christliche Grundlage,das Bekenntnis zum Glauben.Aus dem Theologen ohne kirchliche Lehrbefugnis wird man nicht schlau.Was will er wirklich?Wie ist seine Ehrung durch Freimaurer zu werten? Ist jesus Christus für ihn der Weg,die Wahrheit und das Leben?Viele Bücher wenig klare Antworten.
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