Web-Phänomen "Harlem Shake": Zappeln, was das Zeug hält

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YouTube

Nach dem "Gangnam Style" macht im Internet der nächste Tanz-Trend die Runde - der "Harlem Shake". Selbst die norwegische Armee hat bereits ein Parodie-Video hochgeladen. Wichtigstes Kennzeichen des neuen Tanzstils: Alle rasten richtig aus.

New York - In New York gibt es für Flashmobs wohl keinen besseren Ort als den Times Square. Wer vor den bunten Leuchtreklamen, dem Verlagsgebäude der "New York Times" und Millionen Touristen herumtanzt, dem ist maximale Aufmerksamkeit sicher. Doch die Bürger der Metropole haben sich mittlerweile an die vielen Gruppenaktionen gewöhnt.

Wenn auf dem Platz wie am Dienstagabend (Ortszeit) also 200 verkleidete Menschen durcheinanderzappeln und der hinzugerufenen Polizei ihr Vorhaben erklären, den "Harlem Shake" tanzen zu wollen, flasht das die wenigsten. Warum auch, der große Hype um den "Harlem Shake" findet ohnehin im Internet statt.

Die Grundlegung für den "Harlem Shake" legte der New Yorker DJ Baauer, als er im vergangenen Jahr einen gleichnamigen Track auf YouTube einstellte. Die basslastige Elektro-Musik erlangte jetzt internationale Aufmerksamkeit dank des Videos eines Internetkomikers namens Filthy Frank. Dessen Filmchen zeigt vier ganzkörperverkleidete Gestalten, darunter einen Power Ranger und einen silberner Alien, die in einem winzigen Studentenzimmer zu Baauers Musik abtanzen. Mit Erfolg: Seine Version des "Harlem Shake" wurde auf YouTube mittlerweile mehr als drei Millionen Mal angeklickt.

Norwegische Armee im Schnee

Wie so häufig bei Web-Phänomenen dieser Art dauerte es nicht lange, bis zahlreiche Parodien und Nachmacher-Videos das Netz fluteten. Die großen YouTube-Kanäle wie Buzzfeed und College Humor haben längst ihre eigenen Versionen des "Harlem Shake" vorgelegt. Latenight-Talker Jimmy Fallon ist mit einem Wusel-Video online, genau wie US-Moderator Ryan Seacrest. Aber auch Feuerwehrmänner, US-Soldaten und ganz normale Bürobelegschaften machen mit. Fast stündlich kommen neue Videos dazu - selbst die norwegische Armee hat ein Video hochgeladen, das die Formation zum Schluss wild durcheinanderwuselnd im Schnee zeigt.

Laut der Webseite knowyourmeme.com, Lexikon für genau diese Art von Internetphänomenen, wurde der "Harlem Shake" bereits Anfang der achtziger Jahre im New Yorker Stadtteil Harlem geboren. Bei dem Tanz ging es demnach um das rhythmische Zurückreißen der Schultern, begleitet von Stoßbewegungen der Hüfte. Um die Jahrtausendwende zitierten Künstler wie Jadakiss und P. Diddy den "Harlem Shake".

Die Regeln des "Harlem Shake" scheinen mit zunehmender Popularität jedoch zu verwässern. In den neueren Ausführungen erinnern die meisten Clips eher an ein animiertes Wimmelbild und funktionieren nach folgendem Schema: Die erste Einstellung zeigt eine Gruppe Menschen in einer alltäglichen Situation. Einer, meistens jemand, der bereits durch einen Helm oder eine Maske als Zeremonienmeister gekennzeichnet ist, beginnt sich zu verrenken. Nach den ersten 15 Sekunden des Tracks, wenn der Bass noch einmal dramatisch Fahrt aufnimmt, rasten alle Anwesenden völlig aus. Jeder wirft sich irgendwie in Pose und zappelt zu Baauers Beats, was das Zeug hält. Ganz nach der alten Hiphop-Regel: "Shake what your mama gave ya!" Nach rund 30 Sekunden ist der freakshow-artige Zauber vorbei.

Freakshow mit Spielzeuggiraffe

Viele Akteure sind verkleidet, als Huhn, als Spiderman, als Skifahrer. Manche reißen sich die Kleider vom Leib, andere integrieren das Büromaterial in ihre wüsten Darbietungen. In einem der vielen Videos schlägt jemand ununterbrochen auf eine aufblasbare Spielzeuggiraffe ein.

Auch in Deutschland gibt es erste Interpretationen - auf der Berlinale, beim baden-württembergischen Radiosender Radio 7 flippt die Redaktion im Kollektiv aus, genau wie das Team von on3, dem Jugendsender des Bayerischen Rundfunks.

Manche vergleichen den "Harlem Shake" bereits mit dem Erfolg des YouTube-Hits "Gangnam Style". Das Video des südkoreanischen Rappers Psy, in dem er eine Art Rodeo-Tanz aufführt, wurde bislang mehr als eine Milliarde mal angeschaut. Zahlreiche Parodien wurden im Netz gefeiert, selbst Persönlichkeiten wie Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und der chinesische Künstler Ai Weiwei ließen sich zu eigenen Performances hinreißen. Mal schauen, welche internationalen Schwergewichte diesmal den Beats verfallen.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Web-Phänomene ...
Tom Joad 13.02.2013
Schnarch ...
2. Allenfalls die Kostümierung ist neu.
schlamassel_hoch_12 13.02.2013
Ich kann mich an unzählige Firmenfeiern erinnern, bei denen Alkohol den unaufälligen Kollegen zum Körperklaus hat werden lassen. Das sah genauso aus und war viel authentischer.
3. you made my day!!!
lordoro 13.02.2013
Zitat von Tom JoadSchnarch ...
4. Berlinale Harlem Shake
mcbillions 13.02.2013
Ich weiß zwar nicht was ich über dieses "neue" Webphänome halten soll, aber ich muss gestehen das der Berlinale Harlem Shake Beitrag mich zum lachen gebracht hat: http://www.youtube.com/watch?v=_UB5KcFyYgU
5. Entertaining
Sugafoot 13.02.2013
Sehr amüsant, den harlem shake beherrscht zwar keiner (im vergleich hierzu bad boy black rob videos), dennoch cool
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