Präsent für NRW-Heimatministerin Heino verschenkt Lieder mit SS-Vergangenheit

Beim NRW-Heimatkongress brachte Heino der CDU-Politikerin Ina Scharrenbach ein Album mit Volksliedern als Geschenk mit. Davon haben einige jedoch eine fragwürdige Geschichte.

Heino und Ina Scharrenbach (CDU)
DPA

Heino und Ina Scharrenbach (CDU)


Schlagersänger Heino hat mit einem Gastgeschenk an Nordrhein-Westfalens Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) Diskussionen ausgelöst. Zum ersten NRW-Heimatkongress hatte der 79-Jährige der Politikerin ein Doppelalbum mit dem Titel "Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder" mitgebracht.

Mehrere der 24 Lieder auf dem Doppelalbum fanden sich zu Hitlers Zeiten im "Liederbuch der SS", etwa "Der Gott, der Eisen wachsen ließ". Dort heißt es: "Wir wollen heute Mann für Mann mit Blut das Eisen röten, mit Henker- und mit Knechteblut, o süßer Tag der Rache! Das klinget allen Deutschen gut, das ist die große Sache."

In "Wenn alle untreu werden" von 1814, das die SS als "Treuelied" glorifizierte, wird vom "heil'gen Deutschen Reich" geschwärmt. Zuerst hatte die "Westdeutsche Zeitung" berichtet.

Die SPD-Landtagsfraktion reagierte empört und wollte von der Landesregierung wissen, wie Heino überhaupt zu einer Einladung zu dem Kongress am vergangenen Wochenende gekommen sei. Dem Schlagersänger ist in der Vergangenheit immer wieder eine unkritische Haltung zu völkischem Liedgut vorgeworfen worden. Heino selbst hat sich stets gegen Vorwürfe gewehrt, er sei politisch rechts. Er betonte, er singe einfach Volkslieder. Im Jahr 2013 sagte er laut "Bild": "Ich bin nicht schwarzbraun, ihr Haselnüsse!"

Scharrenbachs Ministerium teilte mit, Heinos Geschenke - insgesamt zwei Schallplatten und vier CDs - seien "bei der Übergabe nicht unter dem Aspekt der politischen Korrektheit überprüft worden". Die Ministerin verwahre sich aber strikt dagegen, "in irgendeiner Weise mit der nationalsozialistischen Ideologie in Verbindung gebracht zu werden".

Die SPD will nun wissen, warum Scharrenbach nicht von vornherein andere Heimatbotschafter "ins Schaufenster gestellt" habe: etwa Ex-Fußballnationalspieler Gerald Asamoah oder TV-Koch Nelson Müller. Nach Darstellung des Ministeriums hätten alle 47 Botschafter eine Einladung zum Heimatkongress erhalten - von der Top-Prominenz sei aber nur Heino gekommen.

bbr/dpa

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esboern 22.03.2018
1. Passt
doch gut zur CDU, die CDU-Südwest hat doch in ihren Liedgut das Panzerlied der Wehrmacht, da kann man sich in schöne Träume singen.
kydianta 22.03.2018
2. "gutmütig"
Die Einwände gegen das Liedgut mögen berechtigt sein, Heino in der Nähe von Nazis zu orten, scheint mir jedoch abenteurlich. Der man ist für so etwas zu "gutmütig"!
zeisig 22.03.2018
3. Au weia.
Am Schluß des Artikels steht eine Aussage, die mir zu denken gibt. Ich zitiere: "Die SPD will nun wissen, warum Scharrenbach nicht von vornherein andere Heimatbotschafter "ins Schaufenster gestellt" habe: etwa Ex-Fußballnationalspieler Gerald Asamoah oder TV-Koch Nelson Müller. " Was will uns das sagen? Wenn's um Heimat geht, dann lieber einen Farbigen nehmen , um ja keinen falschen Verdacht aufkommen zu lassen? Was soll man dazu sagen?
michael_mueller 22.03.2018
4. Was ist mit Richard Wagner?
Die Political Correctness treibt seltsame Blüten. Nach dieser Logik wäre auch Richard Wagner als Hitlers Lieblingskomponist kontaminiert.
newline 22.03.2018
5. @4
Dem ist auch so, ob sinnvoll oder nicht.
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