Menschenleere Orte Nach der Apokalypse

Wie sähe die Welt ohne Menschheit aus? Der Fotograf Henk van Rensbergen hat sich in seinem Bildband "No Man's Land" dieser Vorstellung gestellt.

Henk van Rensbergen

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Wie sähe die Welt aus, wenn die Menschheit ausgestorben wäre und Tiere die einzigen Überlebenden? Dieser furchterregenden Zukunftsvision geht der belgische Pilot und Fotograf Henk van Rensbergen in seinem neuesten Bildband "No Man's Land" nach.

Seit mehreren Jahren fotografiert van Rensbergen verlassene Orte auf der ganzen Welt. Von den verfallenen Gebäuden und leer stehenden Plätzen geht für ihn eine besondere Faszination aus: "Ich kann dort meiner Fantasie freien Lauf lassen: Ich stelle mir immer vor, wer hier früher gelebt oder gearbeitet hat."

Mit seinem neuesten Projekt geht er noch einen Schritt weiter und platziert Tiere in den Ruinen. Ein irritierendes Element. Seine Bilder zeigen leer stehende Fabrikgebäude, verfallene Villen, ehemalige Krankenhäuser oder Einkaufszentren, die nun von Pflanzen bewachsen und von Tieren besetzt werden.

Kletterpflanzen überwuchern die Wände, Bäume stehen inmitten von Gebäuden. Ein Wildschwein schnüffelt am Boden einer Shoppingmall, eine Elefantenmutter und ihr Baby haben sich in einem Parkhaus eingerichtet, eine Bulldogge schlummert auf einem Bett voll Moos. Ohne den Menschen wirkt die Welt still.

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11  Bilder
Menschenleere Orte: Verwildert, funktionslos, voller Ruhe

Die Arbeit mit den Tieren sei sehr schwierig gewesen, sagt van Rensbergen: Das Licht musste stimmen, aber gleichzeitig die Haltung und der Blick der Papageien, Rehe und Affen passen. "Sie lassen sich nicht befehlen, zu lächeln oder sich ein wenig zur Seite zu drehen", sagt der Fotograf.

Doch dies war nicht die einzige Herausforderung. Denn in verfallenen Gebäuden zu fotografieren, kann sehr gefährlich sein: Löcher reißen den Boden auf, Treppen brechen auseinander, giftige Stoffe verstecken sich im Gemäuer.

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Mit seinen Bildern lässt van Rensbergen den Betrachter allein. Das Ergebnis ist trotzdem beeindruckend. Wer sich darauf einlässt, der kann eintauchen in die Dystopien, die in so vielen Büchern und Filmen thematisiert werden. Könnte die Welt so aussehen, wenn ein Virus die Menschheit ausgelöscht hat? Oder ein Atomkrieg?

Wer sich von diesen Gedanken nicht forttragen lassen will, der sieht nur eine verfallene Kirche mit einem Schwein darin. Aber das kann auch sehr ästhetisch sein.

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
wurmfortsatz 19.02.2018
1.
Tiere zur Steigerung des Umsatzes? Diese Ort an sich sind ja schon Mahnmal genug, denn sie existieren doch jetzt schon.
vulcan 19.02.2018
2.
Schöne Idee, schöne Bilder. Bisschen viel Aufwand allerdings, Elefanten ins Parkhaus zu verfrachten....ich hätte eher gedacht, die Tiere wäre per Bildbearbeitung in die Fotos gekommen. Eins ist mal sicher - ohne Menschen ginge es den Tieren besser. Den meisten zumindest; nach einer gewissen 'Umstellungszeit'.
hausfeen 19.02.2018
3. Weder kreativ noch neu. In Tschernobyl und Umgebung ...
... haben Biologen das schon in der Realität abgefilmt. Inklusive der Tiere. Das muss man also nicht inszenieren, da doch die Wirklichkeit viel dramatischer ist.
Methusalixchen 19.02.2018
4. Die bildidee an sich ist ebenso gut wie bekannt, ...
... wird allerdings mit den willkürlich (de-) plazierten Tieren total entwertet.
Balthasar1 19.02.2018
5. Irrsinnig tolle Idee
Zunächst sollte man den "Wurmfortsatz" für einige Monate in solchen Gemäuern, z.B. in Tschernobyl, eine Nachdenkpause gönnen. Menschen, die sich z.T. solchen Gefahren aussetzen, um zu zeigen, wie es vielleicht einmal aussehen könnte, nachdem ein Asteroid auf die Erde einschlägt oder einige Atombomben ihre Zerstörungswucht ausgeübt haben. Ja. Wir sollten angesichts solcher Bilder und Vorstellungen innehalten ... und nachdenken, was wir heute falsch machen und wo es Sinn machen sollte, zu opponieren.
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