"Kotleger von Heuchelheim" aufgeflogen Das letzte Geschäft

In Hessen soll sich ein Mann seit 2016 immer wieder auf Bürgersteigen erleichtert haben. Nun ist er aufgeflogen - nach einer Bitte der Gemeinde Heuchelheim um "Hinweise zu menschlichen Kotspurlegern".

Bürgersteig
imago/ Westend61

Bürgersteig

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Das Unheil fiel zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens auf die Bürgersteige von Heuchelheim. Es begann vor eineinhalb Jahren. Ein Unbekannter fing an, sein Geschäft auf den Straßen der hessischen Gemeinde zu verrichten. Dutzende Male.

Die Haufen haben die Gemeinde lange beschäftigt, doch nun ist die Plage vorbei. Denn: Der "Kotleger von Heuchelheim" ist gefasst. "Kotleger", so nennt der Bürgermeister Lars Burkhard Steinz den Täter. Der CDU-Politiker sagt, er habe im Frühjahr 2017 von der Sache erfahren. Ein Bürger meldete sich mit den Worten: "Da ist einer, der scheißt auf die Straße."

Die Meldungen häuften sich, 30 Fälle seien dokumentiert, sagt Steinz. Die Gemeinde war ratlos. Dann wendete man sich an die Öffentlichkeit: "Wir wussten uns nicht anders zu helfen."

Im Januar erschien der Hilferuf in den "Heuchelheimer Gemeindenachrichten". Im Ort, so heißt es darin, "tragen sich unappetitliche Begebenheiten zu".

Bürgermeister Lars Burkhard Steinz
Thomas Wißner/ Gemeinde Heuchelheim

Bürgermeister Lars Burkhard Steinz

Laut Steinz kamen etliche Rückmeldungen, sie erlaubten eine Beschreibung des Täters. Der Mann sei Ende 50 und habe eine untersetzte, gedrungene Figur.

Außerdem trug er eine Brille und ein Käppi mit Militärmuster, meist war er mit dem Fahrrad unterwegs. Die Beschreibung wurde im Februar in den Gemeindenachrichten veröffentlicht, Überschrift: "Hinweise zu menschlichen Kotspurlegern".

Daraufhin meldete sich ein Mann, der den Täter nach eigenen Angaben kannte. Seitdem wissen sie in Heuchelheim, um wen es sich handelt. "Die Person ist seit langer Zeit ein Bürger Heuchelheims", sagt Steinz, "und verfügt über eine funktionierende Toilettenanlage".

Der Bürgermeister hat selbst Hand angelegt

Über die Hintergründe der unappetitlichen Angelegenheit kann Steinz nur mutmaßen. "Vielleicht ist es der Frust über die Gesellschaft", sagt er.

Steinz, vorher Polizist, legte bei den Ermittlungen selbst Hand an: "Wir sind im Besitz einer Stuhlprobe", sagt der Bürgermeister. Er selbst habe sie genommen, mit Latexhandschuhen und einem Teströhrchen. So habe man die DNA gesichert. "Was man hat, das hat man", sagt Steinz.

Doch den Rechtsweg will er nicht beschreiten. Der Verdächtige habe bereits eine Vorladung zum Ordnungsamt bekommen. Er soll sich dann der Verwaltung erklären, möglicherweise ein paar "freiwillige Sozialstunden" als Wiedergutmachung leisten. Er könnte dann ja den Müll entfernen, der sonst so auf den Straßen liegt, sagt Steinz.

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