Artikel über 140-Euro-Bußgeld Frau Chefredakteurin ist wütend

Die österreichische Zeitung "Heute" berichtet über die "wütende" Radfahrerin Maria J., die eine 140-Euro-Strafe kassierte, weil sie bei Rot über die Ampel fuhr. Jetzt kommt heraus: Bei J. handelt es sich um die Online-Chefredakteurin.

Maria Jelenko-Benedikt, Heute.at-Chefredakteurin: Zwei Sekunden zu früh losgefahren
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Maria Jelenko-Benedikt, Heute.at-Chefredakteurin: Zwei Sekunden zu früh losgefahren


Wien - "Radlerin fuhr 2 Sekunden zu früh los - nun muss sie 140 Euro Strafe zahlen": So ist ein Artikel überschrieben, der in der österreichischen Zeitung "Heute" veröffentlicht wurde. Darin geht es um Maria J., die mit ihrem Rad über eine rote Ampel fuhr, von drei Polizisten gestoppt wurde und nun wütend ist. "Ein an sich harmloses Verkehrsdelikt endete für eine Wienerin mit einer saftigen Strafe", heißt es in dem Text.

"Sie umstellten mich, kontrollierten das Rad, verlangten rüde meinen Ausweis. Ich wurde behandelt wie eine Schwerverbrecherin", zitiert die Zeitung Maria J. und veröffentlichte auch ein Foto der Radfahrerin. Das wird gerade auf Twitter und Facebook geteilt. Denn die blonde Frau auf dem Foto sieht der Online-Chefredakteurin der Zeitung sehr ähnlich. Ihr Name: Maria Jelenko-Benedikt.

"Wie hält es die Redaktion von 'Heute' eigentlich mit dem Transparenzgebot?", lautet einer der Facebook-Kommentare. Ein anderer: "Dass es nicht um das Verkehrsdelikt geht, sondern darum, dass eine Journalistin ihr Medium missbraucht, um eine persönliche Fehde gegen die Polizei zu führen, scheinen nur wenige kapiert zu haben."

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Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte Jelenko-Benedikt, dass der Artikel von ihr handelt. "Ich geniere mich nicht dafür", sagt sie. Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, ihre Position und ihren Nachnamen nicht zu nennen. "Das lenkt von der Sache ab. Es geht in dem Artikel nicht um mich als Person." Sie und die Zeitung würden die Strafe für ihren zweisekündigen Frühstart schlicht unverhältnismäßig finden. "Was nicht heißt, dass ich im Recht bin", sagt Jelenko-Benedikt. Die Strafe habe sie inzwischen gezahlt.

In dem Artikel auf der Onlineseite können die Leser darüber abstimmen, ob die Strafe berechtigt sei. Die deutliche Mehrheit - 70,38 Prozent - stimmten für die erste Antwortmöglichkeit: "Ja, weil jeder weiß: Erst bei Grün darf man losfahren."

aar

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insgesamt 214 Beiträge
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Seite 1
kris82 24.01.2015
1. Absolut gerechtfertigt
die Strafe. Stell dir vor neben dir steht ein kleines Kind was dir blind hinterher läuft weil jeder Erwachsene automatisch auch ein Vorbild ist und das Kind wird dann überfahren.... Alles schon passiert! Vorm nächsten Mal wird sich die gute Frau das wohl 2 mal überlegen bei rot zu fahren; dazu sagt man Lehrgeld!
Brutella 24.01.2015
2. Von wegen harmlos
Bei Rot über die Ampel fahren ist absolut nicht harmlos. Sie nimmt eine schwere Körperverletzung oder gar den Tod Anderer billigend in Kauf. Einfacher gesagt: Es ist ihr egal, ob andere wegen ihrer Lustigkeit drauf gehen.
Sibylle1969 24.01.2015
3. Ich fahr oft ein paar Sekunden früher los
Wenn ich an der roten Ampel mit dem Fahrrad warte. Das ist viel sicherer, weil man dann etwas Vorsprung vor den Autos hat. Ich will lieber erst von den Autos überholt werden, wenn ich 20 km/h drauf hab, nicht schon, wenn ich noch langsam bin. An den meisten Ampeln ist das möglich. Leider kennt die StVZO das zu frühe Losfahren nicht, das zählt genauso, als wenn man mitten in der Rotphase durchfährt, auch bei und ein saftiges Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Eine Gefährdung geht dabei nicht vom Radfahrer aus, im Gegenteil ist dieses Verhalten viel sicherer für den Radfahrer und sollte daher nicht wie ein echter Ampelverstoss geahndet werden.
ichsagwas 24.01.2015
4. Ampeln abschaffen, Regeln lockern !
Wie oft ist man schon als Radfahrer vor roten Ampeln gestanden, die rot waren und rot blieben, obwohl längst kein Verkehrsteilnehmer und kein Fussgänger weit und breit zu sehen war. Man könnte bei Radlern doch gesetzliche Ausnahmen schaffen, dass man in so einer Situation z.B. im Schrittempo weiterfahren darf. Davon würde die Welt nicht untergehen. Klar, jetzt tritt sicher sicher gleich die Vorschrift-ist-Vorschrift-Fraktion und wird entsetzt sein und den Untergang des Abendlandes nahen sehen. Juckt mich aber nicht - schreibt nur ! Besser noch wäre: Ampeln abschaffen, wo es nur geht (jede zweite könnte weg - garantiert !). Stattdessen mehr Zebrastreifen, mehr Rechts vor Links, mehr Rücksicht aufeinander nehmen, aber auch mehr Freiheit haben !
KJB 24.01.2015
5. Wiederholungstäterin
Seh ich das falsch oder fährt die Dame für das wohl nachträglich gestellte Foto wieder über die rote Ampel? Tja, da würden dann wohl nochmal 140 fällig :)
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