Erdrutsche in Hiroshima Dauerregen gefährdet Suche nach Verschütteten

Dauerregen erschwert Rettungskräften in Hiroshima bei der Suche nach Verschütteten die Arbeit. Nach gewaltigen Erdrutschen in der japanischen Stadt werden noch Dutzende Menschen vermisst. Bislang wurden rund 40 Tote gefunden.

Zerstörtes Viertel in Hiroshima: Rettungskräfte unter Zeitdruck
AP/Kyodo News

Zerstörtes Viertel in Hiroshima: Rettungskräfte unter Zeitdruck


Hiroshima - Nach der Verwüstung eines Wohngebietes in Hiroshima durch mehrere Schlammlawinen gelten 47 Personen weiter als vermisst. Wegen heftigen Regens musste die Suche kurzzeitig unterbrochen werden. Nun sind die Rettungskräfte in das Gebiet zurückgekehrt.

"Wir werden die ganze Nacht suchen", sagte Hiroshimas Katastrophenschutzbeauftragter Hideyuki Okuda. "Jede Stunde zählt", sagte auch Bürgermeister Matsui Kazumi laut der Nachrichtenagentur Jiji Press. Den Rettungskräften bleibt nicht mehr viel Zeit: Experten zufolge gibt es vor allem in den ersten 72 Stunden nach einem solchen Unglück Hoffnung, Verschüttete lebend zu finden.

4400 Menschen wurden von der Regierung bereits zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert, mehr als 160.000 Personen wurde empfohlen, sich in Sicherheit zu bringen.

Bis Samstagabend rechnen Meteorologen mit ununterbrochenen Regenfällen. Sie warnen vor weiteren Erdrutschen. Bereits am Mittwoch war ein 53-jähriger Helfer bei Rettungsarbeiten umgekommen. Der Feuerwehrmann starb beim Versuch, einen dreijährigen Jungen zu retten, der schließlich ebenfalls von einer Schlammlawine fortgerissen wurde.

Tagelanger Regen hatte in der Nacht zum Mittwoch etwa zeitgleich rund 30 Erdrutsche ausgelöst, die Dutzende Holzhäuser unter sich begraben und fortgerissen hatten. 40 Menschen starben, 67 Menschen wurden verletzt. Da bisher nicht alle geborgenen Toten identifiziert wurden, ist es möglich, dass sich Vermisste darunter befinden. An dem Einsatz sind 2800 Rettungskräfte beteiligt, darunter 650 Soldaten.

Die Katastrophe wirft inzwischen Fragen auf: Viele der zerstörten Häuser waren auf instabilen Abhängen gebaut, eine Evakuierung der Bewohner war jedoch erst eine Stunde nach dem ersten Erdrutsch angeordnet worden. Hiroshimas Bürgermeister Kazumi Matsui rechtfertigte die späte Reaktion damit, dass der sintflutartige Regen zunächst nur in einem begrenzten Gebiet aufgetreten sei - man habe "nicht mitten in der Nacht falschen Alarm auslösen" wollen.

Immer wieder kommt es im dichtbesiedelten Japan trotz Sicherheitsmaßnahmen zu Erdrutschen - in Hiroshima waren 1999 bereits mehr als 30 Menschen durch Schlamm- und Gerölllawinen getötet worden.

las/AFP/AP/dpa



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