Hochwasser in Westdeutschland Häuser an der Mosel überschwemmt

Die Hochwasserlage im Westen Deutschlands bleibt angespannt. An der Mosel stehen Häuser unter Wasser, auf dem Rhein fahren Schiffe nur noch langsam oder gar nicht mehr. Der Überblick.

Uferstrasse K65 in Reil (Rheinland-Pfalz)
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Uferstrasse K65 in Reil (Rheinland-Pfalz)


Die Hochwasserlage an Rhein, Mosel und entlang der Donau in Bayern bleibt kritisch. In einigen Ortschaften an der Mosel stehen Häuser unter Wasser. Zumindest aber ist Entspannung in Sicht. Mit dem Dauerregen der vergangenen Tage dürfte es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vorbei sein: Von Sonntag an seien kaum noch Niederschläge zu erwarten.

Mosel: Überschwemmte Häuser

Stark betroffen waren am Samstag rheinland-pfälzische Orte wie Pünderich und Ürzig. Wie Ortsbürgermeister Arno Simon sagte, wurden Keller, Wohnungen und Straßen in der Ortschaft Ürzig zwischen Bonn und Trier überschwemmt. "Die Menschen stapeln Sandsäcke auf, pumpen Keller leer und räumen Wohnungen aus. Wir hoffen, dass sich die Lage bald wieder entspannt."

Auf der Mosel waren am Samstagmittag keine Schiffe mehr unterwegs, der komplette Fluss war gesperrt. Womöglich könnten am Montag wieder Schiffe fahren, sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Koblenz. "Das ist aus meiner Sicht aber eine sehr optimistische Einschätzung." In Trier trat der Fluss in manchen Bereichen über die Ufer, einige kleinere Straßen waren überschwemmt. Auch dort wurde mit einem Höchststand in der Nacht und Entspannung zu Wochenbeginn gerechnet.

Saar: Fahrbahnen teilweise überflutet

In Saarbrücken blieb die Stadtautobahn A620 gesperrt. Der Pegelstand der Saar war in der Nacht zum Samstag weiter gestiegen, die Fahrbahnen waren teilweise überflutet. Aus dem Hochwassermeldezentrum in Mainz hieß es, dass der vorläufig höchste Pegelstand in der Stadt in der Nacht auf Sonntag gemessen werden dürfte - mit 6,50 bis 6,60 Meter statt der durchschnittlichen drei Meter.

Rhein: Schifffahrt eingeschränkt

Auch andernorts in Rheinland-Pfalz und im Saarland blieb die Hochwasserlage an Rhein, Mosel und Saar angespannt, Bewohner und Feuerwehr wappneten sich. In Koblenz wurden alle Anlagen zum Schutz vor Hochwasserschutz geschlossen, wie das Amt für Brand- und Katastrophenschutz mitteilte. Straßen und Wege waren gesperrt.

In Köln wurde für Samstagabend mit der für den Schiffsverkehr kritischen Marke von 8,30 Meter gerechnet. "Der Rhein steigt mit drei Zentimetern pro Stunde etwas schneller als erwartet", sagte Henning Werker, Leiter der eingerichteten Hochwasserschutzzentrale. Als Höchststand wird in der Rhein-Metropole ein Wert um neun Meter im Laufe des Montags erwartet, zum Schutz der Altstadt werden Schutzwände errichtet.

Im Video: Hochwasser in Deutschland

In Düsseldorf, wo das Flussbett breiter ist als in Köln, stieg das Wasser langsamer. Dort wird am Montag oder Dienstag der Scheitelpunkt erwartet. Die Rhein-Schifffahrt ist schon seit Tagen stark eingeschränkt. Passagierschiffe haben ebenso wie schwer beladene Güterschiffe Schutzhäfen angesteuert. Passagierschiffe laufen nicht mehr aus, weil sie wegen ihrer Höhe keine Brücken unterqueren können. Schutzhäfen sind im Prinzip alle Häfen entlang des Flusses.

Im Rheingau in Hessen erreichte der Rhein die ufernahe B42, die am frühen Nachmittag gesperrt wurde. Der Fährverkehr war eingestellt. Anwohner stapelten zum Schutz ihrer Grundstücke in Ufernähe Sandsäcke. In Wiesbaden bereitete sich die Feuerwehr in den flussnahen Straßen mit Schutzwänden und Pumpen auf Hochwasser vor. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt teilte mit, zu Wochenbeginn werde mit einer Entspannung der Lage entlang des Rheins gerechnet, wenn das schlechte Wetter abgezogen sei.

Donau: Vereinzelt überflutete Gebäude und Grundstücke

Auch die Hochwasserlage an den großen bayerischen Flüssen blieb zunächst angespannt. Die Pegelwerte an der Donau und den Zuflüssen zum Main stiegen laut Hochwassernachrichtendienst (HND) weiter an. Einige Flüsse im Main-Gebiet erreichten in Oberfranken vereinzelt die Meldestufe 3. Bebaute Grundstücke und Häuser seien überflutet worden, so der HND.

Hochwasser in Passau
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Hochwasser in Passau

Der Main selbst trat nur stellenweise über die Ufer. Für den Abend rechnete der HND für die Donau bei Regensburg und Kelheim mit Meldestufe 3, also mit vereinzelt überfluteten Gebäuden und Grundstücken.

kry/dpa



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tailspin 06.01.2018
1. Zuviel Mosel ist auch nicht gut
In dem Bericht findet sich ein Wort, das die ganze Selbstzentriertheit des deutschen buerokratischen Wasserkopfes demonstriert: Meldestufe 3. Bei Anblick der Bilder denkt man doch erstmal an die Betroffenen und den Schlamassel. den sie jetzt ausbaden muessen. Vor Jahren kommentierte hier an gleicher Stellen eine von einer Moselflut betroffene Hausbesitzerin: 'Dabei haben wir das Haus doch so guenstig kaufen koennen!'. Alles hat offenbar seinen Preis. Und was macht die Behoerde? Denkt erstmal an eine Meldestufe. Den Ausgang kann man mit der 3- F Regel leicht voraussagen: Frist, Form und Fruchtlos.
Blind Walker G 06.01.2018
2. Schutzmaßnahmen
Als direkt Betroffener an der Mittelmosel finde ich es auch seltsam, daß trotz starker Gefährdung in den mir bekannten umliegenden Gemeinden weder von Feuerwehr noch von Verwaltungen Sandsäcke bereitgestellt werden. Irgendwie kümmert es niemanden. Der im Artikel genannte Ort Ürzig liegt an der Mittelmosel zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, mit Bonn hat das überhaupt nichts zu tun. Zwischen Trier und Koblenz wäre zutreffend, sollte mal berichtigt werden.
lukapp 06.01.2018
3. Omg
Wer im Wattenmeer sein Haus baut, hat jeden Tag 2x das Vergnügen. Wer im engen Moseltal von der Mosel lebt und sie wie eine alte Tante ansieht, darf sich nicht wundern, wenn sie ab und zu mal im Wohnzimmer vorbeischaut. Man sollte natürlich im Keller außer gefliesten Wänden nichts Immobiles haben: Gastherme unterm Dach und Elektro-Anschluss im 1. Stock. Wohlfeile Vorschläge, die Menschen wußten das früher aber schon.
smartphone 07.01.2018
4. Haitiähnliche Zustände
Wer mal sich die Mühe macht und Satellitenaufnahmen von CostaRica und Haiti anschaut .... Diese Art von "Flurbereinigung zeigt schnell Wirkung ... Weinberg statt Wald hinzu kommt das keine Heckenwirtschaft inkl Normaler Bachläufe exisitiert ... Das heißt jedes bischen Wetter wird Zügigst wegentwässert wohin- in die Mosel . Das Paradebeispiel Mosel ist über weite Teile der modernen Agrarwirtschaft anwendbar . Im übrigen löst man mit tollen Flutmauern in zB Köln auch nur nach dem St.Floriansprinzip . Man muß also kein grünangehauchter sein , um das zu erkennen . BTW ich kenne hier bei uns die 8 Amseln, 6 Kohlmeisen und 4 Blaumeisen "persönlich" .... Wenn ich da an früher denke ..,..
avada~kedavra 07.01.2018
5. Auch
am Mittelrhein sind genügend Anlieger und Bewohner betroffen. Schuld daran sind u. a. auch neu gebaute Schutzvorrichtungen um die Anlieger vor den Fluten zu schützen. Wo Schutzwände installiert sind, sucht sich das Wasser halt weiter flussabwärts seinen Weg. Eigentlich ein ganz natürlicher Vorgang. Für ein - am Rhein liegenden Ortsteil von Koblenz - wurden über die gesamte Länge Spundwände errichtet die auch jetzt hochgezogen wurden. In der Folge sind die Gemeinden einige Kilometer weiter flussabwärts stärker betroffen da sich dann dort das Wasser vermehrt breit macht. Auch ist natürlich die Flußbegradigung und das ausbaggern der Fahrrinnen ein weiterer Grund dafür, das Hochwasser - wenn es dann kommt - extremer ausfällt als früher. Flurbereinigung und Bodenversiegelung tut ein übriges dazu. Es wird lieber immens viel Geld in Spundwände, Fahrbahnerhöhungen u. ä. investiert als in einen Rückbau der Flüsse und - soweit wie möglich - naturbelassene Auffangflächen für das Wasser. Ist dieser Preis für den Fortschritt wirklich nötig? Kann sich jeder seine eigenen Gedanken zu machen. Auch wenn ich in einem Ort direkt am Rhein wohne bin ich persönlich nur mittelbar betroffen, dass ich einen entsprechenden Umweg fahren muss um zur Arbeit zu kommen, andere trifft es da wesentlich schlimmer und härter.
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