Homo-Ehe in Kalifornien: Ein "Ja" zum Glück

Vier Jahre lang haben sie gekämpft: für ihre Überzeugung, für ihre Liebe, für ihre Söhne. Jetzt haben Sandra Stier and Kristin Perry in Kalifornien geheiratet - eine Stunde nach der Legalisierung der Homo-Ehe und mit Glückwünschen von US-Präsident Obama.

Los Angeles - Sie haben jahrelang auf diesen einen Moment gewartet. Gewartet, endlich offiziell und legal sagen zu dürfen: "Ja, ich will!" Gewartet, Ehefrau und Ehefrau zu sein. Gewartet, dass ihre Klage gegen das Verbot der Homo-Ehe Erfolg hat. Nach Jahren des Kampfes haben es Sandra Stier und Kristin Perry nun endlich geschafft: Sie wurden in San Francisco, Kalifornien, getraut.

"Bin auf dem Weg zum Rathaus. Lasst die Hochzeitsglocken läuten", twitterte Kaliforniens Generalstaatsanwältin Kamala Harris am Freitagnachmittag. Vor den Augen Dutzender Gäste standen sich die Frauen kurze Zeit später gegenüber, Stier im hellgrauen Kleid, Perry im beigefarbenen Hosenanzug, beide unendlich erleichtert. Sie scherzten, sie lachten. Und dann machte es Harris offiziell: "Ich erkläre euch hiermit zu Eheleuten auf Lebenszeit."

Da war die Homo-Ehe in Kalifornien gerade mal eine Stunde lang legal. Nachdem am vergangenen Mittwoch bereits das Oberste US-Gericht die Rechte homosexueller Paare auf Bundesebene massiv ausgeweitet hatte, hob am Freitag ein kalifornisches Gericht das Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen im Westküstenstaat auf.

"Wir haben eine lange, lange Zeit auf diesen Tag gewartet", sagte Stier. Vor 14 Jahren hätten sich die beiden Frauen verliebt - und keine Zweifel daran gehabt, dass ihre Beziehung von Dauer sein werde. Inzwischen hat das Paar vier Söhne. Sie haben das Vorhaben ihrer Mütter in den vergangenen Jahren unterstützt.

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Homo-Ehe in Kalifornien: Die trauen sich
"Vier Jahre lang war das Gesetz das Zentrum unseres Lebens", sagte Sohn Spencer Perry auf einer Kampagnenveranstaltung Ende März - noch vor der Entscheidung des Obersten US-Gerichts. Es sei nicht nur der Kampf seiner Familie, sagte Perry in seiner Rede. Jeden Tag würden überall homosexuelle Paare kämpfen. "Das Gesetz sagt, dass Familien wie meine nicht zusammengehören. Dass meine Brüder anders sind, weniger wertvoll sind." Er habe vier Jahre seines Lebens gegen diese Ungerechtigkeit gekämpft, sagte Perry. "Und ich bin glücklich, dass wir die Gelegenheit dazu bekommen haben."

"Wir sind stolz auf euch"

Der Kampf hat sich gelohnt. Die Entscheidung des Supreme Court wurde am vergangenen Mittwoch von Unterstützern der Homo-Ehe bejubelt. US-Präsident Barack Obama telefonierte sofort mit Stier und Perry, um ihnen zu gratulieren. "Wir sind stolz auf euch", sagte er. "Ihr solltet stolz auf euch sein."

Kristin Perry nannte die Entscheidung am Mittwoch ein wichtiges Zeichen für die Kinder des Landes. "Ein Zeichen, dass ihr genauso gut seid wie alle anderen Kinder, unabhängig davon, wen ihr liebt oder wen eure Eltern lieben." Sie könne nun ihren Söhnen sagen: "Wir werden gleichgestellt sein, jetzt werden wir heiraten. Wir werden genauso sein wie jede andere Familie in Kalifornien."

Der Sieg von Stier und Perry ist auch ein Sieg von Paul Katami und Jeff Zarrillo. Die Männer hatten gemeinsam mit dem lesbischen Paar gegen das Verbot der Homo-Ehe geklagt. Entsprechend groß war ihre Erleichterung am vergangenen Mittwoch: "Wir freuen uns darauf, die Wörter 'verheiratet' und 'Ehemann' zu sagen. Denn ja: Sie sind wichtig. Sie machen einen Unterschied", sagte Zarrillo am Mittwoch vor dem Supreme Court.

"Wir sind schwul. Wir sind amerikanisch. Und wir werden nicht wie Bürger zweiter Klasse behandelt", sagte Katami. Und unter Tränen: "Heute ist ein guter Tag. Der Tag, an dem ich endlich dem Mann in die Augen sehen kann, den ich liebe - und ihn fragen kann: Willst du mich heiraten?"

Er wollte. Die Männer sind seit zwölf Jahren ein Paar, am Freitag heirateten auch sie in Los Angeles.

Mit Kalifornien haben nun 13 der 50 US-Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington die Homo-Ehe legalisiert. In anderen Staaten gibt es eingetragene Lebenspartnerschaften. Dagegen haben mehr als 30 Bundesstaaten Ehen von Schwulen und Lesben ausdrücklich untersagt.

"Wir wissen, dass der Kampf im Land weitergeht", sagte Katami. "Und wir werden kämpfen, bis wirklich alle gleich sind."

aar/dpa

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insgesamt 88 Beiträge
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1. ...
corvus cornix 29.06.2013
Zitat von sysopVier Jahre lang haben sie gekämpft: für ihre Überzeugung, für ihre Liebe, für ihre Söhne. Jetzt haben Sandra Stier and Kristin Perry in Kalifornien geheiratet - eine Stunde nach der Legalisierung der Homo-Ehe und mit Glückwünschen von US-Präsident Obama. Homo-Ehe in Kalifornien legalisiert: Endlich Ja-Sager - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/homo-ehe-in-kalifornien-legalisiert-endlich-ja-sager-a-908503.html)
Wir haben selbst zwei homosexuelle Paare in unserem engeren Bekanntenkreis und auch mein Schwager lebt schon seit 14J in einer festen Beziehung zu einem Mann. Für uns ist dies alles so normal, dass wir für den Fall der Fälle auch verfügt haben, daß unsere vier Jungs zu ihnen kommen, es sei denn, unsere erwachsene Tochter würde ein Veto einlegen. Wir können den Kampf (und den Sieg) nur begrüßen, denn wir würden uns auch nicht mit halben Sachen begnügen wollen.
2. Beängstigende Entwicklung
lagermeister17 29.06.2013
Ich freue mich, wenn es Menschen gut geht, und wenn Menschen miteinander glücklich werden. Aber was Spon hier veranstaltet, ist die öffentliche Bejubelung einer gesellschaftspolitischen Entwicklung, die eigentlich nicht nötig ist, damit Menschen zusammenfinden. Anders gesagt: Hier geht es nicht darum, Homosexuellen ihr Los zu erleichtern (im weiteren Sinne: Minderheiten zu schützen), sondern es geht letztlich darum, die Ehe zu entwerten. Das ist so, wie wenn man per Gesetz beschließen würde, daß jeder, auch der Dümmste, einen Doktortitel kriegt, wenn er ihn nur beantragt. Aber die Ehe ist eine privilegierende Lebensform, wie der Doktortitel eine privilegierende Auszeichnung ist. Wenn Alle alle Privilegien erhalten bzw. wenn alles Ungleiche zuletzt gleich ist, dann ist zuletzt nichts mehr erstrebenswert, und das Leben wird sinnlos. Schon jetzt ist die Depression häufigste Ursache der Frühverrentung.
3. Juhu
maxderzweite 29.06.2013
heiratet doch einfach und gut ist, ich persönlich verstehe es zwar nicht aber gut. #freiesLand
4. Interessanter Vergleich
demophon 29.06.2013
Die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den verschiedenen Bundesstaaten verläuft ähnlich der Zeitachse der Legalisierung der gemischtrassigen Ehe, d. h. die Bundesstaaten, welche die Schlusslichter bei der Anerkennung der "Homo-Ehe" sind, waren es auch schon bei der Aufhebung des Verbots der gemischtrassigen Ehe. Die Ewiggestrigen gab es also immer in den gleichen Staaten. Karte der Chronologie der gleichgeschlechtlichen Ehe: Timeline: Gay marriage chronology - Data Desk - Los Angeles Times (http://graphics.latimes.com/usmap-gay-marriage-chronology/) Karte der Chronologie der gemischtrassigen Ehe: Interracial marriage - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Interracial_marriage#United_States)
5. Fortschritt aus Kalifornien
malte.b 29.06.2013
Die Homo-Ehe samt ihren familienrechtlichen Konsequenzen ist exakt die richtige Antwort des Westens auf die islamistische Herausforderung. Wir brauchen uns um die Zukunft keine Sorgen zu machen.
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