Vatikan: Papst sieht traditionelle Familie in der Krise

Vater, Mutter, Kind: Für andere Lebensformen scheint kein Platz in der katholischen Kirche. Papst Benedikt XVI. sprach bei einem Weihnachtsempfang im Vatikan wieder einmal von einer "Krise der Familie" - und kritisierte damit die Homo-Ehe.

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Papst Benedikt XVI.: Weihnachtsempfang für die Kurie im Vatikan

Rom - Papst Benedikt XVI. hat erneut eine Verwässerung des klassischen Familienbildes kritisiert - und damit indirekt gleichgeschlechtliche Beziehungen. Ohne die Homo-Ehe ausdrücklich zu erwähnen, warnte der Pontifex bei einem Weihnachtsempfang für die Kurie im Vatikan vor einem "Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind".

In den vergangenen Monaten waren international immer wieder Debatten über gleichgeschlechtliche Partnerschaften und das Adoptionsrecht homosexueller Paare aufgeflammt. Benedikt sprach von einer "Krise der Familie". In einigen Ländern, so die Nachrichtenagentur Reuters, gehe die katholische Kirche auf lokaler Ebene deshalb Allianzen mit Juden, Muslimen und Vertretern anderer Religionen ein, um gegen eine Legalisierung der Homo-Ehe vorzugehen.

Der Papst beklagte die "tiefe Unwahrheit" moderner Theorien über die sexuelle Identität, wonach das Geschlecht eine persönliche Entscheidung sei. Als Grundlage zitierte er dafür die Worte der französischen Schriftstellerin, Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir: "Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu."

Der Mensch bestreite dadurch seine Natur und sei nur noch Geist und Wille, beklagte das Oberhaupt von rund 1,2 Milliarden Katholiken weltweit. "Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt."

Mann und Frau würden durch solche Theorien "als einander ergänzende Gestalten des Menschseins" bestritten, sagte der 85-Jährige. "Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr." Auch das Kind verliere damit seinen Platz - und seine Würde. "Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst."

Die Kirche müsse mit aller Klarheit für ihre "nicht verhandelbaren Grundwerte" eintreten, forderte Benedikt. "Sie muss alles tun, um Überzeugung zu schaffen, die dann zu politischem Handeln werden kann."

wit/dpa/Reuters

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