Homophob-christliche Gruppe Exodus International löst sich auf

Jahrzehntelang versuchte die Organisation Exodus International, Homo- und Bisexuelle mit Gottes Hilfe zu "bekehren" - nun ist es damit vorbei. In einem bemerkenswerten Brief entschuldigte sich der Präsident der Gruppe.


Hamburg - Die Anhänger von Exodus International missionierten mit der Idee, gleichgeschlechtliche Liebe sei durch Gebete "heilbar", die fundamentalchristliche Gruppe aus den USA bezeichnete sich selbst als älteste ihrer Art. Nun die Kehrtwende: Exodus International hat sich aufgelöst, der Präsident entschuldigte sich in einem offenen Brief bei Homo- und Bisexuellen.

"Sie sollen wissen, dass es mir zutiefst leid tut. Ich entschuldige mich für das Leiden und die Verletzungen, die viele von Ihnen erleiden mussten", schreibt Alan Chambers. Es tue ihm leid, "dass manche von Ihnen jahrelang gegen Scham und Schuld ankämpfen mussten".

Seit 1976 war Exodus International aktiv. Wie viele Menschen sich der vermeintlichen Therapie seither unterzogen haben, konnte Chambers auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht sagen. Eine Schätzung sei unmöglich, schließlich sei das Programm durch etwa 260 geistliche Stellen in Nordamerika praktiziert worden.

Chambers lebt in Florida, hat eine Frau und zwei Kinder. Er selbst habe seine Hingezogenheit zu Männern etliche Jahre unterdrückt. "Die Tage sind lange vorbei, in denen ich mich schämte, solch ein Mensch zu sein. Ich fühle mich befreit, ich akzeptiere mich so, wie es meine Familie tut, wie es meine Freunde tun, wie es Gott tut." An Homosexuelle gerichtet schreibt er: "Sie waren nie meine Feinde, es tut mir leid, dass ich ihrer war."

Damit sprach er die Wahrheit aus: Exodus International vermittelte Homosexuellen, dass sie minderwertig seien, dass sie von einer unnatürlichen Orientierung befallen seien, die es zu heilen gelte. Die Folge: Die Menschen, die sich an die Organisation wandten, litten psychische Qualen. Deren Ausmaße räumte Chambers nun selbst ein.

Er habe viele Berichte gehört, schreibt er, "Berichte von Menschen, die bei Exodus Hilfe suchten und ein weiteres Mal traumatisiert wurden". Er entschuldigt sich bei Betroffenen, "dass viele von Ihnen Ihren Glauben verloren und manche sich entschieden haben, sich das Leben zu nehmen".

Zugleich stellt Chambers klar, dass er in Sachen Ehe weiterhin gegen die Gleichstellung von Homosexuellen sei und begründete dies mit Grenzen, die von der Bibel gesetzt würden. Aber er werde Homosexuelle nicht mehr bekämpfen, die mehr Rechte für sich einfordern.

bim/Reuters

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