Homosexuellen-Segnung Limburger Bischof beruft Dekan ab

Er hat ein schwules Paar gesegnet - nun ist er sein Amt los: Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst hat Bezirksdekan Peter Kollas suspendiert. Man müsse gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch erheben - so die offizielle Begründung.


Limburg - Weil er ein schwules Paar nach dessen standesamtlicher Trauung gesegnet hat, ist ein katholischer Dekan des Bistums Limburg von seinem Amt abberufen worden. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst begründete die Entscheidung am Mittwoch damit, dass das Vertrauensverhältnis zu dem Dekan zerstört sei. Die Katholische Lehre lasse eine Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften nicht zu. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) reagierte empört und forderte die Rücknahme der Entscheidung.

Bei dem betroffenen katholischen Geistlichen handelt es sich um den Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas. Der 55-Jährige ist seit 1996 im Amt und vertritt als Bezirksdekan den Bischof im Kirchenbezirk Wetzlar. Laut dem Sprecher der Diözese, Robert Eberle, ist Kollas ein in Wetzlar "geschätzter Seelsorger".

"Weiteren Schaden" abwenden

Das von Kollas gesegnete homosexuelle Paar hatte vor der Zeremonie am vergangenen Freitag im Standesamt geheiratet. Danach war die Festgesellschaft in den Wetzlarer Dom gezogen. An der dortigen Zeremonie nahmen rund 150 Gäste teil, darunter auch ein mit dem Paar befreundeter evangelischer Geistlicher aus Bad Godesberg.

Nach der Zeremonie habe es Proteste von Katholiken, aber auch evangelischen Christen gegeben, sagte Bistumssprecher Robert Eberle. Um "weiteren Schaden" abzuwenden, habe man den Bezirksdekan abberufen. Sein Amt als Pfarrer werde Kollas behalten.

Bischof Tebartz-van Elst betonte, wenn homosexuelle Paare gesegnet würden, könne der "falsche Eindruck entstehen, dass die Katholische Kirche homosexuelle Lebensgemeinschaften der Ehe gleichstellt".

Nach Angaben des Bistums Limburg gibt es "keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn".

"Angemessene Formen der Seelsorge"

Jeder Gläubige sei "verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben". Die Kirche sehe sich verpflichtet, für Homosexuelle "angemessene Formen der Seelsorge zu suchen".

Nach einem Gespräch mit dem Bischof habe dieser sich einsichtig gezeigt. Er habe solche Segnungen für eingetragene Lebenspartnerschaften nie zuvor vorgenommen und werde dies auch in Zukunft nicht mehr tun. Den Angaben zufolge soll in den nächsten Tagen nun ein kommissarischer Bezirksdekan ernannt werden.

LSVD-Sprecher Axel Hochrein nannte die Suspendierung des Dekans einen "Akt unerbittlicher Unversöhnlichkeit" gegenüber homosexuellen Menschen. Ein Priester werde bestraft, weil er Menschlichkeit gezeigt habe. Auch die Grünen kritisierten die Abberufung scharf.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, sprach von einem "Dokument pharisäerhafter Bigotterie und Umbarmherzigkeit". Nicht die Segnung eines schwulen Paares, sondern das jahrzehntelange Vertuschen von Missbrauchsfällen durch pädophile Priester hätte der Kirche schwer geschadet, sagte Beck.

han/ddp/AFP/dpa



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