Hurrikan "Irma" Zerstörung in der Karibik - Tausende fliehen aus Florida

"Irma" hat in der Karibik für schwerste Verwüstungen gesorgt, Tausende Menschen sind obdachlos, die Zahl der Todesopfer steigt. Am Wochenende könnte der Hurrikan Florida treffen, die Massenevakuierung läuft.

DPA/ Dutch Defense Ministry/ Gerben Van Es

Auf den amerikanischen Jungferninseln sind durch Hurrikan "Irma" mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Das sagte der Sprecher des Gouverneurs, Lonnie Soury. Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf hinterließ auf seinem Weg durch die Karibik Chaos: Durch "Irma" wurden zahlreiche Häuser zerstört, Tausende Menschen sind obdachlos, die Versorgung mit Strom, Trinkwasser und Benzin brach zusammen.

Wie viele Menschen insgesamt ums Leben kamen, ist bisher unklar. Frankreichs Premierminister Edouard Philippe sagte, im Überseegebiet Saint-Martin seien mindestens vier Tote gefunden worden. Auf dem niederländischen Teil der Insel, Sint Maarten, kam mindestens ein Mensch ums Leben, wie Innenminister Roland Plasterk sagte. Im britischen Überseegebiet Anguilla und auf Barbuda kamen zwei Menschen ums Leben.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Sturms betroffen sein. Der Hurrikan passierte in der Nacht auf Freitag Haiti und sollte dann weiter Richtung Kuba, Bahamas und Florida ziehen. "Irma" ist einer der stärksten jemals in der Region registrierten Tropenstürme mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde.

Video: Was "Irma" so gefährlich macht

Die Karibikinsel Haiti wurde von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. In der Stadt Ouanaminthe an der Grenze zur Dominikanischen Republik standen die Häuser bis zu 30 Zentimeter unter Wasser, wie der Zivilschutz mitteilte. Zwei Menschen wurden verletzt, als eine entwurzelte Kokospalme auf ihr Haus in der Nähe der Hafenstadt Cap-Haïtien stürzte.

Um 23 Uhr (MESZ) befand sich das Auge des Sturms nur wenige Kilometer nördlich von Haiti und bewegte sich auf die Bahamas zu. Viele Menschen hoffen nun, dass die Schäden durch "Irma" in Haiti weniger groß ausfallen als zunächst befürchtet (hier lesen Sie mehr über die Sorgen der Helfer).

In Haiti leiden die Menschen noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und Hurrikan "Matthew" im vergangenen Jahr. Viele Haitianer leben in provisorischen Unterkünften und sind schlecht auf einen neuerlichen Tropensturm vorbereitet. "Mit jeder Naturkatastrophe verschlechtert sich die Lage der Menschen", sagte Catherine Stubbe von der Hilfsorganisation Handicap International. "Wenn sie sich gerade von einem Unglück erholt haben, kommt das nächste."

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Wirbelsturm: "Irma" wütet

Auch zahlreiche Karibikurlauber waren vom Hurrikan betroffen. In der Dominikanischen Republik brachten die Behörden rund 7500 Touristen in Sicherheit. In Kuba wurden rund 36.000 Urlauber von der besonders gefährdeten Nordküste an sicherere Orte gebracht, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Experten rechnen damit, dass "Irma" am Wochenende auf Florida trifft. Die Vorhersagen der Meteorologen schwanken allerdings und können sich ändern. Nach letzten Modellen könnte Miami voll von "Irma" erfasst werden. Gouverneur Rick Scott rief die Einwohner des US-Bundesstaats zu äußerster Vorsicht auf. Der bevorstehende Sturm sei in vielen Teilen Floridas lebensgefährlich.

Florida bereitet sich auf "Irma" vor

In den Küstengebieten Floridas und des Nachbarstaats Georgia erhielten bis zu eine Million Menschen die Anordnung, ihre Häuser zu verlassen. Es war Medienberichten zufolge die größte Massenevakuierung seit mehr als einem Jahrzehnt. Wie die Nachrichtenagentur AP und der US-Sender CNN berichteten, kam es aufgrund der Evakuierungen zu Chaos auf den Straßen: Auf den Highways stauten sich demnach Tausende Autos und kamen nur extrem langsam vorwärts.

Autofahrer in Sunrise (Florida) auf dem Weg nach Norden
Mike Stocker/South Florida Sun-Sentinel/AP

Autofahrer in Sunrise (Florida) auf dem Weg nach Norden

US-Fluggesellschaften versuchen vor dem Eintreffen des Hurrikans "Irma" in Florida so viele Kunden wie möglich aus dem Gefahrengebiet herauszufliegen. American Airlines bietet 16 zusätzliche Flüge von Miami an. Delta Air Lines stellt mehr und größere Flugzeuge bereit, um so die Zahl der verfügbaren Plätze um 2000 zu erhöhen. United Airlines nahm sechs zusätzliche Flüge in seinen Plan auf. Alle drei Airlines wollen bis Freitagabend ihren Flugbetrieb in Florida weitgehend einstellen.

Der Energieversorger Florida Power & Light nimmt wegen des heranziehenden Wirbelsturms vorsorglich zwei Atomkraftwerke vom Netz. "Wir werden sie sicher herunterfahren", sagte Unternehmenssprecher Rob Gould. Die Atomkraftwerke Turkey Point und St. Lucie liegen an der Atlantikküste Floridas rund sechs Meter über dem Meeresspiegel.

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Hinter "Irma" kommen "Jose" und "Katia"

Der Sturm "Jose", der hinter "Irma" im Atlantik seine Bahn zieht, wurde in der Nacht zum Freitag vom Hurrikanzentrum der USA als Hurrikan der Stufe 3 hochgestuft. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 195 Kilometern pro Stunde 955 Kilometer östlich der Kleinen Antillen. In seinem Zug könnten auch die Inseln Antigua und Barbuda liegen. Vor allem auf Barbuda wurde durch "Irma" bereits schwer verwüstet.

In der Gegend wütet zudem der Tropensturm "Katia", der derzeit auf Kategorie 1 eingestuft ist. Es wird erwartet, dass "Katia" vor Freitag die Küste des mexikanischen Bundesstaats Veracruz erreicht.

aar/dpa/AP/AFP/Reuters

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redneck 08.09.2017
1.
Das knappe Dutzend Hurricanes, die ich erlebt habe, sind beeindruckend. Bei uns auf B.I deflektieren die 3 grossen Vulkane den Sturm und senken so das Risiko. Die Wassermengen die niedergehen sind riesig und oft regnets dann waagrecht. Florida ist halt einfach zu flach. Da rauschts ungehindert durch. http://www.prh.noaa.gov/cphc/ In der Praxis ist es relativ irrelevant ob der Cone nun 10% besser definiert werden kann. Kategorie 4 und 5 sind einfach gigantisch. Temperatur, Vektor und Distanz zum Zentrum ist meist aussagekräftiger.
Odysseus 08.09.2017
2. Keine Inseln namens Haiti
In ihrem Text heißt es: "Die Karibikinsel Haiti wurde von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht." Es gibt keine Karibikinsel namens Haiti - der Staat Haiti und die Dominikanische Republik teilen sich die Karibikinseln namens "Hispaniola". Liebe Grüße
yurguen 08.09.2017
3.
"Die Karibikinsel Haiti wurde von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. In der Stadt Ouanaminthe an der Grenze zur Dominikanischen Republik standen die Häuser bis zu 30 Zentimeter unter Wasser..." Na sowas. Wer die Karibik kennt, weiß ein Lied davon zu singen, dass dauernd Gegenden unter Wasser stehen. Mehrmals im Jahr muss ich, um zum Supermarkt zu gehen, durch 30 cm hohes Wasser waten. Das ist normal. Ebenso Stromausfälle, die hat man jeden Tag, nicht nur, wenn ein Hurrikan vorbeizieht. Vom Klischee, dass immer die Sonne scheint, ist man in der Karibik weit entfernt. Insgesamt sind Puerto Rico, die Dominikanische Republik und Kuba dieses Mal gut davongekommen. Keine Panik also. Lieber wirkliche Fakten. (P.S. Ich wohne seit 2003 in der DR und kenne auch Ouanaminthe / Wanamèt / Juana Méndez in Haiti sehr gut.)
rioreisser 08.09.2017
4. Erfindung der Chinesen
Grüße nach Washington
joachim.fruehauf 08.09.2017
5.
es wäre angenehm, wenn der Author statt Airline oder Airlines den deutschen Begriff Fluggesellschaft verwenden würde. Die unnötig verwendeten Anglizismen bringen mich jedesmal auf die Palme (falls noch nicht vom Sturm umgeknickt)
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