Hurrikan "Katrina" Wie aus New Orleans eine Stadt der Weißen wurde

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2. Teil: Welcome back – unless you're black


Der Stadtrat hatte beschlossen, die unliebsamen Backsteinbauten aus den vierziger Jahren dem Erdboden gleichzumachen – nun, da der Sturm die Menschen ohnehin fortgetrieben hatte und die Häuser leer standen. Kriminalität prägte das Viertel rund um die sogenannten "Big Four" im Osten der Stadt vor der Flut – die Housing Authority of New Orleans (HANO) wollte durch den Neubau hochwertiger Häuser ein "mixed income"-Quartier schaffen.

Einen Stadtteil, in dem gut verdienende Weiße und von der Armut bedrohte Schwarze Tür an Tür leben. Bedingungen, unter denen der Kriminalität der Nährboden entzogen werden soll, so die Hoffnung der Politik.

"Die Stadt hat die Architektur mit der hohen Kriminalitätsrate in Verbindung gebracht", sagt Jakob. "Aber der Plan ist zu kurz gedacht: Man reißt die alten Dinger ab, subventioniert den Neubau mit 700 Millionen Dollar und hat am Ende nur einen Bruchteil des Wohnraums für die sozial schwachen Familien, den man vorher hatte." Der Plan sieht vor, dass nur ein Drittel der Sozialhilfeempfänger in das Viertel zurückkehren, wenn der Neubau fertig ist. "Und das in einer Stadt, in der ohnehin so viele Wohnungen zerstört worden sind."

In New Orleans sind die Mietpreise seit "Katrina" wegen der hohen Versicherungssummen um ein Drittel gestiegen, die Zahl der Obdachlosen hat sich verdoppelt. Mehr als 30.000 Menschen leben noch immer in Wohnwagensiedlungen.

"Man hat sie nie gefragt, was sie wollen"

"Die Stadt soll wiedergeboren werden", sagte Joseph Williams von der New Orleans Redevelopment Authority einst. Doch die Wiedergeburt wird auf dem Reißbrett geplant: Die Stadt zu neuem Leben erwecken sollen offenbar nur die, die auch in das Stadtbild passen. New Orleans hat heute weniger Einwohner – die jedoch pro Kopf ein höheres Einkommen vorweisen können.

Bis die neuen Wohnungen auf dem Terrain der ehemaligen Sozialsiedlungen fertiggestellt sind, werden noch zwei bis vier Jahre vergehen, schätzt die Wohnbehörde HANO. Wenn die ersten Mieter dann 2012 einziehen, liegt Katrina sieben Jahre zurück. "Ob die ehemaligen Bewohner dann zurück wollen, ist sehr fraglich", sagt Jakob. "Man hat sie in dem gesamten Prozess nicht gefragt, was sie wollen." Dabei sei es keine Alternative gewesen, die Menschen in den Big Four sich selbst zu überlassen. "Aber man hätte über diverse präventive Projekte nachdenken können, um die Menschen aus der Kriminalität zu holen."

Bis heute sind die Mietverträge der früheren Bewohner nicht gekündigt worden. Stattdessen hat der Staat Unsummen dafür ausgegeben, um die Sozialhilfeempfänger andernorts unterzubringen. Was passiert, wenn die Sonderzahlungen an die "Katrina"-Opfer im März 2009 eingestellt werden, vermag derzeit niemand zu sagen.

"Es ist sicher keine Lösung, die Menschen auf verschiedene Kommunen zu verteilen und zu hoffen, dass sie sich in der Masse verteilen", sagt Jakob. "All die negativen Umstände, die die Menschen in den Big Four umgeben haben, sind ja nicht weg, nur weil ihre Wohnungen weg sind."

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