Illegaler Waffenbesitz Polizei findet Revolver bei Stasi-Agent Kurras

Unangekündigter Besuch: Berliner Beamte haben die Wohnung des früheren Polizisten und Stasi-Mitarbeiters Karl-Heinz Kurras durchsucht. Sie fanden einen nicht genehmigten Revolver und einen Totschläger.


Berlin - Er war einer von ihnen, jetzt müssen sie gegen ihn ermitteln: Ein Staatsanwalt und drei Polizisten haben an diesem Freitag die Wohnung des früheren Kriminalbeamten Karl-Heinz Kurras durchsucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die gegen den Pensionär wegen illegalen Waffenbesitzes ermittelt, wurden dabei ein nicht genehmigter Revolver, Kaliber 38, sowie ein Totschläger gefunden.

Der West-Berliner Kriminalobermeister, der als Waffennarr gilt, arbeitete von 1955 bis 1967 für die Staatssicherheit - nach Informationen des SPIEGEL lieferte er in dieser Zeit dem Ministerium (MfS) Hunderte von brisanten Berichten, darunter 24 Informationen über festgenommene Spione der Stasi. Zudem überbrachte Kurras seinen Führungsoffizieren, so lässt sich Stasi-Akten entnehmen, Details über mindestens fünf "desertierte MfS-Angehörige".

Kurras hatte am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration gegen den persischen Schah den Studenten Benno Ohnesorg erschossen. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass Kurras zu jener Zeit SED-Mitglied war und für den DDR-Staatssicherheitsdienst als IM "Otto Bohl" arbeitete. In zwei Prozessen wegen seines Todesschusses auf Ohnesorg war der Polizist 1967 und 1970 freigesprochen worden.

jdl



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