Kuppelparty für spanische Provinz-Senioren: Späte Landlust

Gestern noch war José Miguel ein alter, einsamer Spanier. Heute ist er ein alter, verliebter Spanier. 68 heiratswillige Frauen aus der Stadt sind mit dem Bus in sein Dorf gereist, um die Männer des Dorfes in Augenschein zu nehmen. War die Richtige dabei?

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AP

Candeleda - José Miguel wohnt, wo die Einsamkeit zu Hause ist. 6000 sind sie noch in Candeleda, einem Dorf in Spaniens trostloser Mitte. Die Menschen sind Obstbauern, pflanzen Tabak an, die zweistündige Fahrt nach Madrid nehmen sie nur selten auf sich.

Über die Jahre sind dem Dorf die Frauen abhanden gekommen. Wer jung ist und es sich leisten konnte, zog weg. Übriggeblieben sind die Alten und ganz Jungen - eine schwierige Mischung für einsame ältere Herren auf der Suche.

Lange Jahre ertrugen sie ihr Schicksal still und gottergeben. Doch seit einiger Zeit trägt der Verein Asocamu den Frühling in die Herzen der spanischen Bauern. Am Samstag wieder hielt ein Bus in der Stadtmitte Candeledas, als sich seine Türen öffneten, stiegen 68 Frauen aus ihm heraus. Sie waren aus Madrid gekommen, um den einsamen Landherzen eine Chance zu geben.

Die Schönheit des Dorfes

José Miguel aus Candeleda ist 67, Single, und nennt die Dinge gern beim Namen. "Die Witwen und alleinstehenden Frauen hier kenne ich schon", sagt er, für ihn ist die Ankunft der Busbesatzung ein Festtag. "Ich habe mich angemeldet, um neue Frauen kennenzulernen. Hoffentlich kann ich ihnen die Schönheit meines Dorfes zeigen."

Miguel sagt, er wolle nicht, dass sein Dorf langsam ausstirbt. Das ist so charmant uneigennützig formuliert, dass die eine oder andere Madrilenin ihm vielleicht sogar glauben könnte. Wenn der Senior dann noch auf die Höhlenmalereien verweist, die doch beweisen, dass seit 5000 Jahren Menschen in der Region siedeln - wer sollte dann noch widerstehen?

Manuel Gozalo sagt, weite Teile der Mitte und des Nordens Spaniens seien von Entvölkerung bedroht, er organisiert die Kuppelparty in Candeleda. Das klingt zunächst ein wenig bürokratisch, dann sagt er aber noch, dass mit der Einsamkeit besonders viele Männer zu kämpfen hätten, die "im Herzland" Spaniens lebten. So romantisch kann Statistik sein. Eine amtliche Zahl will er dann aber doch noch loswerden: 100 der rund 5000 spanischen Dörfer seien direkt von der Entvölkerung bedroht. Handlungsbedarf.

US-Western dient als Vorbild

Die Idee zu der Singleparty für Bauern und Stadtbewohner kam dem Verein Asocamu durch den Film "Karawane der Frauen" aus dem Jahr 1951. Der Streifen mit Robert Taylor und Denise Darcel erzählt die Geschichte von Bräuten, die in der Pionierzeit zur Heirat in den Westen der USA reisen.

Und so tanzten und flirteten am Samstag in Candeleda die Männer vom Land mit den Frauen aus der Stadt. Sie wolle einen schönen Tag genießen und der Romantik eine Chance geben, sagt die 52-jährige Verkäuferin Blanca Fernandez aus Madrid. "Ich weiß, es ist schwierig, die Liebe des Lebens zu finden", sagt sie. "Aber einige dieser Treffen haben schon zu Ehen geführt."

jbr/dapd

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