Fotoserie über Brandenburgs Nordosten Balin, ick pfeif uff dir

Seit Ina Schoenenburgs Eltern ins brandenburgische Lunow an der Oder zogen, lernt die Fotografin aus Berlin bei langen Spaziergängen die Landschaft und die Menschen dort kennen - und zeigt sie in verwunschenen Bildern.

Ina Schoenenburg/ OSTKREUZ

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  • Sibylle Fendt/ OSTKREUZ Agentur
    Ina Schoenenburg, 1979 in Ost-Berlin geboren, studierte Fotografie an der Ostkreuzschule. Seit 2016 ist sie Mitglied der Fotografenagentur Ostkreuz.

Ein Garten voller Zwerge, Meerjungfrauen und anderer Wesen: Oft ging die Fotografin Ina Schoenenburg an diesem Grundstück vorbei. Irgendwann klingelte sie einfach an der Haustür des Besitzers namens Bernd und fragte, ob sie ihn fotografieren dürfe. Das entstandene Bild ist nun Teil der Serie "Schmale Pfade". Darin zeigt Schoenenburg die Landschaft und die Menschen im Unteren Odertal in Brandenburg.

Seit ihre Eltern vor vier Jahren in die Gegend zogen - nach Lunow an der Oder -, ist Schoenenburg fasziniert von den Menschen und der Landschaft dort: "Alles ist sehr ursprünglich, wild, es wird nicht viel eingegriffen", sagt die Fotografin. " Wenn dort ein Baum umfällt, dann wird er liegen gelassen und verwächst langsam mit der Natur."

2014 schloss Schoenenburg ein Projekt über deutsche Soldaten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung ab. Sie fühlte sich ausgelaugt, brauchte vor allem Ruhe. Diese fand sie bei ihren Eltern. Sie fing an, die Gegend um das Untere Odertal zu erkunden - und die Menschen dort zu porträtieren.

Es entstanden Bilder von melancholischer Schönheit: Ein Mann mit einem weißen Kaninchen sitzt inmitten von hohem Gras, ein Künstler posiert in einer überdimensional großen Skulptur in einem wilden Garten, Kinder spielen als Gespenster verkleidet auf einer blühenden Wiese.

Fotostrecke

12  Bilder
Künstler, Landwirte und Holzarbeiter: Menschen aus Brandenburg

Für Schoenenburg spielt die Lage der Gegend keine Rolle. Es zählt nur die Landschaft. Saubere und geordnete Gegenden würden sie nicht interessieren, sagt die Fotografin, sie suche nach Brüchen, nicht nach Idylle. Diese gebe es sicherlich noch an anderen Orten, sie fand sie eben im Nordosten Brandenburgs. "Das ist eine Endmoränenlandschaft, hügelig, sehr weit und einfach wahnsinnig schön."

Meist war sie zu Fuß unterwegs, ließ sich treiben. So traf sie die Menschen, die schließlich zu Protagonisten ihres Fotoprojekts wurden. Die Leute seien ihr immer sehr offen begegnet: "Das liegt vielleicht auch daran, dass ich selbst Ostdeutsche bin." Bei den Menschen in der Gegend um Lunow hat sie das Gefühl, dass sie eine Heimat haben: "Die meisten leben da schon lange."

Die Beziehung der Ortsansässigen zu ihrer Umgebung interessiert die Fotografin besonders: "Die Natur ist etwas Mächtiges, etwas Archaisches und wir müssen uns in ihr zurechtfinden", sagt Schoenenburg.

Das bedeutet auch, Einsamkeit auszuhalten. Bandenburg ist dünn besiedelt, in manchen Landstrichen leben durchschnittlich nur 25 Einwohner pro Quadratkilometer. Schoenenburg kennt dieses Lebensgefühl: "Ich habe mich auch manchmal einsam gefühlt in meiner Kindheit."

Die Fotografin selbst verspürt eine Sehnsucht nach dem Landleben: "Ich glaube nicht, dass ich noch lange in der Stadt sein werde. Ich will einen Garten, in dem ich werkeln kann. Spazieren gehen und draußen sein - das macht mich glücklich."

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