"Körperliche Grausamkeit" Keine Toilette im Haus - Inderin darf sich scheiden lassen

Eine junge Inderin beantragte die Scheidung, weil sie sich nur abends und im Freien erleichtern durfte. Nun hat ein Gericht ein offenbar historisches Urteil gefällt.

Indische Frauen beim Internationalen Toiletten-Festival 2014
AFP

Indische Frauen beim Internationalen Toiletten-Festival 2014


Ein indisches Gericht hat einer Frau erlaubt, sich scheiden zu lassen, weil ihr Ehemann keine Toilette im Haus bauen will. Wie die "Times of India" berichtet, heiratete das Paar 2011. Vor zwei Jahren reichte die Frau die Scheidung ein, weil sie sich stets erst abends im Freien erleichtern durfte.

Nun gaben Richter in einem offenbar historischen Urteil der Frau recht. Demnach hieß es in der Urteilsbegründung: "Wir geben Geld aus für Tabak, Alkohol und Handys, aber wir weigern uns, Toiletten zu errichten für die Würde unserer Familie."

"Grausam und empörend"

In Dörfern sei es Frauen oft erst nach Anbruch der Dunkelheit erlaubt, auf den Feldern "dem Ruf der Natur" zu folgen. "Das ist nicht nur körperliche Grausamkeit, sondern auch empörend für den Anstand einer Frau." Ein Anwalt der Frau bestätigte laut BBC den Richterspruch. Eine Scheidung in Indien ist an enge Bedingungen geknüpft - zum Beispiel häusliche Gewalt oder bewiesene Grausamkeit.

Die 24-Jährige soll von ihrem Mann auch gezwungen worden sein, sich im Freien zu waschen. Er habe an den Zuständen nichts ändern wollen. Der Mann sagte den Berichten zufolge vor Gericht, die Familie der Frau habe das Thema vor der Hochzeit nicht angeschnitten. Die Bitte um eine Toilette sei in der dörflichen Umgebung ungewöhnlich.

Die indische Regierung hat sich laut BBC zum Ziel gesetzt, dass jeder Haushalt des Landes bis zum Jahr 2019 mit einer Toilette ausgestattet sein soll. Dagegen aber gebe es in Teilen der Bevölkerung Widerstand.

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