Indien Polizei-Chef vergleicht Vergewaltigung mit Wetten

"Wenn man eine Vergewaltigung nicht verhindern kann, sollte man sie genießen." Mit diesem Satz wollte der Chef der indischen Bundespolizeibehörde CBI seine Haltung zu Sportwetten veranschaulichen - und löste heftige Empörung aus. Kritiker fordern seinen Rücktritt.

CBI-Chef Ranjit Sinha: "Vergewaltigung genießen"
AFP

CBI-Chef Ranjit Sinha: "Vergewaltigung genießen"


Neu-Delhi - Was haben Sportwetten und Vergewaltigungen miteinander zu tun? Nichts. Und dennoch zog der indische Polizeichef Ranjit Sinha einen seltsamen Vergleich: "Wenn man das Verbot von Wetten nicht durchsetzen kann, ist es, als ob man sagt, wenn man eine Vergewaltigung nicht verhindern kann, sollte man sie genießen."

Mehrere Politiker bezeichneten den Kommentar als abscheulich und forderten seinen Rücktritt. Im Kurznachrichtendienst Twitter war die Empörung riesig, der Name des CBI-Chefs gehörte zu den am häufigsten verwendeten Worten in Indien. Am Mittwoch versuchte Ranjit Sinha, den Spruch zu relativieren. Er habe "nur ein Sprichwort verwendet, um etwas zu veranschaulichen", sagte er laut dem Nachrichtensender NDTV.

"Es ist unmöglich, dass ein Mann, der mit den Ermittlungen in mehreren Vergewaltigungsvorwürfen betraut ist, solche Vergleiche zieht", sagte Frauenaktivistin Brinda Karat von der kommunistischen Partei der Zeitung "The Hindu". "Er sollte angezeigt werden wegen Diskriminierung und Beleidigung von Frauen."

Auf einer Veranstaltung zu Sport und Ethik war es zu dem verbalen Ausrutscher gekommen. "Es ist besser, etwas zu haben, es zu legalisieren und daraus Gewinn zu ziehen, als die Hände in den Schoß zu legen und den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen", sagte Sinha.

Indien diskutiert engagiert über Vergewaltigungen und die Stellung der Frau im Land, seit eine 23-jährige Studentin im Dezember von mehreren Männern in einem Bus vergewaltigt wurde und später an ihren Verletzungen starb.

In der indischen Hauptstadt Neu-Delhi ist seitdem die Zahl der Anzeigen wegen Vergewaltigung in die Höhe geschnellt. Bis zum 15. Oktober dieses Jahres meldeten Frauen 1330 sexuelle Gewalttaten bei der Polizei - das sind deutlich mehr als die 706 Fälle im gesamten Jahr 2012.

ala/dpa

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