Bewerbungsverfahren in Indonesien Militär verteidigt umstrittenen Jungfrauentest

Frauen, die in Indonesien Soldatin werden wollen, müssen ihre Jungfräulichkeit nachweisen. Human Rights Watch verurteilt diese "Zwei-Finger-Tests" scharf. Das Militär rechtfertig sie: Wer schon Sex hatte, sei mental nicht geeignet.

Indonesische Soldatinnen (Archivbild 2010): "Grausame, unmenschliche und erniedrigende Tests"
AFP

Indonesische Soldatinnen (Archivbild 2010): "Grausame, unmenschliche und erniedrigende Tests"


Der Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ist mehr als deutlich: Der sogenannte Jungfrauentest für Bewerberinnen im Militärdienst gehöre abgeschafft; er sei diskriminierend, grausam und unmenschlich, heißt es in der aktuellen Mitteilung. Das sieht das Militär anders.

Der Test auf Jungfräulichkeit sei notwendig, um festzustellen, ob die Kandidatinnen "kess" (englisch "naughty") seien, sagte der Sprecher des indonesischen Militärs dem britischen "Guardian". "Wir müssen die Psyche der Bewerberinnen untersuchen", sagte Fuad Basya. "Wenn sie keine Jungfrauen mehr sind, wenn sie kess sind, heißt das, sie sind mental nicht fit."

Die HRW-Anwältin für Frauenrechte sagte, die "Zwei-Finger-Tests" führten in keiner Weise dazu, die Sicherheit des Landes zu stärken. "Präsident Joko Widodo sollte die Tests sofort abschaffen und allen Militärkrankenhäusern verbieten, sie durchzuführen."

Schon im vergangenen November hatte die Menschenrechtsorganisation die Test bei Polizeianwärterinnen angeprangert. Die Befragten beschrieben dieses Erlebnis als schmerzhaft und traumatisch.

Für den aktuellen Bericht wurden elf Frauen interviewt, die sich entweder um einen Ausbildungsplatz beim Militär beworben haben oder die mit einem Mitarbeiter verlobt sind. Die Gesellschaft in Indonesien ist zwar liberal, offiziell sind sexuelle Beziehungen vor der Ehe aber tabu.

Ein Arzt am Militärkrankenhaus von Jakarta sagte HRW, der Test sei verpflichtender Bestandteil der Aufnahmeprüfung. Er werde üblicherweise von Ärztinnen durchgeführt. Eine Frau sagte HRW allerdings, ihre Jungfräulichkeit sei von einem Mann überprüft worden.

Militärangaben zufolge werden die Tests schon seit "einer langen Zeit" durchgeführt, wie der "Guardian" schreibt. Laut Militärsprecher Basya kann - entgegen anderslautender Kritik - festgestellt werden, ob das Jungfernhäutchen tatsächlich beim Sex oder "versehentlich" gerissen sei. Wer die Überprüfung nicht bestehe, sei nicht geeignet, dem Militär beizutreten, sagte Basya. "Wir werden die Tests auch weiterhin durchführen. Denn als Person des Militärs gibt es nichts Wichtigeres als die Psyche. Physische und intellektuelle Anforderungen sind zweitrangig."

aar



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
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Jochen.Bold 14.05.2015
1. Toleranz
Dieser Islam ist auch ein Teil Deutschlands.
metbaer 14.05.2015
2.
Gilt diese idiotische Regelung auch für verheiratete Frauen oder dürfen die "naughty" sein, ohne dass ihre Kampfkraft verloren geht?
h.klinge-klinge 14.05.2015
3.
Da fragt man sich ernsthaft was die Jungfräulichekeit mit der Tauglichkeit beim Militär zu tun hat... Ich würde das eher als staatlich verordnete Sexuelle Belästigung ansehen...
hurzi.hurzel 14.05.2015
4.
Soso, und was geschieht mit der männlichen Psyche nach dem ersten Sex? Scheint wohl immun zu sein gegen diese ominöse "kess'ness". Auch die Äußerung "intellektuelle Anforderungen sind zweitrangig" lässt tief blicken...
dennis3110 14.05.2015
5.
Menschen mit solchen Ansichten tun mir einfach nur leid. Alle Frauen dort sollten das ganze boykottieren - dann wird sich schon was ändern !
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