Insel Lesbos Oxfam kritisiert Zustände in griechischen Flüchtlingslagern

Überbelegung, Ärztemangel, fehlende Betreuung: Die Hilfsorganisation Oxfam mahnt die katastrophale Lage von Geflüchteten in griechischen Migrantenlagern an.

Wasserstelle nahe dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos
DPA

Wasserstelle nahe dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos


Vertreter der Hilfsorganisation Oxfam haben die Lebensbedingungen von Schwangeren, unbegleiteten Kindern und Überlebenden von Folter in griechischen Migrantenlagern scharf kritisiert. Hunderte Schutzbedürftige seien in den Zeltstädten auf den Inseln der östlichen Ägäis weitgehend auf sich allein gestellt, heißt es in einem Bericht.

Es fehle an medizinischem Personal und warmem Wasser. Zudem hätten winterliche Regenfälle die Lager in matschige Sümpfe verwandelt. Die griechische Regierung und die anderen EU-Staaten müssten ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen gerecht werden, forderte Oxfam.

Im sogenannten Hotspot-Lager Moria auf der Insel Lesbos lebten fast doppelt so viele Menschen wie ursprünglich vorgesehen. Einige Frauen seien aus Angst vor Übergriffen dazu übergegangen, nachts Windeln zu tragen, um Toilettengänge zu vermeiden. "Moria ist ein gefährlicher Ort für Frauen", sagte eine 36-jährige Kamerunerin einem Vertreter von Oxfam. "Es kann jederzeit zu Übergriffen kommen. Steine können an deinen Kopf fliegen, wenn du von deinem Zelt zur Toilette gehst." Der geschlossene Frauenbereich sei nachts nicht bewacht, nach 23 Uhr könne jeder hineingelangen. "Sicherheit ist ein großes Problem für uns."

"70 Personen teilen sich eine Toilette, die Hygiene ist sehr schlecht", wird ein Mitarbeiter einer NGO auf Lesbos zitiert. "Es gibt viele kleine Kinder und Säuglinge in dem Lager. Einige Leute haben noch nicht mal ein Zelt und jetzt kommt der Winter. Im Olivenhain gibt es Schlangen, Skorpione und Ratten."

Am frühen Dienstagmorgen wurde in Moria die Leiche eines 24-jährigen Kameruners gefunden. In der Nacht waren die Temperaturen unter null gesunken. Insbesondere geschwächte Asylsuchende müssten schnellstmöglich auf das Festland gebracht werden, forderte Oxfam.

Außerdem dürfe Griechenland mit der Herausforderung nicht allein gelassen werden. Es gelte, die Asylsuchenden fairer auf die EU-Staaten zu verteilen. Die Staatengemeinschaft kann sich jedoch schon seit Jahren nicht auf eine verbindliche Quote zur Verteilung von Flüchtlingen auf alle Länder einigen.

Die griechische Regierung bemüht sich bereits seit Monaten, die Situation in den Lagern zu entspannen. Sie hat Tausende Schutzbedürftige, darunter Familien, alleinstehende Frauen und Minderjährige, aufs Festland gebracht. Laut griechischem Migrationsministerium lebten Anfang Januar in und um die sogenannten Registrierzentren auf den Inseln rund 14.800 Menschen. Noch im Oktober waren es etwa 20.000.

Video: Flüchtlingskatastrophe in Griechenland (SPIEGEL TV 2015)

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ala/dpa

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