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Männer beim Einkaufen: Vereint im Shopping-Leid

Ein Interview von

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Corbis

Wartender in der Umkleide

Sie sitzen in Einkaufszentren, Boutiquen, Kaufhäusern: Missmutige Männer, zum Shopping mitgeschleppt. Ein Instagram-Account widmet sich dem Phänomen. Leidensgenossen gibt es überall, sagt der Macher.

Matt Stroud lebt in Portland im US-Bundesstaat Oregon. Der 36-Jährige ist Mitbesitzer der Holzfirma Timeline Wood. In seiner Freizeit befüllt er einen Instagram-Account, der sich mit dem Leid von Männern beim Einkaufen beschäftigt: Miserable Men, derzeit knapp 1300 Einträge.

SPIEGEL ONLINE: Herr Stroud, ich nehme an, die Idee zu "Miserable Men" entstammt Ihrer persönlichen Erfahrung?

Stroud: Ja, meine Ex-Freundin hat mich ständig zum Einkaufen mitgeschleppt. Ich saß den ganzen Tag da und merkte, dass viele Typen dort genauso frustriert herumsaßen wie ich. Also fing ich an, sie heimlich zu fotografieren. Erst wollte ich die Fotos in einem Buch herausbringen. Aber als Instagram aufkam, habe ich den Account eingerichtet. Innerhalb eines Jahres fingen die Leute an, mir Fotos zu schicken. Heute bekomme ich jeden Tag Hunderte Zusendungen.

SPIEGEL ONLINE: Hunderte?

Stroud: Männer, die beim Einkaufen so dasitzen, sind offensichtlich ein weit verbreitetes Phänomen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Fotos veröffentlichen Sie?

Stroud: Nur die wirklich lustigen. Fotos von Leuten, die schlafen oder geistig völlig abwesend sind und nicht merken, dass sie fotografiert werden. Das sind die besten, weil die Leute nicht posieren.

#miserablemen in Brazil

Ein von Miserable Men (@miserable_men) gepostetes Foto am

SPIEGEL ONLINE: Wo kommen die Fotos her?

Stroud: Aus aller Welt. Japan, China, USA, Australien, Irak, Libanon. Und ziemlich viele aus Deutschland. Diese bemitleidenswerten Typen gibt es einfach überall.

Thanks @santipega04

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SPIEGEL ONLINE: Und wie viele Leute schauen sich "Miserable Men" an?

Stroud: Keine Ahnung. Aber auf der Seite ist immer was los. Viele schicken Fotos ihrer Ehemänner oder Freunde. Oder sie kommentieren die Bilder, schreiben ihren Partnern: "Schau, das bist du am nächsten Wochenende" oder "So hast du gestern ausgesehen".

Thanks @pjbrooke

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SPIEGEL ONLINE: Ist das die Idee hinter dem Account: Zu zeigen, dass es Männern beim Shopping überall gleich ergeht?

Stroud: Nein. Es ist zwar interessant zu sehen, dass es ein universelles Phänomen ist. Aber ich will einfach lustige Bilder zeigen.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie auch Einsendungen, die sich für "Miserable Women" eignen würden?

Stroud: Äußerst selten. In normalen Geschäften sitzen fast immer die Männer rum. Vielleicht wäre es anders, wenn es in Baumärkten Ausruh-Sofas gäbe. Meine Firma beliefert eine Baumarkt-Kette. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Paare dort wegen gemeinsamer Projekte hingehen. Ist das nicht der Fall, bleiben die Frauen einfach zu Hause. Aus irgendeinem Grund ist es eine Frauensache, Männer zum Einkaufen zu schleppen.

SPIEGEL ONLINE: Man könnte den Account auch als Konsumkritik begreifen: Seht her, wir verbringen viel Zeit beim Einkaufen, haben aber offensichtlich keine Freude daran.

Stroud: Das ist ein konstantes Thema in den Kommentaren: Wieso machen diese Typen das mit? Warum bleiben die nicht einfach zu Hause?

SPIEGEL ONLINE: Und - warum nicht?

Stroud: Ein Satz: "Sie sagte, es dauert nur eine Minute." Aber es dauert immer länger.

SPIEGEL ONLINE: Die Männer lernen offensichtlich nichts daraus.

Stroud: Nein, das kapiere ich auch nicht. Jedes Mal sagt man sich "nie wieder". Aber aus irgendeinem Grund landen wir dann doch immer wieder in den Läden und sitzen dort rum.

The Blues

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SPIEGEL ONLINE: Sie also auch?

Stroud: Manchmal passiert mir das auch noch, aber ich versuche wirklich, es zu vermeiden.

Miserable in Florence.

Ein von Miserable Men (@miserable_men) gepostetes Foto am

SPIEGEL ONLINE: Sie haben also eine neue Partnerin, die Sie mitschleppt?

Stroud: Nein, habe ich nicht. Die deutschen Ladies dürfen mich gerne kontaktieren.

#miserablemen

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insgesamt 72 Beiträge
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1. Dabei wäre es so enfach:
qewr 17.03.2016
Bar oder Cafeteria in die Damenabteilung einrichten.
2. Alternativen
Tikal69 17.03.2016
Aber wie gut, dass es ja heute Handys und Tablets gibt. Da kann man wenigstens lesen oder ein wenig daddeln. So vergeht die Zeit auch.
3. Keibe Bar oder Cafeteria
Ge-spiegelt 17.03.2016
sonst gehen da die Frauen auch hin und dann dauert es noch länger. Hat der denn die Opfer alle gefragt, dass sie ins Internet und SPON wollen?
4. Männer-Spielecke
dingodog 17.03.2016
Zitat von qewrBar oder Cafeteria in die Damenabteilung einrichten.
Eine andere Idee wäre, in der Damenabteilung ein Regal oder einen Tisch mit für Männer mittleren Alters interessanten Technik-Sachen und Büchern zu platzieren. Umsatz & Ablenkung garantiert!
5. Warum interessieren sich Männer nur für Frauen die gerne einkaufen
al2510 17.03.2016
kenne viele Frauen die gar nicht in Klamotten Läden gehen, aber die sind alle ledig. Männer mögen es wohl und noch viel mehr dann, wenn sie sich als große Leider hinstellen. Vielleicht waren die Typen dann auch nur müde vom Unterhosen und BH betrachten, das ja für viele sehr aufregend ist. Die Bilder könnte man auch machen. Aber das würde keiner herzeigen, Verletzung der Privatsphäre.
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