US-Museum Millionenschweres Gemälde in Abstellkammer entdeckt

In einer Abstellkammer entdeckte ein Museumsdirektor aus den USA ein altes Bild. Ganz nett, befand er und ließ es restaurieren. Dann kam heraus: Er war auf das wertvolle Werk eines flämischen Meisters gestoßen.

Das im Museum Hoyt Sherman Place gefundene Gemälde "Apollo und Venus"
Hoyt-Sherman-Place-Museum/ DPA

Das im Museum Hoyt Sherman Place gefundene Gemälde "Apollo und Venus"


Robert Warren war eigentlich auf der Suche nach alten Flaggen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, als er den Fund seines Lebens machte: In einem Abstellraum stieß der Galerieleiter im Veranstaltungszentrum Hoyt Sherman Place in Des Moines auf ein Gemälde. "Interessant" habe das Bild ausgesehen, erinnert sich Warren. "Seinen Wert habe ich aber anfangs gar nicht erkannt", sagte er dem Sender CNN.

Auf der Rückseite des Bildes entdeckte er einen Aufkleber, der nahelegte, dass das Gemälde schon einmal im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt worden war. Die Farben waren mit der Zeit stark nachgedunkelt, die Oberfläche hatte kleinere Schäden und Wasserflecken davongetragen. Warren beschloss, es in die Hände eines Restaurators zu geben. Der versprach, es nur für Material- und Frachtkosten aufzuarbeiten.

"Er brachte mich wöchentlich auf den neuesten Stand - und das Ganze wurde immer spektakulärer", berichtete Warren. Irgendwann wurde klar: Bei dem Gemälde handelt es sich um das Werk "Apollo und Venus" von Otto van Veen. Der flämische Künstler unterrichtete einst Peter Paul Rubens und gilt als einflussreichster Vertreter des flämischen Barock.

Van Veen entstammte einer Adelsfamilie aus Leiden, wo er 1556 zur Welt kam. Er lebte in Antwerpen, später in Brüssel und unternahm viele Reisen, etwa nach Italien und Deutschland. Seine Werke sind unter anderem im Pariser Louvre ausgestellt.

Zu anzüglich, um ausgestellt zu werden?

Das Werk "Apollo und Venus" wurde vermutlich in den Jahren 1595 bis 1600 gemalt. Es war eines von insgesamt fünf Bildern, die in den Zwanzigerjahren von der in Des Moines ansässigen Familie Collins an den Frauen-Klub am Hoyt Sherman gespendet wurden. Im Jahr 1880 wurde es offenbar zuletzt in New York ausgestellt und fristete dann sein Schattendasein in der Abstellkammer der Galerie. Vielleicht, vermutet der Galerieleiter Warren, war die Darstellung des göttlichen Trios für die damalige Zeit zu freizügig.

Auf dem Bild sieht man Apollo und Venus mit dem Liebesgott Amor. Venus, die römische Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, ist komplett hüllenlos als Künstlerin porträtiert. Sie arbeitet mit graziös geführtem Pinsel an einem Landschaftsbild, auf dem am Horizont das geflügelte Pferd Pegasus zu erkennen ist.

Fundort des Gemäldes
Hoyt Sherman Place

Fundort des Gemäldes

Die Verkaufspreise für Werke Van Veens lagen bisher zwischen vier und 17 Millionen Dollar - Warren ist sich sicher, dass "Apollo und Venus" ähnlich wertvoll ist. Doch das Gemälde soll zunächst im Hoyt Sherman Place bleiben. "Wir haben so viele Besucher, die es am liebsten sofort sehen wollen", sagte Warren dem Sender NBC4. Stifter und Vorstandsmitglieder dürfen das fertig restaurierte Werk bereits am 21. März bestaunen, ab Juli soll das Bild für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

ala



insgesamt 2 Beiträge
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Holbirn 04.04.2018
1. Des Moines
Der Knaller bei der Geschichte ist eigentlich der Ort, wo das stattgefunden hat. Bei allem Respekt, aber Des Moines, Iowa ist so ziemlich das trostloseste große Kaff, was man sich vorstellen kann.
Analog 05.04.2018
2. Abstellkammer ?
In den meisten Museen ist es so, dass ein kleiner Teil der Sammlungen in den Ausstellungen präsentiert werden und der größere Teil in entsprechenden Räumen gelagert werden. Wer stellt ein Ölbild in eine Abstellkammer und findet es dann nach Jahren... Sehr unglaubwürdig.
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