Irland Heterosexuelle Männer heiraten - um Erbschaftsteuer zu sparen

Die Iren Matt Murphy und Michael O'Sullivan sind seit Jahren beste Freunde. Matt möchte Michael sein Haus vererben. Um 50.000 Euro Steuern zu sparen, haben die beiden nun in Dublin geheiratet.

Hochzeitstortenaufsatz in der Form eines gleichgeschlechtlichen Ehepaares
DPA

Hochzeitstortenaufsatz in der Form eines gleichgeschlechtlichen Ehepaares


Auf den ersten Blick sah es nach einer normalen Hochzeit in Irland aus. Arm in Arm traten Matt Murphy und Michael O'Sullivan in Dublin vor den Standesbeamten. Dazu spielte eine Harfe. Elf Gäste waren zu der Zeremonie am Freitag gekommen.

Doch es war keine normale Hochzeit: Matt, 83, und Michael, 58, sind beste Freunde, hegen aber keine romantischen Gefühle für einander und sie stehen auch nicht auf Männer. Sie haben geheiratet, um rund 50.000 Euro Erbschaftsteuer zu sparen.

Matt ist nämlich auf Hilfe angewiesen. Er leidet an Riesenzellarteriitis, die unter anderem seinen Sehnerv angegriffen hat. Michael, der ihn seit 30 Jahren kennt, kümmert sich um Matt. Doch der hat nicht genug Geld, um seinen Freund dafür zu bezahlen. Also versprach Matt dem 25 Jahre jüngeren Michael - einem geschiedenen Vater von drei Kindern - ihm nach seinem Tode das Haus zu vererben.

"Das war eine großartige Idee", sagte Michael dem "Irish Mirror". "Doch ich müsste das Haus sofort weiterverkaufen, weil ich die Erbschaftsteuer anders nicht bezahlen könnte. Und das, was danach noch übrig bliebe, würde nicht ausreichen, um ein anderes Haus zu kaufen."

Eine Freundin brachte die beiden Männer dann auf die Idee zu heiraten, um die Erbschaftsteuer zu sparen. Die Iren hatten im Mai 2015 in einem Referendum die Ehe für alle beschlossen.

Nach der Trauung dankte Michael den Vorkämpfern für die Rechte von Schwulen und Lesben: "Die Schwulen und Lesben in diesem Land haben lange und hart für Gleichheit gekämpft und sind dafür fast ihr gesamtes Leben diskriminiert worden. Sie haben die Gleichheit nicht nur für sich selbst errungen, sondern auch für alle anderen."

Vor der Hochzeit habe Michael die Nationalpolizei, die Zollbehörde und den ehemaligen juristischen Chefberater des Premierministers gefragt, ob sie mit der Heirat etwas Illegales täten. Ihre Antwort: Nein.

Nach der Trauung am Freitag sagte Michael: "Ich liebe Matt und er liebt mich - als Freunde."

syd



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