Der Fall Halappanawar: Tausende Iren demonstrieren für Recht auf Abtreibung

Schweigeminute für die Inderin Savita Halappanawar: Zehntausend Menschen haben in Dublin der jungen Frau gedacht, der eine Abtreibung verweigert wurde - und die daraufhin starb. Die Frage um das Recht auf Abtreibung hat in Irland eine emotionale Debatte ausgelöst.

Protestzug in Dublin: Schwangerschaftsabbruch ist in Irland ein Tabu Zur Großansicht
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Protestzug in Dublin: Schwangerschaftsabbruch ist in Irland ein Tabu

Dublin - Ärzte hatten ihr eine Abtreibung verweigert, kurz darauf starb die Inderin Savita Halappanawar an einer Blutvergiftung im Krankenhaus. Wenige Tage nach dem Tod der jungen Frau haben in der irischen Hauptstadt Dublin rund 10.000 Menschen für das Recht auf Abtreibung bei Lebensgefahr für die Mutter demonstriert. In einer Schweigeminute gedachten sie einer 31-Jährigen, die am 28. Oktober in einem irischen Krankenhaus gestorben war. Die Menschen zogen mit Fotos von Savita Halappanavar vor den Amtssitz von Ministerpräsident Enda Kenny.

Die indische Zahnärztin war in der 17. Woche schwanger, als sie zu Beginn einer Fehlgeburt mit heftigen Schmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Ärzte weigerten sich, den Fötus zu entfernen, bis sein Herz vier Tage nach der Einlieferung der Mutter aufhörte zu schlagen. Der Witwer der Frau und Aktivisten argumentierten nun, dass die Frau möglicherweise überlebt hätte, wenn der Fötus früher entfernt worden wäre.

Der Tod der jungen Frau sorgt nun für eine emotionale Debatte in Irland. Abtreibungsbefürworter fordern die Regierung auf, endlich das Abtreibungsverbot in dem katholischen Land aufzuheben und einen klaren Rechtsrahmen zu schaffen. Die starke Fraktion der Abtreibungsgegner hingegen warnt vor überstürzten Schlüssen.

Der Tod der jungen Inderin rückt eine bekanntes Problem ins Rampenlicht: Schwangerschaftsabbruch ist in Irland immer noch ein Tabu. Ein Verfassungszusatz von 1983 hält fest, dass der Embryo vom Zeitpunkt seiner Zeugung an ein irischer Bürger mit allen Rechten ist. Schwangere Irinnen müssen ins benachbarte Großbritannien reisen, um abzutreiben.

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
ronnx 18.11.2012
Es besteht durchaus die Moeglichkeit der Abtreibung, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Warum dies in diesem Fall nicht angewandt wurde, laesst sich nur vermuten. Weiterhin moege jeder ein Irischer Staatsbuerger sein, dessen Herz anfaengt zu schlaegt, das sieht dann aber ganz anders aus, wenn man in Irland geboren wurde, aber keine irischen Eltern hat - siehe Irish Nationality and Citizenship act 2004 ( http://www.irishstatutebook.ie/2004/en/act/pub/0038/index.html)
2. Kein Tabubruch
laracroft11 18.11.2012
sondern schlicht und einfach ein Kunstfehler der nicht nur dem irischen Gesetz widerspricht, das schließlich bei Gefahr für das Leben der Mutter eine Abtreibung erlaubt, sondern auch dem Europäischem Gerichtshof. Übrigens ist die Zahl von zehntausend Demonstranten wohl eine Schätzung des ultrakonservativen Staatsfernsehens. Jedoch ist das in einem Land in dem bei normalen Kundgebungen einige Hundert auftauchen auch schon ganz schön viel. Und noch einmal zum Mitschreiben: die meisten Einwohner Irlands befürworten eine Abtreibung falls Gefahr für das Leben der Mutter besteht. Das schließt Suicidgefahr ein.
3. Das ist nicht Religion
mescal1 18.11.2012
Das ist krank. Ideologie ist in keiner Form verantwortbar. Aber hier ist der Katholizismus Vehikel, um seine eigenen Moarlvorstellungen anderen zu oktroyieren. Religion ja, Ideologie nein. Aber es ist schwierig, in einer Demokratie gegen die Mehrheit anzukommen, wenn die meint, Freiheit ist ihrer Überzeugung unterzuordnen.
4. Unklare Rechtslage
theresarain 18.11.2012
Kommentare 1 und 2 sind so nicht richtig. Tatsächlich ist die Rechtslage äußerst unklar. Es gibt einige Urteile des obersten Gerichts, die Frauen in Sonderfällen (medizinische Gründe, Vergewaltigung) die Ausreise zwecks Abtreibung ins benachbarte GB gestatten. Damit ist nicht klar, ob auch ein Arzt in Irland einen Abbruch vornehmen darf. Und es gibt das Urteil des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2010 in dem dieser einer Frau, die aus medizinischen Gründen für einen Abbruch nach GB fahren musste, Schadensersatz zuspricht und zugleich von Irland eine klare Richtlinie sprich Gesetzeslage für solche Fälle fordert. Die gibt es aber bis heute nicht, da Irland diese Entscheidung seit Jahren verschleppt. Insofern konnten sich die Ärzte absolut NICHT sicher sein, ob ein Abbruch bei schlagendem Herzen des Fötus rechtens wäre.
5. Wo war das noch mal?
karlkaefer 18.11.2012
Im islamistischen Norden von Mail? Oder war es im Gottesstaat Iran? Was? In Irland? Im Mitteleuropa? Und in der EU? Also, daß in der EU noch Staaten so rückständig wie im finstersten Mittelalter sind, hätte ich nicht gedacht. Das spricht ja auch Bände darüber, wie in diesem Land die Frauen angesehen sind: Die berühmten 3 Ks: Kinder, Küche, Kirche. Ach so: Und für's Bett natürlich, so ehrlich sollte man(n) schon sein. Auch Irland ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wohin die Verquickung von Staat und Religion führt: Mit den Menschen kann man tun, was man will. Schließlich gibt es ja die Belohnung im Paradies. Alles schon mal da gewesen.
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Fläche: 70.182 km²

Bevölkerung: 4,593 Mio.

Hauptstadt: Dublin

Staatsoberhaupt:
Michael D. Higgins

Regierungschef: Enda Kenny

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